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Gefundene Objekte: 153

A

Familie Adomeit

Das Ehepaar Alfred und Wally Adomeit kam 1934 mit ihrer einzigen Tochter Liselott (11) aus Ostritz/Oberlausitz nach Gera.
Herr Adomeit war studierter Apotheker. Er arbeitete angestellt 1935-44 in der Stadtapotheke am Markt. Gern hätte er hier eine eigene Apotheke gehabt. 1943 wurde dieses Anliegen vom Reichsinnenministerium endgültig abgelehnt. Selbst sein Antrag vom 15.1.1936 auf Mitgliedschaft in der NSDAP half nichts. Die Nationalsozialisten forderten von ihm, sich scheiden zu lassen. Als er sich weigerte, wurde er am 16.10.1944 verhaftet und ins Arbeitslager Halle-Ammendorf gebracht. Dort wurde er bei einem Luftangriff schwer verletzt und kam ins Krankenhaus. In den Wirren der letzten Kriegswochen gelang es ihm, trotz Gehhilfen, wieder nach Gera zu kommen. Er erholte sich, und war noch viele Jahre in der Geraer staatlichen Hochhaus-Apotheke tätig. Er starb 1982 im Alter von 89 Jahren.
Mutter Wally, getauft, aber jüdischer Herkunft, musste im Januar 1945 nach Theresienstadt. Von dort holte Herr Adomeit in einer gemeinsamen Aktion mit anderen Ehemännern im Juni 1945 unter abenteuerlichen Umständen seine Frau zurück nach Gera. Da wog sie noch 35 kg. Wally wurde 67 Jahre alt und starb 1960.
Die Schülerin Liselott hatte als „Halbjüdin“ Repressalien zu erleiden. Von der Zabelschule wurde sie 1939 ohne Abschluss entlassen. An einer christlichen Internatsschule in Gnadau machte sie 1942 ihr Abitur. Sie kam zurück nach Gera und wurde dienstverpflichtet zu körperlich schwerer Arbeit. Nach 1945 durfte sie Medizin studieren und arbeitete Jahrzehnte als Ärztin in Erfurt. Sie starb 2010.

B

Ernst Bartholomes (1896–1981)

Ernst Bartholomes wurde am 22. Juli 1896 in Wenigenjena geboren. Nach achtjähriger Schulzeit erlernte er bei der Firma Schietrumpf den Beruf eines Werkzeug- und Maschinenschlossers. 1915 wurde er zum Heeresdienst eingezogen. Nach Beendigung des Krieges arbeitete er zunächst wieder bei der Firma Schietrumpf, im Juli 1925 stellte ihn die Firma Carl Zeiss als Maschinenmonteur ein. Da er wegen der „jüdischen Abstammung“ der Mutter als „Halbjude“ galt, hatte er ab 1933 unter den nationalsozialistischen Diskriminierungs- und Verfolgungsmaßnahmen zu leiden. Am 15. Oktober 1944 wurde er, wie auch sein Bruder Otto (1906–1952), von der Gestapo verhaftet und in das Arbeitslager der Organisation Todt in Weißenfels-Halle gebracht, wo beide zu Bauarbeiten bzw. im Leuna-Werk eingesetzt waren. Nach der Befreiung durch US-amerikanische Truppen im April 1945 kehrte er nach Jena zurück und arbeitete wieder bei der Firma Zeiss. Ernst Bartholomes, der seit 1921 mit Margarete Nußbaumer verheiratet war, starb am 28. Januar 1981 in Jena.

Fritz Bartholomes (1898–1962)

Fritz Bartholomes wurde am 7. Juni 1898 in Wenigenjena als drittes Kind der Familie geboren. Nach dem Besuch der Volksschule war es ihm aus finanziellen Gründen zunächst nicht möglich, seinen Wunsch, Musiker zu werden, zu verwirklichen. So nahm er eine Arbeit bei der Firma Carl Zeiss an. Während des Weltkrieges kämpfte er als Gefreiter der Infanterie, wofür er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet wurde. 1920 bis 1923 konnte er dann an der Musikhochschule Weimar studieren. Während der Inflationszeit und damit verbundener wirtschaftlicher Notlage musste er das Studium unterbrechen und fand bei der Firma Schietrumpf einen Broterwerb. 1930 legte er schließlich die Prüfung als Musiklehrer ab und war seitdem in diesem Beruf in Jena tätig. Nach eigener Aussage beherrschte er sieben Instrumente. 1933 begann auch für ihn ein außerordentlich schwerer Lebensweg. Nach dem Tod seiner Frau Charlotte (1900–1936) wurde ihm die beabsichtigte Heirat mit einer nichtjüdischen Frau verwehrt. Das Rechtsamt der Stadt Jena teilte im August 1942 mit, dass nach einem Erlass des Reichsministers des Innern die Bearbeitung seines Antrages auf Ehegenehmigung nach dem „Blutschutzgesetz“ eingestellt worden sei. Bis 1940 konnte er noch als Musiklehrer arbeiten. So leitete er im November 1934 ein Konzert des Mandolinenklubs Jena im Stadttheater. Sein berufliches Fortkommen endete, als ihm am 16. Februar 1942 die Reichsmusikkammer eine Tätigkeit als Musiklehrer untersagte: „Laut Abstammungsbescheid des Reichssippenamtes sind Sie jüdischer Mischling mit zwei der Rasse nach volljüdischen Grosselternteilen. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, dem Ihr Aufnahmeantrag zur Entscheidung vorgelegt wurde, hat durch Erlass vom 8. April 1941 […] die Erteilung einer Sondergenehmigung für Sie abgelehnt. Sie sind damit zur Ausübung einer Tätigkeit auf dem Zuständigkeitsgebiet der Reichsmusikkammer nicht mehr befugt.“ (ThStA Rudolstadt, Bezirkstag und Rat des Bezirkes Gera 7881) Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nahm ihn schließlich 1943 die Schädlingsbekämpfungsfirma Rohrbach in Stellung. Im April 1944 wurde Fritz Bartholomes zusammen mit den Jenaern Wilhelm Thiel und Alfred Pabst (Sarah Pabst) zur Zwangsarbeit in das nordfranzösische Giverny (bei Vernon) verschleppt und bis Ende August 1944 dort festgehalten. Bei der Verlegung des Lagers gelang ihm die Flucht. Bis Kriegsende konnte er sich nach eigener Aussage in Rothenstein, Höhlenbau der Firma Zeiss, verborgen halten. Nach Kriegsende heiratete Fritz Bartholomes seine langjährige Verlobte Margarete, geb. Böhme und war wieder als Musiklehrer tätig. Am 5. Februar 1962 starb er in Jena.

