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Hildegard Czech (1899–1969)

Hildegard Czech wurde am 18. Dezember 1899 in Bad Charlottenbrunn (Schlesien) als Tochter des begüterten jüdischen Fabrikbesitzers Eugen Schachtel und seiner Ehefrau Emma, geb. Wieruszowski, geboren. Nachdem sie die mittlere Reife abgelegt hatte, lernte sie Buchführung, Stenografie und Schreibmaschine, um dann kurze Zeit im Porzellanwerk des Vaters tätig zu sein. 1919 heiratete sie den nichtjüdischen Arzt Dr. med. Adolf Czech. Die drei Kinder, Ursula (geb. 1920), Barbara (geb. 1924) und Hans Günther (geb. 1925), wurden in Bad Charlottenbrunn geboren. Alle Mitglieder der Familie waren evangelischer Konfession. Nachdem sich Adolf Czech nach 20-jähriger, seit längerer Zeit zerrütteter Ehe 1939 scheiden ließ, zog Hildegard Czech mit ihren Kindern nach Breslau. Weil sie als Jüdin galt, hatte sie unter den fortwährenden Schikanen der Gestapo zu leiden, die Familie musste in ein "Judenhaus" ziehen. Als 1942 ihre älteste Tochter bei der Arbeit im Zellwollwerk Hirschberg bei einer Explosion schwer verunglückte, fuhr Hildegard Czech ohne Erlaubnis der Gestapo zur Pflege ihrer Tochter, die noch fünf Tage überlebte, und zu deren Beerdigung nach Hirschberg. Zur Strafe sollte sie in ein Lager nach Polen geschickt werden, nur knapp konnte sie dem entgehen. Jeden Morgen musste sie sich bei der Gestapo einfinden, wo sie stundenlangen quälenden Verhören und gemeinen Anschuldigungen ausgesetzt war. Am 7. Januar 1944 wurde sie unerwartet abgeholt und zwei Tage später mit einem Transport in das Konzentrationslager Theresienstadt geschafft. Infolge der Kälte, des Hungers und der schweren Arbeit bekam sie eine Rippenfellentzündung und eine offene Lungentuberkulose. Nach der Befreiung des Lagers konnte sie mit ihrem Sohn, der noch Anfang 1945 nach Theresienstadt verschleppt worden war, im Juli 1945 nach Bad Charlottenbrunn zurückkehren. Kaum gehfähig, brachte sie der Sohn in einem Handwagen nach Hause. Ihre Tochter Barbara, selbst durch Schachtarbeiten in einem Zwangsarbeitslager schwer erkrankt, kümmerte sich um sie. 1946 schied die Tochter – vermutlich freiwillig – aus dem Leben. Im Juli 1947 musste Hildegard Czech ein zweites Mal die Heimat verlassen. Zusammen mit ihrem Sohn wurde sie evakuiert und gelangte als "Umsiedlerin" zunächst in das thüringische Ilmenau. Nach einem über einjährigen Aufenthalt im Sanatorium Tannenfeld zog Hildegard Czech 1950 zu ihrem Sohn nach Jena. Hans Günter Czech, der inzwischen das Abitur nachholen konnte, hatte an der Friedrich-Schiller-Universität ein Theologiestudium begonnen und die Kurrende der Studentengemeinde übernommen. Das Studium musste er jedoch aus gesundheitlichen Gründen bald wieder aufgeben. Danach strebte er eine Ausbildung in der Jugendarbeit an. Um 1955 nahm er in West-Berlin eine Ausbildung zum Heilerzieher auf. Nur wenige Jahre später wählte er den Freitod. Hildegard Czech, wegen ihrer Gebrechlichkeit stets in ärztlicher Betreuung und seelisch zerstört, blieb in Jena. Trost fand sie im Glauben und in der Bibel, "der alte Hiob – das ist mein Bruder". Als ihr 1956 das Pflegegeld entzogen werden sollte, setzte sich die Stadtverordnete Ilse Burghardt persönlich für sie ein: "Frau Hildegard Czech wohnt in meiner Nachbarschaft und ist mir seit Jahren bekannt; sie ist anerkannt(e) VdN [Verfolgte des Naziregimes]. Dies allein sollte für uns alle Mahnung und Verpflichtung sein, ihr zu helfen, wo wir nur können." Eine sehr enge, fast familiäre Beziehung pflegte Hildegard Czech, die sich noch im Alter für Sport, Schach und Briefmarken interessierte, zur Familie des Pfarrers Karl-Heinz Maeß. Am 25. April 1969 starb sie in Jena. Auf einem vergilbten Zettel in ihrem Tagebuch fand sich der 126. Psalm, der schließlich auch über ihrer Trauerfeier stand: "Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, werden wir sein wie die Träumenden."

Wohnungen in Jena: 1950 Treunertstraße 1; 1953 Camburger Straße 24