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Egon Barasch (1926–1945)

Egon Barasch wurde 1926 in Gera geboren. Nach der Scheidung verliess sein Vater Leo Deutschland 1933 mit Egons älterem Bruder Michael. Die Mutter Johanna wohnte in Leipzig und arbeitete bei der Reichsbahn-Mitropa (Gastronomie). Egon ging in Gera zur Schule und wohnte bei seiner Tante Hanni und Onkel Hermann in der Steinstraße, wo sie ein Friseurgeschäft betrieben. Die Familie war musikalisch, so lernte Egon Klavier. Als 1940 sein Onkel verhaftet und im KZ ermordet wurde, musste Egon in die Geraer Judenhäuser einziehen. Zu diesem Zeitpunkt war Egon 13 Jahre alt. Er verließ Gera nach Kassel, wo er in einem jüdischen Waisenhaus untergebracht wurde. 1941 wurde er von dort nach Riga deportiert. 1944 war er in Stutthof bei Danzig, nur eine Woche später kam er nach Trögnitz-Rehmsdorf, einem Außenlager von Buchenwald. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde er noch nach Bergen-Belsen deportiert. Als er dort ums Leben kam, war er gerade einmal 18 Jahre alt.

Anna Bassinger (1891–1942)

Anna Bassinger, 1891 geb. Reitzel, stammte aus Denzlingen/ Breisgau. Sie war dort verheiratet mit dem Eisenbahn-Inspektor Otto Bassinger. Nach 1920 lebte die Familie im Schwarzwald. Otto Bassinger starb bereits 1924. Nach seinem Tod zog Anna Bassinger 1930 nach Gera. Anna Bassinger, 1891 geb. Reitzel, stammte aus Denzlingen/ Breisgau. Sie war dort verheiratet mit dem Eisenbahn-Inspektor Otto Bassinger. Nach 1920 lebte die Familie im Schwarzwald. Otto Bassinger starb bereits 1924. Nach seinem Tod zog Anna Bassinger 1930 nach Gera. Sie hatte den aus Schlesien stammenden Schriftsetzer Erich Conrad aus der Debschwitzer Str. kennengelernt und sich mit ihm verlobt. Er arbeitete bei der Geraer Zeitung. Sie bekannten sich zu den Bibelforschern, wie die Zeugen Jehovas damals hießen. Die Nationalsozialisten verfolgten die Bibelforscher aus ideologischen Gründen als Feinde ihres Systems. Anna Bassinger und Erich Conrad wurden erstmals 1935 verhaftet. 1937 wurde ihnen und anderen in Gera der Prozess gemacht. Sie wurde zu 2,5 Jahren Haft verurteilt. Nach der Haftverbüßung im Frauengefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf kam sie nicht frei. Im September 1940 wurde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Nach einem Angriff von Wachhunden war sie schwer verletzt nicht mehr arbeitsfähig. Nach 3 Wochen Aufenthalt in der Krankenbaracke wurde sie in der „Aktion 14f13“ selektiert. Sie starb am 8. Mai 1942 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg/Saale. Erich Conrad wurde zu 4,5 Jahren verurteilt. Nach Haftverbüßung im Gefängnis Ichtershausen überlebte er den Nationalsozialismus und starb Anfang der 1970er Jahre. Auch die erwachsenen Kinder von Frau Bassinger, Heinz und Anneliese, lebten von 1930-41 in Gera. Anneliese war seit 1937 verheiratet mit Willy Winkler. Heinz starb als Wehrmachtsoffizier 1942 auf der Halbinsel Krim.

Familie Baumgart

Max Baumgart (geb.1887 in Völkershausen/Rhön) war verheiratet mit Margot, geb. Lamm, 1902 in Erfurt . Dr. Max Baumgart war seit 1926 Anwalt und Notar in Gera. Er gründete später eine Kanzlei-Gemeinschaft mit dem nichtjüdischen Anwalt Dr. Hans Weinland. 1933 war er vom Berufsverbot jüdischer Anwälte betroffen. Er zog zunächst nach Erfurt, der Heimatstadt seiner Frau Margot. Von dort flüchteten Max und Margot Baumgart 1939 über England in die USA. Sein Name stand auf einer Depromotions-Liste der Universität Gießen. Sein rechtmäßig erworbener akademischer Doktorgrad und die deutsche Staatsbürgerschaft wurden ihm 1941, gemeinsam mit vielen anderen, rückwirkend aberkannt. Erst 1967 wird diese Entscheidung revidiert. Im Dezember 1942 lässt sich Max (54 Jahre alt)  zur Einberufung zur US-Army registrieren. Max' Eltern hießen Meier und Theres Baumgart und stammten aus Völkershausen. Max hatte mindestens 8 Geschwister. Margot's Eltern hießen Emil Lamm (1860-1934) und Rosa Helene, geb. Alberti (1871-1942). 1942 wurde Max und Margots Sohn Elliot in New York geboren. Acht Jahre nach Kriegsende fand man Mutter und Sohn in einer Schiffs-Passagierliste. Margot starb 1957, Max 1973 in New York.