Adolph Behrendt (1849–1913)

Adolph Behrendt gehörte neben Leopold Hammerstein (1881), Abraham Frankenberg (1882) und Alfred, „Hirsch“, Muscatblatt (1885) zu den ersten jüdischen Gewerbetreibenden, die sich in den 1880er Jahren in Jena niederließen und deren Zahl bis zum Ende des Jahrhunderts rasch anstieg. Er wurde am 8. Dezember 1849 in Preußisch Stargardt als Sohn eines Pferdehändlers geboren. Seine Ehefrau Rosa stammte aus Stolp in Pommern, wo sie am 29. April 1855 als Tochter des Kaufmanns Salomon Jacobsohn geboren wurde. Ab 1875 lässt sich Adolph Behrendt in Magdeburg als Mitinhaber der Putz- und Weißwarenhandlung Dyck & Behrendt nachweisen, spätestens ab 1879 betrieb er hier eine eigene Strohhutfabrik. In Magdeburg wurde im Oktober 1880 Betty Behrendt als erstes Kind des Ehepaares geboren. Von Magdeburg zog die Familie nach Bernburg, wo die Töchter Else (1883) und Meta (1884) zur Welt kamen. Im Juli 1886 beantragte Adolph Behrendt in Jena die Gewerbeerlaubnis für einen Handel mit Weiß- und Putzwaren. Nach erfolgter Genehmigung begründete er am 12. Oktober 1886 sein Handelsgeschäft im Haus des Tischlermeisters Herfurth am Markt 16. Ihre erste Wohnung fand die Familie im Haus des Kirchenrates Adolf Hilgenfeld am Fürstengraben. Anfang November 1886 wandten sich Leopold Hammerstein und der erst seit etwa vier Monaten in Jena wohnhafte Adolph Behrendt als einstweilige Vertreter der israelitischen Religionsgesellschaft an den Gemeindevorstand Jena und baten um die Überlassung eines Begräbnisplatzes auf dem 1884 begründeten Nordfriedhof: „Die hier wohnenden Israelitischen Familien beabsichtigen eine Religionsgesellschaft zu bilden, die dazu erforderlichen Statuten sind zum Theil entworfen und bedürfen nur noch der polizeilichen Genehmigung. Behufs Bildung […] erfordert es vor allen Dingen einen Begräbnißplatz der nach israelitischen Religionsbrauch eingeweiht ist. Da unsere Mittel zur Beschaffung eines Begräbnißplatzes nicht ausreichen und uns bekannt ist, daß von Seiten der Stadt ein neu erworbener Begräbnißplatz angelegt wird so geht unsere ergebene Bitte dahin ungefähr uns ¼ Acker des eingefriedigten Begräbnißplatzes der Stadt … der israelitischen Religions-Gesellschaft zu Jena bewilligen und abzulassen.“ (StadtAJ, B Vg 21a) Die Friedhofskommission stand dem Gesuch allerdings ablehnend gegenüber und empfahl dem Gemeinderat, „auf das […] eingereichte Gesuch betreffs eines Begräbnißplatzes […] für die israelitische Religions-Gesellschaft auf dem neuen Friedhofe nicht einzugehen“. Dieser Auffassung folgte der Gemeinderat, so dass die Antragsteller ohne Antwort blieben. Trotz der ablehnenden Haltung des Gemeinderates und der damit zunächst nicht zustande gekommenen Gründung einer Religionsgemeinde blieb die Familie Behrendt, deren Geschäft am Markt von der Einwohnerschaft gut angenommen wurde, in Jena. Bereits 1889/90 erwarb Adolph Behrendt das Haus Markt 17 (ehemals Neuenhahn), erweiterte das Geschäftssortiment durch Manufakturwaren und legte damit den Grundstein für den Aufbau des ersten Jenaer Kaufhauses. In das alte Geschäft am Markt 16 zog der Spielwaren-Bazar des Leipziger Kaufmanns Mayer Herscowicz, welcher von Jakob Berl geführt wurde. Der mit Adolph Behrendt in engerer Beziehung stehende Kaufmann Leopold Hammerstein, Inhaber eines Geschäftes für Knaben- und Herrenkonfektion, scheint hingegen weniger erfolgreich gewesen zu sein. 1889 verließ dieser mit seiner Frau Therese, geb. Silberstein, und dem 1888 in Jena geborenen Sohn Erich die Stadt. Den in Magdeburg bzw. Bernburg geborenen Töchtern des Ehepaares Behrendt folgten in Jena der am 24. November 1887 geborene älteste Sohn Arthur, dann Gertrud (1889), Hans (1891) und schließlich die jüngste Tochter Paula (1895). Zehn Jahre nach dem Gesuch Behrendts zum Anlegen eines Begräbnisplatzes gelang es 1896, die “Israelitische Religionsgemeinschaft“ in Jena zu gründen. Neben Adolph Behrendt gehörten die Kaufleute Georg Born, Abraham Frankenberg, Moritz Hofmann, Hermann Friedmann (Familien Friedmann), Selma Saling und der 1887 nach Jena gekommene Arnold Laboschinski, der eine Fabrikation chirurgischer Instrumente betrieb, zu ihren Gründungsmitgliedern. Als Begräbnisplatz für die Gemeindemitglieder wurden auswärtige jüdische Friedhöfe, vor allem der in Erfurt, genutzt. Im März 1897 erwarb Adolph Behrendt schließlich auch das Bürgerrecht der Stadt. Aus den Unterlagen geht hervor, dass „Ahrendt genannt Adolf Behrendt“ seine preußische Staatsangehörigkeit beibehielt und über ein Vermögen von 30 000 Mark verfügte. Das Warenhaus A. M. Behrendt am Markt 17, als solches seit 1904 im Adressbuch ausgewiesen, erweiterte sich über die Jahre hinsichtlich seiner Verkaufsfläche erheblich. So kündigte die Jenaische Zeitung für den 17. November 1910 die Neueröffnung des nun auf zwei Etagen bedeutend vergrößerten Kaufhauses Behrendt an. Zum Warenangebot gehörten neben Wäsche, Konfektion, Gardinen, Teppichen, Haus- und Küchengeräten auch Geschenkartikel wie im Verlag A. M. Behrendt herausgegebene Postkarten  mit  Jenaer Ansichten. Adolph Behrendt erwarb 1912 das Haus Kahlaische Straße 1, in dem das Ehepaar seinen Alterssitz bezog. Im folgenden Jahr, am 27. Mai 1913, starb Adolph Behrendt während eines Aufenthaltes in Partenkirchen an einem Herzschlag. Er wurde nach Berlin überführt und am 1. Juni 1913 auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Das Ehepaar Behrendt gehörte zu den vermögendsten jüdischen Familien in Jena. Noch als Witwe leistete Rosa Behrendt die höchsten Beiträge zur Besoldung des Landesrabbiners, so 1914 mit 132 Mark. Im Vergleich hierzu entrichteten die Professoren Felix Auerbach ca. 18 Mark und Eduard Rosenthal ca. 93 Mark. Rosa Behrendt starb am Juli 1917 in Jena. Am 30. Juli 1917 wurde sie an der Seite ihres Mannes im Erbbegräbnis Behrendt in Berlin bestattet. Das Kaufhaus Behrendt am Markt im Komplex mit der Oberlauengasse 3a wurde als offene Handelsgesellschaft durch die Söhne weitergeführt und blieb erstes Haus am Platz, das auf allen vier Etagen Kleidung anbot. Werbeaktionen wie der jährlich durchgeführte Sonderverkauf von Weißwäsche in der „Weißen Woche“ steigerten die Beliebtheit des Hauses. Daneben engagierten sich die Brüder Behrendt für soziale Zwecke. So beteiligten sie sich 1923 mit 665 000 RM an der Erneuerung der Jenaer Notküche, die auch Zuwendungen von Richard Dannemann, Max und Hermann Friedmann (Familien Friedmann) sowie Isaak Urbach erhielt. Bis Anfang 1928 lebten die Söhne Behrendt noch gemeinsam im Haus Kahlaische Straße 1, in dem – nach Veräußerung an die Universität – nur wenige Jahre später die „Universitätsanstalt für menschliche Erbforschung und Rassenpolitik“ unter Karl Astel eingerichtet werden sollte.

