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Elfriede Otto (1904–1986)

Elfriede war das einzige Kind in der Familie des jüdischen Viehhändlers Berthold Fleischmann und seiner Frau Ida geborene Frank. Die Eltern waren 1897 aus dem fränkischen Prichsenstadt nach Apolda gezogen und haben hier an verschiedenen Stellen einen Viehhandel betrieben. Im Jahre 1928 eröffnete Tochter Elfriede im Obergeschoss des elterlichen Wohn- und Geschäftshauses in der Niederroßlaer Straße 8 ein sogenanntes „Reste-Haus“, ein An- und Verkaufsgeschäft für die in der Textilarbeiterstadt vielfach anfallenden Reste an Stoffen verschiedenster Arten.  Im gleichen Jahre heiratete sie den nicht-jüdischen Textil-Kaufmann Johannes Otto. Am 7. November 1929 kam als einziges Kind ihr Sohn Joachim Peter zur Welt. 
Die ersten spürbaren Verfolgungen erlebte sie am 1. April 1933, als SA-Männer auch vor ihrem Haus die Käufer vor Geschäften mit Juden warnten. Als ihr Sohn in der Schule diskriminiert wurde, schickten sie ihn in eine Jüdische Schule nach Berlin und anschließend nach Leipzig. Als im Mai 1942 mit den Deportationen begonnen wurde, kümmerte sich Elfriede unter großen Mühen und mit Aufwand, um die nach Belzyce deportierten Apoldaer mit Lebensmitteln und mit lebenswichtigen Artikeln zu versorgen. Viele Einlieferungsscheine vom Postamt sind davon überliefert. Das gleiche wiederholte sich im September, als jüdische Personen im Alter von über 60 Jahren in das Ghetto Theresienstadt verfrachtet wurden, darunter ihre eigenen Eltern. Auch den Briefkontakt zu ihnen hielt sie aufrecht. Als ihre Mutter Ida am 17. August 1943 verstarb, kehrte Trauer in der Familie ein.
Als 1944 die Aufhebung der letzten Schutzklausel in den Rassegesetzen beschlossen wurde, mussten auch sie mit der bevorstehenden Deportation rechnen. Darauf bereitete sich Elfriede ideenreich vor. Mit der Nachbarfamilie Löser lebte sie in Eintracht und erreichte die Zusicherung, in Notfällen eine oder zwei Nächte bei ihnen übernachten zu dürfen. Für eine Eisenbahnreise besorgte sie sich zwei Fahrscheine, mit denen sie zu zwei vertrauenswürdigen Adressen fahren konnten, um sich dort zu verstecken. Rechtzeitig packte sie Koffer, auf denen sie das Schild legte mit der Nachricht an die Gestapo, dass sie aus dem Leben gehen wollten. 
Der Plan ging auf, so dass sie bei Nacht heimlich zum Bahnhof gingen, abreisten und bei der zweiten Adresse schließlich unterkamen. Hier besorgten sie sich zwei Ersatzpässe mit falschen Namensangaben. Hier blieben sie bis zum Eintreffen der US-Armee. Von deren Kommando erhielten sie einen Schein, der ihnen Reisesicherheit und Lebensmitteleinkauf gewährte. Mit dem Fahrrad fuhren sie über Rhön und Thüringer Wald nach Apolda zurück. Erst 1946 erhielt sie die Nachricht, dass ihr Vater Berthold zu den wenigen Überlebenden des KZ Theresienstadt gehörte. Er war mit einem Bus in ein Schweizer Sanatorium gebracht worden und hoffte nun auf die Rückkehr nach Apolda. Im gleichen Jahr holte sie ihn von dort ab, aber nach weniger als einem Jahr verstarb er.
Nach dem Tod des Vaters reiste die ganze Familie nach Frankfurt und begann dort ein neues Leben. Im Keller eines Hauses in der Gagernstraße begannen sie eine Textilkonfektion einzurichten. Durch den damaligen hessischen Innenminister Karry bekamen sie sogar Nähmaschinen vermittelt. Zunächst arbeiteten die Eheleute zusammen, und nach der Trennung arbeitete Elfriede für sich. Einige Näherinnen arbeiteten am Fließband an der Herstellung von Kleidungsstücken. Mit Johannes hatte sie sich 1974 wieder versöhnt. Ehemann Johannes starb wenig später Mitte der 1970er Jahre.