Familie Biermann

Elfriede, Erich (geb. 1887), Herbert  (geb.1890) und Lilli  (geb.1895) waren Geschwister. Ihre Eltern waren Max Biermann (1856–1922) und Mathilde, geb. Stern (1864–1919). Im Haushalt lebten auch die Großmutter Biermann, später auch Mathildes Stief-Mutter, Frau Stern mit ihrem Dienstmädchen Luise. Erich heiratete Edith, 1896 geb. Hartoch aus Düsseldorf, und hatte zwei Kinder: Anneliese (geb. 1921) und Helmut (geb. 1924). Auch Ediths Mutter Martha Hartoch (1872 geb. Mannheim) lebte seit 1936 in Gera. Herbert war mit 43 Jahren verwitwet. Herberts Ehefrau war die Fotografin Aenne Biermann, geb. Sternefeld (1898–1933). Sie hatten ebenfalls zwei Kinder Helga (geb. 1920) und Gerd "Gershon" (geb. 1923). Zum Haushalt gehörte die 1919 zum Judentum konvertierte Hilde Sternefeld aus Krefeld (1897 geb. Noelle, seit 1926 geschieden) mit Sohn Günter (geb. 1920). Sie war Aennes Schwägerin. Helga war 13 und Gerd 10 Jahre alt, als ihre Mutter im 35.Lebensjahr starb. Hilde vertrat sechs Jahre lang die Mutterstelle bei Aennes Kindern. Ihre Heiratsabsichten und gemeinsame Ausreise mit Herbert wurden vom Standesamt Gera durch Anwendung der nationalsozialistischen Rassegesetze mehrfach abgelehnt. Hilde Sternefeld hatte am Konservatorium in Mönchengladbach Klavier und Gesang studiert. Aennes Mutter Julie (1868–1927) war eine geborene Mack. Herbert und Erich wurden während des Novemberpogroms 1938 verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Erich und Edith sowie Elfriede, in Hannover verheiratete Katzenstein, konnten 1939 emigrieren. Ebenso Herbert (49) und die Jugendlichen Gerd (16), Helga (19) und Günter (19). Alle getrennt und auf verschiedenen Wegen. Hilde Sternefeld starb 1942 in der Milbitzer Heilanstalt. Sie wurde 45 Jahre alt. Lilli, in 2.Ehe verheiratete Moses, geschiedene Paul, wurde mehrfach deportiert und starb am 01.01.1945 im KZ Stutthof bei Danzig. Sie wurde 59 Jahre alt. Die jüdische Kaufmannsfamilie Biermann waren Arbeitgeber für Juden und Nichtjuden. Gemeinsam mit Siegfried Schießer (geb. 1870) führten die Söhne das von Vater Max 1878 gegründete Textilgeschäft. Es war das seinerzeit größte Textilkaufhaus Thüringens mit bis zu 400 Arbeitsplätzen. Bereits 1935 musste es zwangsweise verpachtet und 1938 zwangsverkauft werden. Die Gründungsurkunde der israelitischen Gemeinde Gera trägt die Unterschrift von Max Biermann. Max Biermann übte auch das Amt des Vorbeters aus. Erich und Edith Biermann, sowie Hilde Sternefeld gehörten noch 1939 dem Vorstand an. Herbert Biermann und Hilde Sternefeld gehörten auch dem Vorstand der "Literarischen Gesellschaft" Gera an. Belegt sind persönliche Bekanntschaft mit Carl Zuckmayer und Franz Werfel. Am 6.April 1945 wurde das Kaufhaus im Luftkrieg zerstört. Ernsthafte Bemühungen der Familie Biermann um Wiederaufbau wurden von den SED-Machthabern erfolgreich vereitelt. (heute Leerstand ehem. Elsterforum). Bekannt ist auch der Schoder-Brunnen im Dahliengarten als "Biermanns Zwirnsrollen". Max Biermann hat den Brunnen bezahlt. Er spendete für den Neubau des Geraer Theaters. Der heutige Biermann Platz in Gera- Untermhaus, hieß eigentlich Prinzenplatz. Zur DDR-Zeit befand sich dort eine Freiluftbühne, wo die jährlichen Pressefeste der Zeitung "Volkswacht" stattfanden. Trotz 30-jähriger Zwangsbezeichnung als "Platz der Thälmannpioniere" blieb er im Volksmund immer Biermannplatz.

Meta Böhnert (1890–1934)

Meta Böhnert wurde am 20. Juni 1890 in Harthau in Sachsen geboren. Sie besuchte die Volksschule, lernte und arbeitete in der Sächsischen Kammgarnspinnerei. Während des 1. Weltkrieges arbeitete sie in Sömmerda. In Gera zurück kämpfte sie gegen den Kapp-Putsch. Hier arbeitete sie in der Strick-Garn-Fabrik Feistkorn. Sie wurde Mitglied der revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) und der KPD und am 04.12.1932 in den Geraer Stadtrat gewählt. Gemeinsam mit anderen wurde sie am 28. Februar 1933 (am Tag des Reichtagsbrandes) verhaftet. Die meiste Zeit der „Schutzhaft“ verbracht sie im Weimarer Gefängnis in Einzelhaft. Kurz nach ihrer Entlassung starb sie am 28. April 1934 in Gera. Sie wurde 43 Jahre alt.