Arthur Behrendt (1887–1963)

Arthur Behrendt hatte sich durch den Architekten Paul Engelhardt am Oberen Philosophenweg 62 eine Villa errichten lassen, Hans Behrendt zog in den Hufelandweg 1. 1929 eröffneten Arthur und Hans Behrendt mit einer Filiale der neu gegründeten Einheitspreis-Handelsgesellschaft Wohlwert ein weiteres Kaufhaus, das im Grundgeschoss des Hauses Unterm Markt 8 sein Domizil hatte. Zur Eröffnung am 1. November 1929 luden sie auch den Oberbürgermeister Alexander Elsner ein und betonten dabei ihre Intention, mit dem Geschäft „unserer Heimatstadt ein Unternehmen anzugliedern, das nach modernen Grundsätzen geleitet wird, und der Bevölkerung eine neue günstige Kaufmöglichkeit bietet“ (StadtAJ, D Ib 39, Bl. 161). Das Wohlwert-Kaufhaus Hans und Arthur Behrendt bot ein vielfältiges Angebot an Lebensmitteln, Haushaltsartikeln und Textilien an. Aufgrund des wirtschaftlichen Erfolges wurde 1931 das Kaufhaus um die erste Etage erweitert, wo eine neue, nach modernsten Grundsätzen eingerichtete Lebensmittel-Halle mit Imbissecke entstand. 1933 änderte sich die Situation schlagartig. Vom Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 waren beide Kaufhäuser Behrendt betroffen. Aus den Vorschlagslisten für den auf Veranlassung der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation neu aufzustellenden Angestelltenrat der Firmen Wohlwerth und A. M. Behrendt geht hervor, dass beide Firmen 1933 über je 43 Angestellte verfügten. Hans Behrendt, verheiratet mit Irene Behrendt, starb schwer erkrankt 1934 in München. Im August desselben Jahres wurde Dr. Rudolf Jobst, Jurist und von 1931 bis 1933 als Vertreter der DDP (bzw. Deutschen Staatspartei) Mitglied des Thüringer Landtages, Personal- und Bürochef des Kaufhauses Behrendt. Seine Anstellung bei Behrendt brachte ihm Anfeindungen und Beschimpfungen als „Judenknecht“ ein. Nach den Erinnerungen von Annemarie Metz, die um diese Zeit eine Lehre als Kontoristin im Kaufhaus Behrendt absolvierte und mit Jobst in einem Büro saß, hatten beide Brüder Behrendt eine ausgeprägt soziale Gesinnung: „Sie hätten Verständnis für die Sorgen und Nöte ihrer Angestellten gehabt. Die Brüder Behrendt organisierten einmal pro Jahr ein Betriebsfest und spendeten für gemeinnützige Zwecke, so auch für das von den Nationalsozialisten ins Leben gerufene 'Winterhilfswerk'.“ (EBERT 2007, S. 184) Anfang 1937 konnten noch Jubiläums-Briefköpfe „50 Jahre Behrendt Jena“ benutzt werden, doch unter dem Druck der Verhältnisse musste Arthur Behrendt im April 1937 beide Kaufhäuser an den „arischen“ Kaufmann Kurt Hepprich für 85 000 RM bzw. 50 000 RM verkaufen. Am 4. September 1937 eröffnete dieser das Kaufhaus Hepprich am Markt „in rein arischem Besitz, mit nur arischem Personal, geleitet in echtem deutschen Kaufmannsgeist“. Die Firma A. M. Behrendt wurde am 9. September 1937 im Handelsregister A des Amtsgerichtes Jena endgültig gelöscht. Das Kaufhaus Wohlwert schloss am 31. Dezember 1937 und wurde am 8. Januar 1938 unter dem Namen „Heka“ weitergeführt. Als beim Novemberpogrom 1938 SA-Trupps die Schaufensterscheiben der geschlossenen jüdischen Geschäfte einschlugen, befand sich darunter auch das einstige Kaufhaus Behrendt, weil das Gerücht kursierte, es würde sich bei dem Besitznachfolger Hepprich nur um einen „Strohmann“ Behrendts handeln. Arthur Behrendt, der in der Pogromnacht 1938 verhaftet und am 10. November in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert worden war (Übersicht 2), verkaufte noch 1938 seine Villa am Oberen Philosophenweg und fand zuletzt Asyl am Landgrafenstieg 1 bei Dr. Max und Siegfried Peters. Hier lebte auch der Philosoph Professor Hans Leisegang, der 1933 wegen „Beschimpfung des Reiches“ seines Amtes enthoben wurde und zuvor im Haus Kahlaische Straße 1 gewohnt hatte. Anfang März 1939 meldete die Kriminalpolizei Jena an das örtliche Finanzamt die von Arthur Behrendt veranlassten „vorbereitenden Maßnahmen zur Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland“. Unter dem Hinweis, dass Behrendt bereits seit längerer Zeit seine Auswanderung plane, wurde mitgeteilt, dass dieser „für den 3. und 4. März 1939 den Antrag auf Verpackung und Verladung von Umzugsgut nach Rotterdam und von da nach USA., beim hiesigen Hauptzollamt gestellt“ hat. Arthur Behrendt konnte gemeinsam mit seiner Frau Grete, geb. Corth, in die USA emigrieren. Als Offizier der US-Army übte er 1945 eine leitende Stellung im Lager für deutsche Kriegsgefangene in Bad Kreuznach aus. Nach dem Krieg bemühte sich Arthur Behrendt um Restitution für das Grundstück Oberer Philosophenweg 62 sowie die Kaufhäuser Markt 17 und Unterm Markt. Bereits am 6. Juni 1945 hatte Willy Klimpel die Wiedereröffnung der „für die Versorgung besonders wichtigen Betriebe Kaufhaus Kurt Hepprich und Heka, Kurt Hepprich, Jena, Unterm Markt 8–12“ beantragt. Der aus Berlin stammende Klimpel, seit 1933 im Kaufhaus Hertie, dann im „Kaufhaus des Westens“ beschäftigt, war 1942 nach der Einberufung Rudolf Jobsts zur Wehrmacht zum Geschäftsführer bestellt worden. Im September 1945 wandte sich die Präsidialkanzlei Thüringen an den Jenaer Oberbürgermeister, um zur Vorbereitung der Rückführung der "sogenannten arisierten Geschäfte“ an die früheren Eigentümer geeignete Verwalter einzusetzen. Als Treuhänder für die beiden Kaufhäuser sollte Max Blau, nach dortigen Angaben ein „entfernter Verwandter von Behrendt", bestellt werden. Gegen die Einsetzung Blaus gab es jedoch städtischerseits Bedenken, da, „nachdem der frühere Geschäftsführer der Firma Kurt Hepprich, Herr Dr. Jobst, wieder die Leitung des Betriebes übernommen hat", dies für nicht notwendig erachtet wurde. Noch 1948 beantragte Blau seine Einsetzung als Treuhänder für die seit 1946 sequestrierten Firmen Heka und Hepprich. So sehr das Verständnis der Stadt dafür bestehe, „daß Herr Behrendt den Wunsch hat, Sie [Max Blau] als seinen Vertrauensmann in der Stellung des Treuhänders der beiden Betriebe zu sehen“, könne sie dem nicht Folge leisten, da bereits eine von der Landeskommission zur Durchführung der Befehle Nr. 124 und Nr. 126 übertragene Treuhänderschaft vorliege. Solange die Sequestrierung bestünde, könnten Wiedergutmachungsansprüche nicht erfüllt werden. Letztendlich gelang eine Rückgabe der Geschäfte nicht. Das Stammhaus Behrendt am Markt musste 1949 als Ruine abgerissen werden; es war im Dezember 1939 durch einen Brand schwer zerstört worden. Der Verkauf fand danach in den Rosensälen statt. Das frühere Heka eröffnete am 7. Januar 1949 – nach der Überführung in Volkseigentum – als neues Konsum-Kaufhaus Unterm Markt. Das Grundstück Ricarda-Huch-Weg 16 hingegen wurde 1952 vom Rat der Stadt als ausländisches Grundstück, Besitzer Arthur Behrendt, New York, verwaltet. Arthur Behrendt starb am 1. August 1963. Die älteste Tochter Adolph und Rosa Behrendts, Betty, hatte 1902 in Jena den Kaufmann Hermann Sklow (1887–1938) geheiratet. Sklow, Direktor der Geraer Filiale des Warenhauskonzerns Hermann Tietz, war bereits vor 1933 den Angriffen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Nach dem Verlust seiner Stellung zog die Familie, in der Absicht schnellstmöglich auszuwandern, von Gera nach Berlin-Grunewald. Nach dem Versuch, Gelder ins Ausland zu schicken, wurde Sklow durch die Gestapo verhaftet und im Polizeipräsidium Berlin inhaftiert, wo er am 17. Oktober 1938 verstarb. Seine Frau Betty erhielt die Urne mit der Asche ihres Mannes und dem Vermerk „Selbstmord begangen“. Die Urne wurde im Grab von Adolph und Rosa Behrendt in Berlin-Weißensee beigesetzt. Betty Sklow, die in die USA ausreisen wollte, gehörte 1939 zu den Passagieren des bekannten Schiffes St. Louis, dem die Landung in Kuba verweigert wurde und musste nach Europa zurückkehren. Sie überlebte, wohnte für kurze Zeit in Holland und ging später nach New York. Die zweite Tochter Else (1883–1952) war seit 1907 mit dem jüdischen Kaufmann Ludwig Mayer aus Aschaffenburg verheiratet. Meta, die dritte Tochter, wurde die Ehefrau des Meininger Kaufmanns Leopold Grünstein. 1935 wanderte die Familie Grünstein nach New York aus. Gertrud Behrendt heiratete 1912 den Erfurter Kaufmann Max Arenstein. 1918, als die Brüder Hans und Arthur Behrendt Kriegsdienst leisteten, hatte „Geschäftsführer Arnstein [es dürfte sich um den in dieser Zeit in Jena wohnhaften Moritz Arenstein handeln, vermutlich ein Bruder Max Arensteins] hier [im Hause Behrendt]“ eine Versammlung »der etwa 25 Personen zählenden jüdischen Einwohner Jena’s" in der Sonne angemeldet, auf deren Tagesordnung die "Stellungnahme zum jüdischen Religionsunterricht und Neubelebung der bereits bestehenden Religionsgemeinschaft" stand. Zur Leitung der dann nach dem Ersten Weltkrieg neu gegründeten Jenaer Religionsgesellschaft gehörte neben Ignaz Eckstein auch Arthur Behrendt. Der 1922 in Jena geborene Sohn von Gertrud und Max Arenstein, Hans Arenstein, wurde als 16-Jähriger im November 1938 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Wie seine Eltern konnte er emigrieren. Er fiel 1944 als Soldat der British Army in Frankreich. Die jüngste Tochter von Adolph und Rosa Behrendt, Paula, heiratete 1926 in Erfurt in zweiter Ehe den Kaufmann Sigmund Mayer und starb 1930 in Frankfurt a. M.

Siegfried Blumenthal (1872–1926)

Die Brüder Schaye und Sally Blumenthal stammten aus Fordon, wo sie am 19. April 1872 bzw. 24. Januar 1878 als Söhne des Händlers Jakob Blumenthal und dessen Ehefrau Marie, geb. Levin, geboren wurden. Der Kaufmann Schaye (auch Schaja) Blumenthal, später nur noch Siegfried genannt, kam 1900 vermutlich von Erfurt nach Jena. Mit der am 17. September 1879 in Peine geborenen Ida Plaß war er seit 1901 verheiratet. Die drei Kinder des Ehepaares, Kurt (geb. 17. September 1901), Margarethe (1902–1903) und Käthe (geb. 30. Juli 1906), wurden in Jena geboren. Im Germarschen Haus in der Leutrastraße 1 führte Schaye Blumenthal ein Schuhwarengeschäft, welches er im Januar 1901 von dem Erfurter Kaufmann Isaak Horn übernommen hatte und das unter dem Namen „Erfurter Schuhwarenhaus“ im Handelsregister firmierte. 1914 folgte ihm sein Bruder Sally, von Beruf Schuhmacher, zusammen mit seiner Frau Johanna, geb. Rehfeld, nach Jena. Sie wohnten zunächst mit im Haushalt von Siegfried Blumenthal. Ab Juli 1917 nahm Sally als Frontkämpfer am Weltkrieg teil. Im Februar 1920 stellte Siegfried Blumenthal, der die preußische Staatsangehörigkeit besaß, einen Antrag auf Aufnahme in den Staatsverband des damaligen Freistaates Sachsen-Weimar-Eisenach. Sein Vermögen bezifferte er zu diesem Zeitpunkt auf 60 000 Mark. Noch im April erhielt er den ersuchten Staatsangehörigkeitsausweis. Bereits sechs Jahre später, am 12. Mai 1926, starb Siegfried Blumenthal in Jena. Seine Witwe Ida, 1927 noch in Jena in der Liste zur Besoldung des Landrabbinats zu finden, verzog zu ihrer Tochter nach Glauchau und starb dort am 30. Januar 1931. Ihre Grabstätte befindet sich gemeinsam mit der ihres Mannes Siegfried auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Erfurt. Ihre Kinder Kurt und Käthe hatten Jena ebenfalls nach dem Tod des Vaters verlassen. Kurt nahm seinen Wohnsitz in Hamburg, Käthe, die eine Ausbildung als Kindergärtnerin abgeschlossen hatte, wohnte bis 1936 in Glauchau. 1937 heiratete sie den jüdischen Kaufmann Ludwig Maas in Mainz. Ihr Bruder Kurt wurde Opfer der nationalsozialistischen Rassenverfolgung. Von Hamburg-Fuhlsbüttel nach Auschwitz deportiert, kam er dort am 9. April 1943 ums Leben. Sally Blumenthal und seine Frau Johanna, die Jena 1927 verlassen hatten, waren bereits im Januar 1943 von Berlin aus in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt ermordet worden.

Elisabeth Blochmann (1892–1972)

Elisabeth Blochmann wurde am 14. April 1892 in Apolda geboren. Nach Abschluss des Oberlyzeums, Ablegen des Lehrerinnenexamens und des externen Abiturs immatrikulierte sie sich am 15. Mai 1917 an der Philosophischen Fakultät der Jenaer Universität. Während des hier absolvierten Sommersemesters wohnte sie weiterhin in Weimar. Es folgten Studien der Geschichte, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Straßburg und Marburg sowie der Pädagogik bei Herman Nohl in Göttingen, mit dem sie eine enge Freundschaft verband. 1923 promovierte sie bei Karl Brandi mit einer Dissertation zum Thema „Die Flugschrift 'Gedencke, daß Du ein Teutscher bist'. Ein Beitrag zur Kritik der Publizistik und der diplomatischen Aktenstücke“. Seit 1926 Leiterin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin wurde sie 1930 zusammen mit Adolf Reichwein auf eine Professur für Sozialpädagogik an der neu gegründeten Pädagogischen Akademie in Halle berufen. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung im September 1933 entlassen, emigrierte sie 1934 nach England. Über Marie Kuhn in Oxford, eine Tochter  Bertha Nohls, entstand eine Verbindung, die sie an die Pädagogische Abteilung der Universität Oxford führte. Als Elisabeth Blochmann 1952 einen Ruf an die Philipps- Universität Marburg erhielt, kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde damit nach dem Zweiten Weltkrieg für fast zwei Jahrzehnte die einzige Lehrstuhlinhaberin im Fach Pädagogik an einer bundesdeutschen Universität. Nach ihrer Emeritierung 1960 widmete sie sich der Sichtung des Nachlasses von Herman Nohl. 1966 erschien ihre Studie „Das Frauenzimmer und die Gelehrsamkeit. Eine Studie über die Anfänge des Mädchenschulwesens in Deutschland“, es folgte 1969 ihre bedeutende Biographie über „Hermann Nohl in der pädagogischen Bewegung seiner Zeit. 1879–1960“. Am 27. Januar 1972 starb Elisabeth Blochmann in Marburg.