Familie Braunthal

Alfred Braunthal (1897–1980) war verheiratet mit Erna (1902– 1929 geb. Elkan). Das Ehepaar stammte aus Wien. In Gera geboren wurden ihre Kinder Gerhard „Gerard“, auch „Jerry“ (1923–2014) und Jagna (1927–1990). Erna starb 1929 bei einem Bergunfall im Alter von 27 Jahren. Dadurch wurden Gerhard (6) und Jagna (2) zu Halbwaisen. Alfred heiratete im selben Jahr seine Schwägerin Hildegard (geb. 1903), Ernas jüngere Schwester. Als Dozent und Leiter der SPD-nahen Heimvolkshochschule Gera von 1921-29 musste er frühe Anfeindungen ertragen als Jude und als Sozialist. 1929 zog die Familie nach Berlin. Im März 1933 flüchteten sie nach Wien und weiter nach Brüssel. Über England erreichten sie im März 1936 New York und blieben dort bis zum Kriegsende. 1950 zog das Ehepaar beruflich erneut nach Brüssel. Ab 1967 lebten sie wieder in den USA, wo Alfred im Alter von 83 Jahren in Boston starb. Sohn Gerard war seit 1943 Angehöriger der US Army. Er kam als Befreier nach Deutschland und blieb 15 Monate stationiert. Zurück in den USA heiratete er 1950 Sabina Diamond (+2009). Nach dem Studium an Queens College, U. of Michigan und Columbia Univ. wurde er Professor für Politologie an der University of Massachusetts, und lehrte auch in Deutschland. Er erhielt 1999 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er starb am 26.10.2014 in Amherst (USA). Jagna hat Mathematik und Anglistik studiert. Sie war als College-Lehrerin und Schriftstellerin tätig und gründete später ein Puppentheater.

Familie Brüg

Gustav Brüg (1848–1906) aus Könnern war verheiratet mit Anna, geb. Herzfeld. Ihre Kinder hießen Kurt (1885–1886), eine weitere Tochter, Ella (1886–1897), Alfred, (geb. 1878 in Köthen), Berthold (geb.1880 in Köthen), Ernst (geb.1883 in Gera), Willy (1892 in Gera-1915 gefallen) und Lucie Pauline (geb. 1901 in Gera). Die drei ersten Kinder starben früh. Alfred, Berthold, Ernst und Willy (von Beruf Architekt, Gebrauchsgrafiker) waren Soldaten im Ersten Weltkrieg. Alfred und Ernst erbten das Schuhgeschäft ihres Vaters Gustav. Die Brüder wurden im Novemberpogrom 1938 verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Ernst starb kurz darauf an den Haftfolgen am 07.12.1938 in den Milbitzer Heilanstalten. Alfred blieb unverheiratet. 1938 zog er nach Leipzig. Alfred wurde nach Inhaftierungen in Sachsenhausen (17.6.-8.9.1938) und Buchenwald (ab 10.11.1938) am 21.01.1942 nach Riga deportiert. Dort wurde er ermordet. Berthold heiratete Frieda „Friedel“, 1903 in Breslau geb. Cohn. Die Familie wohnte in Berlin. Berthold mit Frau Frieda wurden am 29.1.1943 von Berlin nach Ausschwitz deportiert und ermordet. Der Kunstmaler Siegfried Gilles in Amsterdam (geb. 1897) war Gertruds jüngerer Bruder. Auch er wurde am 1.10.1944 in Auschwitz ermordet. Ernst verlor als Soldat im Ersten Weltkrieg sein Gehör. Er war verheiratet mit Gertrud (1890 in Berlin geb. Gilles, orthopädische Schuhmacherin). Gertrud Brüg war die Schriftführerin im letzten Vorstand der jüdischen Gemeinde Gera.
Ernsts Sohn hieß Günter "Guy Bishop" (geb. 1926 in Gera). Nach 4-jährigem Besuch der Untermhäuser Volksschule, ging er ab 1937 als 11-jähriger nach Hannover ins Internat Emmerberg und besuchte das jüd. Gymnasium. Nach dem 9.11.38 besuchte er die jüdische Schule mit Kinderheim in Leipzig. Von dort schmuggelte er sich im Juli 1939 als Ersatzmann für einen Kranken im letzten Kindertransport nach England. Nach gelungener Flucht kam als 13-jähriger zu Pflegeeltern, Fam. Bishop, die einen gleichaltrigen Sohn hatte. 1943 meldete sich freiwillig zur Elite Black Watch. Als Angehöriger des British Intelligence Corps soll er Heinrich Himmler identifiziert haben, was zu dessen Verhaftung führte. Bis 1947 war er als Major der britischen Militärverwaltung in Ostfriesland, später in Köln.  Nach der Militärzeit studierte er in Oxfort Chemie, ging 1952 nach New York (ab 1973 in Newtown, Connecticut). Er war erfolgreich als Wirtschaftsberater tätig. 1960 heiratete er Eleonore „Lo“ aus Gütersloh. Die Ehe blieb kinderlos. Günter hat sich als erster Übersetzer von Heinrich Bölls frühen Erzählungen ins Englische betätigt. Günter Brüg starb am 21.04.2008. Ernsts Tochter Hannelore (geb. 1922 in Gera) war Krankenschwester, lebte in mehreren luftkriegsgeschädigten Städten, beschaffte sich mit falschen Pässen Lebensmittelmarken. Sie wurde 1944 verraten, in Berlin verhaftet, kam nach Theresienstadt, Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald, Bergen-Belsen und überlebte knapp. Sie ging nach 1945 nach Köln. Verheiratet war sie mit Wolfgang Silberberg und wohnte nach 1947 in New York. Im 17.6.1997 starb sie dort. Am 9.5.2000 starb ihr Mann, der auch in Auschwitz war. Lucie Pauline lebte bis zur Ehescheidung von dem nichtjüdischen Anwalt Eduard Braun (+1936) in Pößneck. Danach wohnte sie in Gera Sorge 1. Lucie Pauline, wurde mit ihrer Schwägerin Gertrud am 10.5.1942 von Gera in das Ghetto Belzyce deportiert. Während Lucie dort starb, kam Gertrud noch nach Majdanek und wurde dort ermordet.

Emma Blandine Jankelowitz (1878–1958)

Emma Blandine "Emmy" (geb. Heilbronner aus Ludwigshafen) war in Gera verheiratet mit dem jüdischen praktischen Arzt Dr. Adolf Jankelowitz (1869-1917). Adolf starb im Alter von 47 Jahren als Feld-Arzt im 1.Weltkrieg. Sie hatten eine Tochter Lilly, (geb.1907 in Gera). Die junge Witwe Emmy (38) und Tochter Lilly (18) zogen 1925 von Gera nach Baden-Baden. Emmy wurde in der Wagner/Bürckel-Aktion verhaftet und kam 1940-44 ins Lager Gurs. Nachdem ihr die Flucht gelang und sie sich versteckte, erlebte sie das Kriegsende in Nizza. Sie lebte sie bis zu ihrem Tod 1958 in Ribeauville. Mit der Erwähnung dieses traditionsreichen Namens an zentraler Stelle wird indirekt weiterer jüdischer Familienmitglieder gedacht: Moses Selig Jankelowitz (1841–1889) und seine Frau Lina (geb. Itzigsohn aus Heydekrug/Ostpreußen, 1849–1930) kamen bereits vor 1887 nach Gera. Sie hatten fünf Kinder: Hermann (geb. 1867–1942 Theresienstadt), Adolf (geb. 1869), Josef (geb.1872), Johanna und Paula (geb. 1880).

C

Max Carl Hauptmann (1897–1961)

Max Carl Hauptmann, (1897 in Gera) war das jüngste von 3 Kindern von Gustav Hauptmann (1863 in Militsch/Schlesien) und Rosalie (1863 in Halle/Saale geb. Goldschmidt). Als Soldat wurde er vor Verdun 1916 schwer verwundet und verlor sein linkes Bein. Er studierte Jura ab 1918 in Jena und Heidelberg. In Gera war ab 1920 in Gera als Gerichts-Referendar tätig. Seit 1924 hatte er eine Anwaltskanzlei mit Notariat gemeinsam mit Dr. Rudolf Paul. 1933 erhielt er als Jude Berufsverbot. Dr. Max Carl Hauptmann überlebte 1937 auf der Flucht einen Schiffbruch. Sie retteten sich nach Buenos Aires, wo sie längere Zeit leben. Er stirbt dort 1961. Seine Eltern, Gustav und Rosalie Hauptmann, beide 74 Jahre alt, blieben zunächst in Gera. Nachdem Max' Tante Berta Goldschmidt 1935 in Gera gestorben und er selbst 1937 geflohen war, zog Max' Cousine Wally Goldschmidt (unverheiratet, 46) aus Weimar nach Gera. Sie versorgte die alten Leute und sie wohnten gemeinsam Tivolistr. 8 zur Miete. Gustav und Rosalie Hauptmann mussten 1939 ins Judenhaus Zschochernstr. 32 (Eigentümer ist ihr Sohn Max Carl!) Am 22. September 1939 kamen sie nach Hannover. Der Kriegsausbruch verhinderte die geplante Emigration. Während Rosalie 1941 78-jährig starb, musste Gustav noch in mehrere Hannoversche Judenhäuser und wurde über Theresienstadt (23.07.1942) nach Treblinka (23.09.1942) deportiert und dort ermordet. Der Name Wally Goldschmidt steht auf der Thüringer Deportationsliste vom 10.5.1942 von Weimar nach Belcyze. Dort wurde auch sie ermordet.