Amalie Bartholomes (1872–1924)

Amalie Bartholomes wurde am 25. März 1872 in Schmalkalden geboren. Ihre Eltern, der Schneidermeister Emanuel Heinemann und dessen Ehefrau Rieke, geb. Hammerschlag, waren beide jüdischen Glaubens. Gemeinsam mit ihren Geschwistern Siegmund  Heinemann und Regina, später Voigtsberger, wuchs sie in Schmalkalden auf. Die Schwestern Amalie, Regina und Johanna Heinemann kamen als junge Mädchen nach Jena bzw. Wenigenjena. Am 6. Oktober 1895 heiratete Amalie in Wenigenjena den dort geborenen Zimmermann und späteren Werkmeister Hugo Bartholomes (1871–1930). Bereits einen Monat zuvor, im September 1895, hatte sie sich zum evangelischen Glauben bekannt, wobei in den Kirchenunterlagen vermerkt ist, dass sie bereits als Kind am evangelischen Religionsunterricht teilgenommen hatte. Ihre Taufe fand in der Stadtkirche St. Michael statt, Zeuge war ihr Bräutigam Hugo Bartholomes. Das Ehepaar Bartholomes hatte fünf Söhne und zwei Töchter. Das jüngste Kind Otto wurde 1906 geboren. Ab 1913 wohnte die Familie in Wenigenjena in der Schenkstraße 18, zusammen mit dem Bruder Siegmund Heinemann. Amalie Bartholomes, die den großen Haushalt führte und die Kinder versorgte, starb am 4. August 1924 in Jena im 52. Lebensjahr.

Ernst Benary

Ernst Benary stammte aus einer jüdischen Bankier- und Unternehmerfamilie, die unter der im Rahmen von Napoleon jüdischen Emanzipation den Namen  Benary (Sohn des Löwen) angenommen hatten. Ernst absolvierte i n Erfurt das Gymnasium und machte eine Ausbildung bei dem damals angesehensten Erfurter Gärtner Friedrich Adolph Haage. Nach seiner Ausbildung ging er auf Wanderschaft, u.a. nach Frankfurt a.M., Paris und London. 1943 gründete er in Erfurt eine selbstständige Kunst- und Handelsgärtnerei. Am 14. Februar 1847 wurde ihm durch den Erfurter Rat das Bürgerrecht verliehen. Die ermöglichte es ihm, sein Unternehmen auszubauen und auch international tätig zu sein. Die Firma bebaute bei Erfurt nur etwa 50 ha Land selbst, dafür arbeiteten aber 14 Betriebe nur für sie. Benary organisierte den Auftragsbau weltweit, am Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten etwa 100 Züchter auf der ganzen Erde für ihn, Samenzüchtereien in Algier, Frankreich, Italien, den Niederlanden, England und Nordamerika. Zudem engagierte sich Ernst Benary wohltätig und führte noch von der  Bismarckschen Sozialgesetzgebung eine Betriebskrankenkasse ein. Seine Ehefrau kümmerte sich um erkrankte Mitarbeiter und um junge Mütter mit ihren Neugeborenen. Auch führte Benary eine Art Altersvorsorge ein, eine Hilfskasse für die alten ehemaligen Mitarbeiter. Auch über den Betrieb hinaus engagierte sich Benary: er war Stadtverordneter und brachte seine Expertise bei zahlreichen Fachkongrssen und Austellungen ein. Er spendete stattliche Geldbeträge für gemeinnützige Zwecke und vermachte der Stadt Erfurt mehrere Grundstücke. Ernst Benary verstarb nach viertägiger Krankheit am 19. Februar 1893.

August Berger (1892–1945)

Nach dem Schulbesuch in Lehmwasser erlernte August Berger den Beruf des Gemeindeschreibers. Danach arbeitete er einige Zeit in Charlottenbrunn. Schliesslich ging er aus finanziellen Gründen 1909 nach Zabrze als Rechnungsgehilfe der Stadtverwaltung. 1912 bewarb er sich - wieder aus wirtschaftlichen Erwägungen - bei der Stadtverwaltung von Apolda und wurde im November als Revisionsgehilfe eingestellt.
Von 1913 bis 1918 wurde er zum Heeresdienst eingezogen. Im März 1919 wurde er zum Sparkassenassistenten ernannt, im Juni 1920 zum Ober-Assistenten und 1921 zum Stadtsekretär, als der er bis 1933 wirkte. Am 6. Mai 1916 heiratete er die Wirtstochter Marie Quendt. Als das jüngste von sechs Kindern kam 1935 der Nachzügler Karl zur Welt. Da war die Familie allerdings bereits in Jessen/Elster.
Bereits Ende der 1920er Jahre wurde der aktive Sozialdemokrat von konservativen Kräften in Stadtrat und Stadtöffentlichkeit angegriffen. Als das Nazigesetz "Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" eingeführt wurde, nutzten Bergers Gegner die Gunst der Stunde, den verhassten Sozialdemokraten aus dem Amt zu drängen. Oberbürgermeister Stegmann betrieb seine Entlassung aus dem Dienst, die am 15. September 1933 besiegelt wurde.
Er zog mit seiner Familie nach Jessen, wo er nun als Revisor und Buchhalter zu seiner knappen Rente noch etwas hinzu verdiente. Im August 1941 wurde er aber nochmals - diesmal vom Nazi-OB Dietz - aufgefordert, für die Stadtverwaltung Apolda tätig zu werden, was aber nur ein Vierteljahr währte. Dann ging er krankheitshalber nach Jessen zurück. Am 24. August 1944 wurde Berger bei der Aktion "Gitter" verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gesperrt. Im Februar 1945 verlor sich seine Spur. Er hat kein Grab bekommen.
In einer Beratung der antifaschistischen Apoldaer Stadtverwaltung wurden 1946 einigen verfolgten und ermordeten Kämpfern gegen das Naziregime Strassennamen gewidmet. Die Straße "An der Sandgrube" trägt seither den Namen "August-Berger-Straße".
Zu DDR-Zeiten wurden an den Hausfassaden der so Geehrten Gedenktafeln zu ihrer Erinnerung angebracht, so auch an seinem letzten Wohnhaus in der Lessingstraße 71. Im März 1993 wurden diese Tafeln zur Demontage freigegeben, und auch die Tafel für August Berger verschwand auf Nimmerwiedersehen, obwohl diese Stücke dem Stadtmuseum übergeben werden sollten. Auch öffentliche Proteste dagegen bewirkten nichts.
Am 6. Oktober 2008 wurde diesem Vergessen-Machen etwas entgegen gesetzt, indem der Künstler Gunter Demnig für den verdienstvollen Sozialdemokraten einen Stolperstein legte. Pate dieses Steines für seinen Vater wurde sein Sohn Karl in Cottbus. Bei diesem Gedenken war auch Bürgermeister Eisenbrand zugegen, der die nach Apolda angereiste Familie von Karl Berger bereits im Rathaus zum Gespräch empfangen hatte. Seit diesem ehrenden Geschehen ist er Ehrenmitglied im Prager-Haus-Verein

Paul Bamberg (1890–1940)