D

Familie Derbuel

Der Franzose Victor Derbuel kam als Kriegsgefangener des 1.Weltkriegs nach Berlin. Hier heiratete er im Jahr 1920 Alice, geb. Heidemann, eine junge Frau jüdischer Herkunft. Als das Ehepaar Victor und Alice Derbuel nach Gera zogen, waren sie 29 und 28 Jahre alt. Ein Jahr später wurde ihr einziges Kind, die Tochter Fernande, geboren. Schwiegervater Max Heidemann gab das Startkapital. Sie pachteten ein Grundstück in der Gneisenaustr. 32. Darauf wurden Fabrikgebäude errichtet. So entstand die Präzisions-Werkzeug- und Kompressorfabrik Victor Derbuel. Er rüstete Fahrzeuge mit Autokompressoren nach und hatte 1945 immer noch 75 angestellte Mitarbeiter. Als Max Heidemann starb, nahm die junge Familie die verwitwete Schwiegermutter von Berlin zu sich  nach Gera. Frau Heidemann überlebt das Kriegsende und starb 1979 in Berlin im Alter von 88 Jahren. Nach den Nürnberger Gesetzen führten Derbuels eine Misch-Ehe. Bis Herbst 1944 blieben sie verschont. Da Victor die Ehescheidung ablehnte und dazu auch noch Franzose war, kam er im Oktober 1944 in ein Arbeitslager bei Halle. 1945 im April war Victor wieder in Gera. Zuvor, im Januar 1945, spitzte sich die Situation der drei Frauen zu. Großmutter, Mutter und Kind sollten nach Theresienstadt deportiert werden. Stunden vor dem Zugriff der Gestapo wurden sie gewarnt. Bis heute unbekannte Mitglieder der Betriebsbelegschaft und deren Familien schützten sie. Sie erlebten das Kriegsende in Verstecken, wo sie versorgt werden mussten. 1945 wird die Fabrik enteignet und demontiert. Sie diente bis 1955 als Unterkunft für sowjetische Soldaten. Victor starb 1965 im Alter von 75 Jahren, Alice 1979 im Alter von 87 Jahren, die in Gera geborene Fernande 2009 im Alter von 89 Jahren. Fernande war verheiratet und hatte einen Sohn. Nachkommen leben heute in den USA.

Rudolf Diener (1904-1941)

Rudolf Diener wurde am 15.7.1904 in Gera geboren. Er hatte einen Bruder. Er erlernte den Beruf eines Tischlers und wurde 1923 Funktionär im Rotfrontkämpferbund und Mitglied der KPD. 1934 wurde er verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Danach kam er in "Schutzhaft" nach Bad Sulza, Lichtenburg und Buchenwald. 1939 amnestiert, verteilte er wieder Flugblätter und malte Transparente. Deshalb wurde er 1940 erneut verhaftet. Am 13.3.1941 starb Rudolf Diener gewaltsam durch Verhör-Folter im Geraer Untersuchungs- und Gestapo-Gefängnis Amthorpassage. Er wurde 36 Jahre alt. 

F

Familie Falkenstein

Das Ladengeschäft Theodor Falkenstein war Jahrzehnte stadtbildprägend am Johannisplatz. Das Haus wurde 1906 neu erbaut. Im gleichen Jahr eröffneten sie ihr Geschäft. Familie Falkenstein stammte aus Konitz/Westpreußen und wohnte in Gera von 1906-38. Mutter Rosa war aus Halberstadt. In Gera wurden ihre beiden Kinder geboren, Herbert und Anneliese. Sie gehen hier zur Schule: Bergschule, Henriette auf die Zabelschule, Herberst aufs Rutheneum. Theodor Falkenstein war gelernter Textilkaufmann.  Sein Geschäft  bildete die Lebensgrundlage der 5-köpfigen Familie. Er war aktives Mitglied der israelitischen Kulturgemeinde Gera. Ihre Mietwohnung war Burgstraße 5. Im August 1938 flüchten Theodor, seine Frau Rosa und Tochter Anneliese mit der S.M.S. Mosel von Bremen nach Melbourne/Australien. Der Frachtdampfer ist 6 Wochen unterwegs. Das Leben in dem fremden Land ist schwer. Theodor bügelt Wäsche in einer Textilreinigung. Er stirbt 1951. Rosa erlebt die Befreiung Europas noch und stirbt 1945. Sohn Herbert ist bereits seit 1936 in Melbourne. 40 Jahre arbeitet er in Melbourne als Doktor der Zahnmedizin. Er stirbt 1981. Anneliese und Herbert gründen Familien in Melbourne und haben Nachkommen. Anneliese stirbt 2010. Von ihr sind Briefe an Werner Simsohn im Stadtarchiv Gera erhalten. Großvater Julius, von Beruf Fleischer, wohnte als Witwer auch in Gera. Seit 1938 ist er in Berlin und starb mit 91 Jahren im jüdischen Hospital 1940. Er hat ein Grab auf dem Friedhof Berlin-Weissensee. Alle anderen Geraer Falkensteins sind in Melbourne begraben.

Helene Fleischer (1899–1941)

Helene Fleischer wurde als Margarete Helene Lätzsch am 11.06.1899 in Leumnitz bei Gera geboren. Sie arbeitete als Stubenmädchen und im AOK-Sanatorium. 1919 trat sie in die SPD ein und wechselte 1923 zur KPD. Sie war im Betriebsrat der Geraer Firma Hirsch. 1931 wurde sie für die KPD Mitglied des Thüringer Landtages, 1932 auch Reichstagsabgeordnete. 1934 wurde sie in Apolda verhaftet und vom OLG Jena verurteilt. Das Urteil verbüßte sie im Zuchthaus Gräfentonna und im Zuchthaus Hohenleuben. Danach kam sie ins KZ Moringen in „Schutzhaft“. Nach zwischenzeitlicher Freilassung wurde sie 1941 erneut verhaftet. Helene Fleischer starb am 26.06.1941 in der Landesheilanstalt Stadtroda. Sie wurde 42 Jahre alt.

G

Familie Gutwilen

Abrahams Vater war Jocek Icek Gutwilen (geb. 1866 in Ilza/Rußland)), in zweiter Ehe verheiratet mit Ghizhjab Gizele (1862 geb. Serelks/Rußland). Abraham Gutwilen wurde 1894 mit seinem Zwillingsbruder in Smilow bei Kalisz geboren. Mirla (geb. 1893) war Abrahams Schwester. Abraham heiratete Renata (1889 in Zdunska Wola bei Kalisz geb. Pick). Abraham war selbständiger Textilkaufmann und Rena war Kunststopferin. Sie besaßen ein Ladengeschäft in der Zschochernstraße. Das Ehepaar Gutwilen, kam um 1920 auf der Flucht vor den Pogromen des polnisch-bolschewistischen Krieges nach Gera. Hier bekamen sie die Kinder Leo (geb.1921), Henriette (geb. 1922), und die Zwillinge Hermann und Helene (geb.1931). Leo und Henriette konnten 1937 mit der Jugend- Alijah nach Palästina fliehen. Zuvor lernten sie auf Gut Groß-Breesen (bei Trebnitz, Schlesien) Landwirtschaft. Henriette hieß verheiratet Gal. Die Tochter von Leo heißt Hagar Rubin. Vater, Mutter und die Zwillingskinder wurden am 28.10.1938 über die Grenze nach Bentschen (Zbaszyn, Polen) ausgebürgert. Nach dem zwangsweisen Aufenthalt im Ghetto Litzmannstadt wurde die Familie am 25.03.1942 nach Kulmhof zur Ermordung deportiert. Wahrscheinliche Todesursache ist vorsätzliche Kohlenmonoxyd-Vergiftung im Gaswagen am selben Tag. Abraham starb mit 47 Jahren, Renata wurde 53 und die Zwillinge nur 11 Jahre alt. Mirla starb am 16.01.1941 im Ghetto Litzmannstadt, 49 Jahre alt. Abrahams Stiefmutter Gizele verheiratete sich in zweiter Ehe mit Viktor Weisdorf. Daraus gingen Familien hervor, die heute in Chicago (USA) leben.

H

Ehepaar Halpert

Georg Halpert (geb.1891 in Gera) war der einzige Sohn von Dagobert Halpert und Anna geb. Edelstein (1867-1946). Georg wurde 1920 Mitinhaber der Firma Halpert & Co. Die 1883 in Gera gegründete Teppich- und Möbelstoffweberei hatte 1938 bereits eine 55-jährige Firmengeschichte. Die Firma war bekannt für ihr soziales Engagement. 107 Jahre, bis 1990, wurde an diesem Standort produziert. Heute ist das historische Produktionsgebäude das Parkhaus der Gera-Arkaden. Georg hatte bereits von 1910–1920 in Buenos Aires gelebt. Er besaß die argentinische Staatsbürgerschaft. Er heiratete im Frühjahr 1938 Dorothea, eine 1908 in Chemnitz geb. Goeritz. Dorothea hatte in Berlin Ökonomie studiert. Ende 1938 war Georg nicht mehr in der Lage, seine zahlreichen jüdischen Angestellten, seine Familie und sich selbst zu schützen. Am 09.01.1939 wurde die Firma arisiert und 1945 enteignet. Das Ehepaar verließ Gera nach Berlin und flüchtete 1939 über England und New York nach Buenos Aires. Später lebten sie in Beverly Hills (USA) bis 1984 (Georg, 93) und 1993 (Dorothea, 84). Durch die Nennung des Namens Halpert auf dem Stolperstein wird indirekt auch das Werk der Gründer und Namensgeber der Firma, nämlich Georgs Vater Dagobert (1856–1934) und dessen Bruder Eugen (1864–1930) gewürdigt. Sie haben als Geldgeber eine bedeutende Rolle in der jüdischen Gemeinde Gera gespielt. Dagobert war im Vorstand der Israelitischen Gemeinde und besaß u.a. die Immobilie Jüdische Schule 1919. wird er als bürgerliches Mitglied im Stadtrat Gera genannt.