Paul Bamberg war eines von zehn Kindern in der Familie des Fleischermeisters Friedrich Bamberg und seiner Frau Bertha geborene Reith. Er besuchte die Volksschule, und anschliessend erlernte er das Fleischerhandwerk. Als er 24 Jahre alt war, wurde er am 18. Dezember 1914 zum Heeresdienst eingezogen und nahm an mehreren Schlachten, u.a. an der Maas teil. 1916 wurde er wegen einer akuten Erkrankung in das Festungslazarett Metz eingeliefert. Noch im gleichen Jahr stellten Ärzte fest, dass er nicht nur körperlich, sondern auch an einer psychischen Erkrankung litt. Seine Krankheit wurde als Katatonie, eine Form der Schizophrenie, diagnostiziert. Zugleich wurde festgestellt, dass diese Erkrankung eine Folge seiner Kriegstraumatisierung sei. Im Verlauf der Verschickung in mehrere Kliniken kam er 1917 in das Psychiatrische Universitätsklinikum von Jena. Am 17. Mai 1918 wurde er von dort als "unheilbar" in die Heil- und Pflegeanstalt Blankenhain eingewiesen. 1940 wurden geistig unheilbar Kranke aus der Anstalt weggebracht über die Zwischenstation Zschadrass in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Hier wurde er am 18. September 1940 mit Kohlenmonoxid getötet. Udo und Gerhard Bamberg entschlossen sich, für ihren Onkel einen Stolperstein legen zu lassen. Am 6. September 2014 legte Gunter Demnig in Anwesenheit der Neffen und ihrer Ehefrauen sowie Vereinsmitgliedern den Stein vor dem Haus Ritterstrasse 24, in dem Paul Bamberg gewohnt und bei seinem Vater gearbeitet hatte bis zu seiner Einberufung zum "Vaterlandsdienst".

David Binder (1879–1939)

David Jakob Binder wurde am 21. Juli 1879 in der ukrainischen Universitätsstadt Czernowitz geboren. Seine Eltern, Benjamin und Milka Binder, waren den jüdischen Traditionen zugewandt. Als junger Mann ging David Jakob Binder nach Deutschland. Zunächst blieb er bei Verwandten in Leipzig und zog im März 1903 nach Erfurt, wo es eine aufstrebende jüdische Gemeinde gab. Drei Jahre später zog er nach Pößneck und heiratete am 27. Mai 1908 die 27-jährige Hedwig Ullmann aus Mannheim. Da beide aus Handelsfamilien kamen, gründete das Paar gemeinsam ein Unternehmen. Zunächst lebten sie in einer Mietwohnung in Dr. Emil Körners Haus an der Breiten Straße. Im Jahr 1914 kaufte David Jakob das Haus, wobei sie im 1. Stockwerk ihre private Wohnung und im Erdgeschoss ihr Geschäft hatten. Am 14. Januar 1920 bekamen sie einen Sohn: Adolf Milian. Vier Jahre später, am 19. Juni 1924, kam seine Schwester Esther Malke auf die Welt. Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten war das Ehepaar in der gesamten Region hoch angesehen. Nach dem landesweit ausgerufenen Boykott jüdischer Geschäfte wurden Kunden vor Binders Geschäft fotografiert, bedroht und später vorgeladen. Die großen Schaufenster wurden mit antisemitischen Sprüchen in weißer Farbe beschmiert. Nur noch Arbeiter und Bauern kauften weiterhin dort ein, der öffentlichen Meinung zum Trotz. In Folge der Repressalien überlegte die Familie nach England auszuwandern. Weil David Jakob Binder dagegen war, alles was sie erreicht haben und besaßen aufzugeben, kam es nicht dazu. Am 10. November wurde der Laden zerstört und ausgeraubt. David und sein Sohn Adolf wurden auf die Straße gezerrt, öffentlich diffamiert und mit acht Weiteren nach Buchenwald gebracht. Alle Männer über 50 Jahren wurden am 27. November 1938 freigelassen. So auch David Binder. Während dieser Zeit wurde er dazu gezwungen sein Unternehmen aufzugeben. Er unterschrieb am 11. Januar 1939 die Abmeldebescheinigung. Drei Tage später starb David Binder an einem Herzinfarkt. Er liegt in Erfurt begraben. Sein Sohn Adolf konnte nach seiner Freilassung aus Buchenwald fliehen, jedoch bleiben die Umstände seiner Flucht ungeklärt. In den 90er Jahren kehrte er zum ersten mal nach Pößneck zurück. Seine Schwester Esther sollte über Neuendorf nach Palästina fliehen. Diese Plan schlug jedoch fehl. Esther wurde am 19. April 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch Hedwig Binder wurde deportiert. Sie wurde im Jahr 1950 für tot erklärt.

Emma Blandine Jankelowitz (1878-1958)

Emma Blandine "Emmy" (1879 geb. Heilbronner aus Ludwigshafen) war in Gera verheiratet mit dem jüdischen praktischen Arzt Dr. Adolf Jankelowitz (1869-1917). Adolf starb im Alter von 47 Jahren als Feld-Arzt im 1.Weltkrieg. Sie hatten eine Tochter Lilly, (geb.1907 in Gera). Die junge Witwe Emmy (38) und Tochter Lilly (18) zogen 1925 von Gera nach Baden-Baden. Emmy wird in der Wagner/Bürckel-Aktion verhaftet und kommt 1940-44 ins Lager Gurs. Nachdem ihr die Flucht gelang und sie sich versteckte, erlebt sie das Kriegsende in Nizza. Sie lebt sie bis zu ihrem Tod 1958 in Ribeauville. Mit der Erwähnung dieses traditionsreichen Namens an zentraler Stelle wird indirekt weiterer jüdischer Familienmitglieder gedacht: Moses Selig Jankelowitz (1841-1889) und seine Frau Lina (1849 geb. Itzigsohn aus Heydekrug/Ostpreußen, +1930 in Berlin) kamen bereits vor 1887 nach Gera. Sie hatten fünf Kinder: Hermann (geb. 1867–1942 Theresienstadt), Adolf (geb. 1869), Josef (geb.1872), Johanna und Paula (geb. 1880).

Jakob Bukofzer (1886–1942)