K

Leo Karlsruher (1889–1940) und Anna Orlamünder (1896–1945)

Leo Karlsruher (geb. 1889) und die „Nichtjüdin“ Anna Orlamünder (geb. 1896 in Grana bei Zeitz) hatten einen Sohn Eberhard (geb. 1931) Die Nationalsozialisten bekämpften die Beziehung des unverheirateten Paares mit ihren Rassegesetzen. Das Schimpfwort dafür hieß „Rassenschande“. Leo wurde 1935 verhaftet und zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Als 45-jähriger hatte gerade seine Arbeit als kaufmännischer Angestellter im Kaufhaus Hermann Tietz ( später „Hertie“) verloren. Nach der Haftzeit bekam er eine Arbeit in der Firma Halpert & Co. Im Mai 1938 wurde er erneut verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Er kam dort 1940 im Alter von 51 Jahren ums Leben. Anna Orlamünder starb bei einem Luftangriff auf Gera 1945. Eberhard Orlamünder überlebte. Es gab einen Kontakt zu ihm noch 2010.
Verlege-Ort der Stolpersteine ist vor der Wohnung von Anna Orlamünder.

L

Familie Löwenstein

Der Lehrer Hermann (Hirsch) Löwenstein und Jette (Meta, Gejtja) geb. Moses lebten in Jever. Sie hatten die Söhne Richard (1880–1942), Ernst (1881–1974) und Emil (geb. 1884 ). Richard lebte zuletzt in Berlin und wurde von dort aus am 25.01.1942 in das Ghetto Riga deportiert. Ernst war in Oldenburg Rechtsanwalt und Vorsitzender des jüdischen Landesgemeinderates. Emil Löwenstein war seit 1926 verheiratet mit Käthe (1895 in Gera geb. Hauptmann). Sie hatten einen Sohn Heinz Hans Hermann (geb. 1926 in Gera). Seit 1926 war Emil als Kaufmann mit dem Schwiegervater Gustav Hauptmann Teilhaber der Firma Paula Goldschmidt. (Haushalt- und Spielwaren). Emil Löwenstein war ab 30.10.1939 Vorsitzender der Geraer Israelitischen Religionsgemeinde. Seit 10.02.1942 Vertrauensmann der Reichsvereinigung der Juden für Gera. Im Novemberpogrom 1938 wurde er ins KZ Buchenwald gebracht. Nach seiner Rückkehr wurde seine Firma zwangsaufgelöst. Das bedeutete den Verlust der Existenzgrundlage. Seit 1941 mussten sie den Judenstern tragen. Beide Eltern gerieten am 10. Mai 1942 in die endgültige Deportation. Heinz Hermann befand sich bis 1942 im jüdischen Schulinternat („Kinderheim“) Leipzig. Sein Name steht auch dort in der Deportationsliste. Emil war 58, Käthe 46 und Heinz Hermann 15 Jahre alt, als sie ermordet wurden.
Der Stein für Emil Löwenstein, gelegt am 08.04.2009 vor dem Judenhaus Zschochernstr. 32, wurde am 30.07.2010 von Unbekannten ausgegraben, gestohlen und nicht wieder aufgefunden. Die drei Steine für Emil, Käthe und Heinz Hermann wurden am 17.06.2011 am neuen Standort Lessingstraße 1 verlegt, der letzten gemeinsamen Wohnung.