Das Ehepaar Jacob und Emma Bukofzer hatten 2 Kinder, den Sohn Gustav Bukofzer (1920–1974) und die Tochter Annemarie Bukofzer – Mirjam Scharon (1921–unbekannt). Jakob wurde zusammen mit seiner Frau Emma am 10. Mai 1942 gemeinsam mit Hunderten Thüringer Juden in das Ghetto Belzyce deportiert. Wahrscheinlich noch im Herbst 1942 kamen sie in ein Vernichtungslager. Die beiden Briefe dokumentieren seine letzten Tage in Apolda und die ersten Wochen im Ghetto.
„Wir hatten brieflich verabredet, dass, wenn er irgendwie erfährt, dass er deportiert wird, er mir schreibt, er muss 'nun auch verreisen'. Jedesmal, wenn ein Brief von ihm kam, zitterte ich vor diesem Satz. Und so las ich ihn dann doch eines Tages in seinem Brief vom 3. Mai 1942. Ich nahm mir sofort frei im Büro, setzte mich auf die Bahn und fuhr die Nacht durch nach Apolda, denn das war der kleinste Liebesdienst, den ich ihm für alle seine Liebe und Sorge und Güte noch erweisen wollte: ihm 'Lebewohl' zu sagen. Es ist mir so schwer, das hier aufzuschreiben, in meinem ersten Brief nach so vielen Jahren, aber es ist auch meine Pflicht, Euch die letzten Grüsse Eures Vaters zu sagen. Das Wiedersehen kann ich nicht beschreiben. Mein Gott, er war so erschüttert und ich war es auch. Wir hielten uns minutenlang wortlos umarmt, er hatte ja nicht gewusst, dass ich komme. Ich wohnte im Hotel, war aber den ganzen Tag mit ihm zusammen. Er sah gut aus, hatte aber Herzbeschwerden. Wir verlebten 3 oder 4 ganz stille, traurige und doch schöne Tage miteinander. Er brachte mich zu mehreren jüdischen Familien, die alle darauf warteten, abtransportiert zu werden und was ich da erlebte, was für schreckliche Szenen, dass Gusti, werde ich den Deutschen nie, nie vergessen können [...] Ich   fuhr dann zurück nach München und erhielt noch einen Brief von  Deinem Vater, datiert vom 1. Pfingstfeiertag 1942 aus Belzyce bei Lublin, in dem er mich um Süsstoff, Strümpfe usw. bat, da er diese Dinge als Tauschobjekte für Lebensmittel gebrauchen könnte [...]“
„Belzyce 1. Pfingsttag
Liebes Evchen! Hoffentlich hast Du unsere Karte erhalten. Wir haben uns hier schon eingelebt was man so sagt aber richtig einleben wird man sich nie. Ich war ja auf sehr viel vorbereitet, aber daß es so etwas noch gäbe hätte ich nicht geglaubt. na man muß sich in sein Schicksal fügen und hoffen daß es mal besser wird. Alles was es in Deutschland nicht gibt ist hier zu haben wie Geflügel - Fleisch - Fische - Butter u.s.w. aber sehr teuer jedoch kannst Du für 1 P. Strümpfe 2 der größten Hühner haben. Wir hatten neulich leb. Karpfen. Wie gesagt wenn man Gegenwerte hat kann man sich über Wasser halten. Unsere Nichte hat es ja 3 Jahre ausgehalten. Die Stettiner sind auch schon über 2 Jahre in dieser Misere. Wenn wir unser großes Gepäck bekämen wäre es ein großer Vorteil aber ich glaube kaum. Für 1 Rolle Twist bekommt man 1 Pfd. Brot. Vielleicht versuchst Du mal mit Doppelbrief gut [...] und nicht derb. Geld zu senden hat wenig Zweck für 10,00 bekam ich hier 16,50 ausgezahlt. Auch Bejouterie-Gürtel sind [...]. Aus Berlin hatte Nachricht von meiner Schwester und schrieb sie daß Lilo schon 8 Tage nicht da gewesen. Von unserer Nichte hatten auch schon Geld bekommen. Wenn Du mal Zeitung schickst kannst ja versuchen. Auch Süßstoff ist sehr teuer aber mußt es umpacken in Blechschachtel denn sonst kann es zerbrochen an. Für 1 Päckchen für 20 St. haben wir beide Mittag gegessen. Also wie gesagt man ist hier auf die Mithilfe der Lieben angewiesen und schreibe an Pr. er soll Dir das Geld senden. Ebenso wenn Du etwas haben willst an Frau John Ritterstr. sie wird Dir jederzeit etwas geben. Das Wetter ist hier schön das ist auch das Einzige. Hoffe recht bald von Dir zu hören. Schreibe doch bitte an Gustav. Habe schon 14 Tage keine Zeitung gesehen. Wir gehören zu Lublin vielleicht hast Du mal durch Zufall einen Bekannten. Was habe eigentlich die Verwandten die die Lebensmittel bekamen gesagt. Hast Du etwas ausgerufen? Spielkarten sind hier auch sehr begehrt. Also l. Evchen ich will mein Brief beenden. Hoffentlich erhalten wir bald Nachricht. Denn man freut sich über jedes Lebenszeichen. Aus Chemnitz und Leipzig sind auch die Menschen hergekommen. Sei recht herzlich gegrüßt geküßt von den Dich l. Onkel Jac.
 Meine Frau läßt sehr grüßen.
Jacob B. aus Ap.“

Egon Barasch (1926–1945)

Egon Barasch wurde 1926 in Gera geboren. Nach der Scheidung verliess sein Vater Leo Deutschland 1933 mit Egons älterem Bruder Michael. Die Mutter Johanna wohnte in Leipzig und arbeitete bei der Reichsbahn-Mitropa (Gastronomie). Egon ging in Gera zur Schule und wohnte bei seiner Tante Hanni und Onkel Hermann in der Steinstraße, die ein ein Friseurgeschäft betrieben. Die Familie war musikalisch, so lernte Egon Klavier. Als 1940 sein Onkel verhaftet und im KZ ermordet wird, musste Egon in die Geraer Judenhäuser einziehen. Zu diesem Zeitpunkt war Egon 13 Jahre alt. Er verließ Gera nach Kassel, wo er in einem jüdischen Waisenhaus untergebracht wurde. 1941 wurde er von dort nach Riga deportiert. 1944 war er in Stutthof bei Danzig, nur eine Woche später kam er nach Trögnitz-Rehmsdorf, einem Außenlager von Buchenwald. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde er noch nach Bergen-Belsen deportiert. Als er dort ums Leben kommt, ist er gerade einmal 18 Jahre alt. 

Anna Bassinger (1891–1942)

Anna Bassinger, 1891 geb. Reitzel, stammte aus Denzlingen/ Breisgau. Sie war dort verheiratet mit dem Eisenbahn-Inspektor Otto Bassinger. Nach 1920 lebte die Familie im Schwarzwald. Otto Bassinger starb bereits 1924. Nach seinem Tod zog Anna Bassinger 1930 nach Gera. Anna Bassinger, 1891 geb. Reitzel, stammte aus Denzlingen/ Breisgau. Sie war dort verheiratet mit dem Eisenbahn-Inspektor Otto Bassinger. Nach 1920 lebte die Familie im Schwarzwald. Otto Bassinger starb bereits 1924. Nach seinem Tod zog Anna Bassinger 1930 nach Gera. Sie hatte den aus Schlesien stammenden Schriftsetzer Erich Conrad aus der Debschwitzer Str. kennengelernt und sich mit ihm verlobt. Er arbeitete bei der Geraer Zeitung. Sie bekannten sich zu den Bibelforschern, wie die Zeugen Jehovas damals hießen. Die Nationalsozialisten verfolgten die Bibelforscher aus ideologischen Gründen als Feinde ihres Systems. Anna Bassinger und Erich Conrad wurden erstmals 1935 verhaftet. 1937 wurde ihnen und anderen in Gera der Prozess gemacht. Sie wurde zu 2,5 Jahren Haft verurteilt. Nach der Haftverbüßung im Frauengefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf kam sie nicht frei. Im September 1940 wurde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Nach einem Angriff von Wachhunden war sie schwer verletzt nicht mehr arbeitsfähig. Nach 3 Wochen Aufenthalt in der Krankenbaracke wurde sie in der „Aktion 14f13“ selektiert. Sie starb am 8. Mai 1942 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg/Saale. Erich Conrad wurde zu 4,5 Jahren verurteilt. Nach Haftverbüßung im Gefängnis Ichtershausen überlebte er den Nationalsozialismus und starb Anfang der 1970er Jahre. Auch die erwachsenen Kinder von Frau Bassinger, Heinz und Anneliese, lebten von 1930-41 in Gera. Anneliese war seit 1937 verheiratet mit Willy Winkler. Heinz starb als Wehrmachtsoffizier 1942 auf der Halbinsel Krim.

Familie Baumgart

Max Baumgart (geb.1887 in Völkershausen/Rhön) war verheiratet mit Margot, 1902 in Erfurt geb. Lamm. Dr. Max Baumgart war seit 1926 Anwalt und Notar in Gera. Er bildete später eine Kanzlei-Gemeinschaft mit dem nichtjüdischen Anwalt Dr. Hans Weinland. 1933 wurde er vom Berufsverbot betroffen. Er zog zunächst nach Erfurt, der Heimatstadt seiner Frau Margot. Von dort flüchteten Max und Margot Baumgart 1939 über England in die USA. Sein Name stand auf einer Depromotions-Liste der Universität Gießen. Sein rechtmäßig erworbener akademischer Doktorgrad und die deutsche Staatsbürgerschaft wurden ihm 1941, gemeinsam mit vielen anderen, rückwirkend aberkannt. Erst 1967 wird diese Entscheidung revidiert. Im Dezember 1942 lässt sich Max (54 Jahre alt) registrieren zur Einberufung zur US-Army. Max' Eltern hießen Meier und Theres Baumgart aus Völkershausen. Max hatte mindestens 8 Geschwister. Margot's Eltern hießen Emil Lamm (1860-1934) und Rosa Helene geb. Alberti (1871-1942). 1942 wird Max und Margots Sohn Elliot in New York geboren. Acht Jahre nach Kriegsende findet man Mutter und Sohn in einer Schiffs-Passagierliste. Margot wurde 55 Jahre alt. Max wurde 86 Jahre alt. Beide sterben in New York. 1957, bzw. August 1973. Verlegeort ist vor der damaligen Anwaltskanzlei als Lebensmittelpunkt.