M

Familie Mazur

Robert Mazur (geb. 1885 in Köthen) heiratete Gertrud (1889 geb. Halpert) aus Gera. Gertruds Eltern waren Dagobert Halpert (geb. 1856) und Anna (geb. Edelstein). Else (verh. Frenckel) und Georg (geb. 1891) hießen ihre Geschwister. Robert Mazurs Schwester Hilde war verheiratet mit Franz Schalscha aus Görlitz (geb. 1903). Beide emigrierten 1933 nach Südafrika und lebten noch bis mindestens 1998. Robert und Gertrud Mazur's Kinder heißen: Otto Heinrich "John Steven" (geb. 1914), Helga Ruth (geb. 1916, verh. Sanders) Ursula Anna (geb. 1919, verh. Steinberg) und Adelheid Elisabeth "Heidi" (geb. 1923, verh. Tachau). Alle mussten aus Gera flüchten weil sie Juden waren, sie konnten ihren Verfolgern zum Teil über Cuba in die USA entkommen. Nach dem Tod der Gründungsväter leitete Robert Mazur gemeinsam mit seinem Schwager Georg Halpert die Geraer Firma Halpert & Co. sehr erfolgreich. Auch in Münchenbernsdorf und Hohenstein-Ernstthal wurde produziert. In über 50-jähriger Firmengeschichte schufen sie tausende Arbeitsplätze für Juden und Nichtjuden. Bei den Zulieferfirmen (z.B. Spinnereien) waren viele weitere Arbeitsplätze entstanden. 1938 kam es zur entschädigungslosen Zwangsenteignung durch die Nationalsozialisten. Die Halperts und Robert Mazur waren bei ihrer Belegschaft beliebt, fortschrittlich und sozial eingestellt. Sie hatten eine eigene Betriebskrankenkasse. 1923 spendete die Firma z.B. 10.000 Reichsmark für Museumszwecke. Belegt sind die Arbeiter-Kinderfeste im Martinsgrund, die von der Firma organisiert und finanziert wurden. Die Firma stellte das Haus Meistergäßchen 10 als jüdische Schule und Jugend-Club zur Verfügung. Der jüdischen Sportverein „Maccabi Bar Kochbar Gera“ wurde von Robert Mazur unterstützt. Er war Vorsitzender der Geraer Ortsgruppe der Reichsvereinigung jüdischer Frontkämpfer des 1. Weltkriegs. Das historische ehemalige Hauptgebäude ist heute Parkhaus der Gera-Arcaden. Dort wurde noch bis 1991 unter anderen Eigentumsverhältnissen produziert. Robert Mazur übte mehrere Ehrenämter in jüdischen Vereinen Geras aus. Im Novemberpogrom 1938 wurde er und sein Sohn Otto verhaftet im KZ Buchenwald so schwer misshandelt, dass sie lebenslange Gesundheitsschäden davontrugen. Bei ihrer Flucht nach England 1939 schmuggelten Robert und Gertrud Mazur und Anna Halpert im Reisegepäck zwei der Geraer Thora-Rollen. Bereits am 13.06.1936 ist eine Schiffsreise Roberts und Gertruds Bremen-Southampton mit der „Europa“ dokumentiert. Robert starb 1942 in London 57jährig. Gertrud starb 1969 mit 80 Lebensjahren.
Verlegeort  der Stolpersteine ist vor dem ehemaligen Wohnhaus Ebelingstr. 10.

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Erwin Panndorf (1904–1942)

Erwin Panndorf wurde am 07.01.1904 in Zwötzen bei Gera geboren. Er trat 1920 in KPD ein. Nach 1930 lebte er in der Sowjetunion und wurde Mitglied der KPdSU. Seine Tochter heißt Ilsa Nesterenko. Er war Teilnehmer am spanischen Bürgerkrieg auf Seite der internationalen Brigaden. 1942 sprang er aus einem sowjetischen Flugzeug  über Ostpreußen mit dem Fallschirm ab und ging nach Berlin. Dort fand er Kontakt zum Widerstand der sog. Roten Kapelle. Nach Verrat und Verhaftung wurde er am 10.12.1942 in Sachsenhausen umgebracht. Er starb mit 38 Jahren. Nach ihm ist die größte Sporthalle Geras benannt.

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Familie Sklow

Hermann (Heymann) Sklow (geb. 1870) stammte aus Schneidemühl (Pommern) und war in Gera verheiratet mit Betty (1880 in Magdeburg geb. Behrendt). Sie hatten zwei Töchter Charlotte geb.1905 in Berlin und Helene geb.1907 in Gera, gest.1979 in New York.  Hermann hatte eine ältere Schwester Johanna (geb. 1868) und zwei jüngere Schwestern, die Ernestine (geb. 1871) und Marta (geb. 1882) hießen. Johanna und Mann Alexander Klar (geb. 1871), Ernestine Riffa, sowie Marta und ihr Mann Markus Katz (geb. 1878) wurden von Berlin aus deportiert. Der Mann von Ernestine, Karl Riffa (geb. 1876) flüchtete vor der Deportation in den Tod (Suizid). Weitere Geschwister von Hermann sind alle als Kleinkinder gestorben. Charlotte heiratete Willy Rosenthal. Sie bekamen drei Kinder: Brigitte (1925-1983) Ursula (geb. 1928) und Peter (geb.1929). Familie Rosenthal gelang die Flucht in die USA. Auch Helene floh über Kuba in die USA. Hermann Sklow war von 1896 bis 1933 im bekannten Geraer Traditions-Kaufhaus Hermann Tietz beschäftigt (Stammhaus der späteren Warenhauskette HERTIE, viel später Konsument-Warenhaus, danach Horten). Zuletzt als der langjähriger Direktor in der Geraer Filiale. Er war 63 Jahre alt als er 1933 in Folge der Zwangsenteignung seine Stelle verlor. Die Familie verließ Gera und zog nach Berlin. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wurde Hermann 1937 verhaftet und wegen Devisenvergehens verurteilt. Sein letzter Aufenthaltsort war das Berliner Polizeipräsidium am Alexanderplatz. Dort kam er am 18.10.1938 ums Leben. Hermann ist im Grab seiner Schwiegereltern in Berlin-Weissensee bestattet. Er wurde 68 Jahre alt. Betty war Passagier der legendären MS St. Louis 1939. (Spielfilm). Die Einreise in Cuba wurde ihr verweigert. Über Antwerpen in Belgien und Holland gelingt ihr später die Flucht in die USA. Sie lebte mit ihren Töchtern in New York.
Verlege-Ort der Stolpersteine ist vor dem Wohnhaus Agnesstr. 26.