Familie Biermann

Elfriede, Erich (geb. 1887), Herbert  (geb.1890) und Lilli  (geb.1895) waren Geschwister. Ihre Eltern waren Max Biermann (1856–1922) und Mathilde, geb. Stern (1864–1919). Im Haushalt lebten auch die Großmutter Biermann, später auch Mathildes Stief-Mutter, Frau Stern mit ihrem Dienstmädchen Luise. Erich heiratete Edith, 1896 geb. Hartoch aus Düsseldorf, und hatte zwei Kinder: Anneliese (geb. 1921) und Helmut (geb. 1924). Auch Ediths Mutter Martha Hartoch (1872 geb. Mannheim) lebte seit 1936 in Gera. Herbert war mit 43 Jahren verwitwet. Herberts Ehefrau war die Fotografin Aenne Biermann, geb. Sternefeld (1898–1933). Sie hatten ebenfalls zwei Kinder Helga (geb. 1920) und Gerd "Gershon" (geb. 1923). Zum Haushalt gehörte die 1919 zum Judentum konvertierte Hilde Sternefeld aus Krefeld (1897 geb. Noelle, seit 1926 geschieden) mit Sohn Günter (geb. 1920). Sie war Aennes Schwägerin. Helga war 13 und Gerd 10 Jahre alt, als ihre Mutter im 35.Lebensjahr starb. Hilde vertrat sechs Jahre lang die Mutterstelle bei Aennes Kindern. Ihre Heiratsabsichten und gemeinsame Ausreise mit Herbert wurden vom Standesamt Gera durch Anwendung der nationalsozialistischen Rassegesetze mehrfach abgelehnt. Hilde Sternefeld hatte am Konservatorium in Mönchengladbach Klavier und Gesang studiert. Aennes Mutter Julie (1868–1927) war eine geborene Mack. Herbert und Erich wurden während des Novemberpogroms 1938 verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Erich und Edith sowie Elfriede, in Hannover verheiratete Katzenstein, konnten 1939 emigrieren. Ebenso Herbert (49) und die Jugendlichen Gerd (16), Helga (19) und Günter (19). Alle getrennt und auf verschiedenen Wegen. Hilde Sternefeld starb 1942 in der Milbitzer Heilanstalt. Sie wurde 45 Jahre alt. Lilli, in 2.Ehe verheiratete Moses, geschiedene Paul, wurde mehrfach deportiert und starb am 01.01.1945 im KZ Stutthof bei Danzig. Sie wurde 59 Jahre alt. Die jüdische Kaufmannsfamilie Biermann waren Arbeitgeber für Juden und Nichtjuden. Gemeinsam mit Siegfried Schießer (geb. 1870) führten die Söhne das von Vater Max 1878 gegründete Textilgeschäft. Es war das seinerzeit größte Textilkaufhaus Thüringens mit bis zu 400 Arbeitsplätzen. Bereits 1935 musste es zwangsweise verpachtet und 1938 zwangsverkauft werden. Die Gründungsurkunde der israelitischen Gemeinde Gera trägt die Unterschrift von Max Biermann. Max Biermann übte auch das Amt des Vorbeters aus. Erich und Edith Biermann, sowie Hilde Sternefeld gehörten noch 1939 dem Vorstand an. Herbert Biermann und Hilde Sternefeld gehörten auch dem Vorstand der "Literarischen Gesellschaft" Gera an. Belegt sind persönliche Bekanntschaft mit Carl Zuckmayer und Franz Werfel. Am 6.April 1945 wurde das Kaufhaus im Luftkrieg zerstört. Ernsthafte Bemühungen der Familie Biermann um Wiederaufbau wurden von den SED-Machthabern erfolgreich vereitelt. (heute Leerstand ehem. Elsterforum). Bekannt ist auch der Schoder-Brunnen im Dahliengarten als "Biermanns Zwirnsrollen". Max Biermann hat den Brunnen bezahlt. Er spendete für den Neubau des Geraer Theaters. Der heutige Biermann Platz in Gera- Untermhaus, hieß eigentlich Prinzenplatz. Zur DDR-Zeit befand sich dort eine Freiluftbühne, wo die jährlichen Pressefeste der Zeitung "Volkswacht" stattfanden. Trotz 30-jähriger Zwangsbezeichnung als "Platz der Thälmannpioniere" blieb er im Volksmund immer Biermannplatz.

Meta Böhnert (1890–1934)

Meta Böhnert wurde am 20. Juni 1890 in Harthau in Sachsen geboren. Sie besuchte die Volksschule, lernte und arbeitete in der Sächsischen Kammgarnspinnerei. Während des 1. Weltkrieges arbeitete sie in Sömmerda. In Gera zurück kämpfte sie gegen den Kapp-Putsch. Hier arbeitete sie in der Strick-Garn-Fabrik Feistkorn. Sie wurde Mitglied der revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) und der KPD und am 04.12.1932 in den Geraer Stadtrat gewählt. Gemeinsam mit anderen wurde sie am 28. Februar 1933 (am Tag des Reichtagsbrandes) verhaftet. Die meiste Zeit der „Schutzhaft“ verbracht sie im Weimarer Gefängnis in Einzelhaft. Kurz nach ihrer Entlassung starb sie am 28. April 1934 in Gera. Sie wurde 43 Jahre alt.

Familie Braunthal

Alfred Braunthal (1897–1980) war verheiratet mit Erna (1902– 1929 geb. Elkan). Das Ehepaar stammte aus Wien. In Gera geboren wurden ihre Kinder Gerhard „Gerard“, auch „Jerry“ (1923–2014) und Jagna (1927–1990). Erna starb 1929 bei einem Bergunfall im Alter von 27 Jahren. Dadurch wurden Gerhard (6) und Jagna (2) zu Halbwaisen. Alfred heiratete im selben Jahr seine Schwägerin Hildegard (geb. 1903), Ernas jüngere Schwester. Als Dozent und Leiter der SPD-nahen Heimvolkshochschule Gera von 1921-29 musste er frühe Anfeindungen ertragen als Jude und als Sozialist. 1929 zog die Familie nach Berlin. Im März 1933 flüchteten sie nach Wien und weiter nach Brüssel. Über England erreichten sie im März 1936 New York und blieben dort bis zum Kriegsende. 1950 zog das Ehepaar beruflich erneut nach Brüssel. Ab 1967 lebten sie wieder in den USA, wo Alfred im Alter von 83 Jahren in Boston starb. Sohn Gerard war seit 1943 Angehöriger der US Army. Er kam als Befreier nach Deutschland und blieb 15 Monate stationiert. Zurück in den USA heiratete er 1950 Sabina Diamond (+2009). Nach dem Studium an Queens College, U. of Michigan und Columbia Univ. wurde er Professor für Politologie an der University of Massachusetts, und lehrte auch in Deutschland. Er erhielt 1999 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er starb am 26.10.2014 in Amherst (USA). Jagna hat Mathematik und Anglistik studiert. Sie war als College-Lehrerin und Schriftstellerin tätig und gründete später ein Puppentheater.