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Gefundene Objekte: 153

F

Frieda Fulsche (1894–1963)

Frieda Fulsche geb. am  27.10.1905.in Apolda. Sie war Tochter des Fotographen Walter Löwenstein. Sie heiratete 1919 den nicht-jüddischen Strickermeister Hermann Fulsche, zuvor war er mehrere Jahre an den Fronten des I. Weltkrieges. Wie die Zeitung berichtete, erkämpfte er sich das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
Hermann Fulsche wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen, aber 1940 wieder entlassen, weil er an der Ehe mit der „Halbjüdin“ Frieda Fulsche festhielt. Mehrmals war er aufgefordert worden, sich scheiden zu lassen.

Berthold Fleischmann (1878–1947)

Berthold Fleischmann wurde am 15. Januar 1878 in Prichsenstadt in Unterfranken geboren. Er heiratete Ida Frank. Ende des 19. Jahrhunderts kamen sie nach Apolda und wohnten die längste Zeit in der Niederrosslaer Straße 8. In der Schulbergstrafle, später verlegt in die Bernhardstrafle, richteten sie eine Viehhandlung ein. Berthold Fleischmann war bis Ende der Dreifliger Jahre Pferdehändler. Ihnen wurde am 23. Juli 1904 die Tochter Elfriede geboren. Das Ehepaar gehörte zu den gläubigen Juden in Apolda. Am 1. April 1933 zogen sowohl vor seinem Haus in der Niederrosslaer Straße als auch vor der Viehhandlung in der Bernhardstraße SA-Leute auf. Als volljüdisches Ehepaar hatten beide von da an alle Repressalien durch die Nazis zu erleiden. So hatten sie ab Januar 1939 die diskriminierenden Vornamen Sara und Israel zusätzlich zu tragen. Während des Pogroms am 09./10. November 1938 wurden auch die Fenster der Viehhandlung der Fleischmanns in der Bernhardstraße zerstört. Wenige Wochen später wurde seine Viehhandlung geschlossen. Grundlage war die Durchführungsverordnung des Reichswirtschafts- und Reichsjustizministers vom 23. November 1938 zum Verbot jüdischer Einzelhandels- und Handwerksbetriebe. Wie alle Juden hatten auch sie den Judenstern ab September 1941 zu tragen. Die Katastrophe fand für das Ehepaar Fleischmann ihren ersten Höhepunkt am 19. September 1942. Ihre Tochter Elfriede Otto musste die Eltern zu dem Sammelpunkt für den Transport nach Theresienstadt im Marstall nach Weimar bringen (Elfriede Otto war mit einem sogenannten Arier verheiratet und damit lange Zeit vor Deportation geschützt). Berthold Fleischmann war 63 Jahre alt, seine Frau Ida 61 Jahre. Damit waren sie für das sogenannte "Altersghetto für Juden" vorgesehen. Sie wurden in Theresienstadt untergebracht im Haus der Langestraße 6, dann im Haus QU 312. Berthold Fleischmann verließ am 5. Februar 1945 mit einem Transport von 1.200 Juden Theresienstadt und kam in die Schweiz. Dort wurden sie in verschiedenen Flüchtlingslagern untergebracht. Er war u.a. in Montbrillant. Von dort holte ihn seine Tochter Elfriede noch 1946. Das war eigentlich verboten, weil Deutsche nicht die Besatzungszonen ohne Erlaubnis wechseln durften. In die Schweiz ging es aber nur durch die amerikanische Besatzungszone. Berthold Fleischmann starb am 5. Juni 1947 an seinen seelischen und körperlichen Leiden, die er im KZ Theresienstadt erfahren musste. Anders als Ida konnte er aber bei seiner Tochter in Apolda sterben.

Ida Fleischmann (1881–1943)

Als das Ehepaar Fleischmann nach Theresienstadt deportiert wurde, war Ida Fleischmann kränklich. Von Anfang an hatte ihre Tochter Elfriede Otto Angst um sie. Immer wieder schickte Elfriede Mittel nach Theresienstadt, damit die Mutter ihre Schmerzen lindern konnte. Da die Eltern monatelang nicht schreiben durften, waren die Informationen aus Theresienstadt sehr dürftig. Deshalb war der Briefwechsel ziemlich einseitig. Immer wieder sorgte sich Elfriede um die Gesundheit vor allem der Mutter. Und sie sehnte sich nach ihr. Durch die Postkarten plauderte sie mit ihrer Mutter. Über Alltagsangelegenheiten.
Ida Fleischmann erkrankte schwer und starb am 17. August 1943 im Siechenheim in der Parkstraße 4, Station I/57. Im Krematorium wurde ihr Leichnam eingeäschert. Die Asche wurde in einem speziellen Raum gelagert.
_"Meine liebe Mutter! Soeben habe ich lieben Papa geschrieben und nun sollst Du Deine Karte haben, damit keines benachteiligt wird. Heute sande ich an jeden von Euch ein Päckchen mit Wäsche. Ich legte Dir 2 Hemdchen von mir bei, mit ganz schmalen Trägern und hoffe, dass Du diese wegen Deinen Arm tragen kannst, ich denke sogar gut, da dieselben doch nirgends reiben können. In das nächste Paket lege ich Dir Stopfgarn und Nadeln bei, die Du doch sicher gebrauchen kannst. Der Schlüpfer in meinem heutigen Paket macht Dir bestimmt Freude, und die Nachtjacken wirst Du sicher auch gebrauchen können. Ich möchte Dir am liebsten jeden Tag ein Päckchen schicken, 195 denn wir denken immer nur daran, mit was wir Euch wohl Freude machen können. [...] Die größte Sorge ist nur immer, ob Du wohl noch solche Schmerzen hast. Hoffentlich nicht. Wir kaufen für Dich jetzt eine Kurpackung Neurosmon, Du mußt aber sobald Du das Päckchen bekommst auch die Kur anfangen und genau durchführen. Mir ist sie prima bekommen. Meine liebe Mutter sei für heute vielmals gegrüßt und geküßt von uns Dreien Besonders aber, von Deiner Friedel"_

Jenny Fleischer-Alt (1863–1942)

Jenny Fleischer-Alt: geb. Jenny Charlotte Alt, in Pressburg (heute: Bratislava), in jüdischer Familie am 3. August 1863, arbeitete als Sängerin am höfischen Theater in Wiesbaden. Bei einem Gastspiel in Weimar erhielt sie ein Angebot für ein Engagement als Koloratursängerin am Weimarer Theater, das sie annahm. Ab 1884 lebte und arbeitete sie in Weimar. Großherzogs Carl Alexanders zeichnete sie mit dem Ehrentitel „Großherzogliche Kammersängerin“ aus. 1891 heiratete sie den Professor Friedrich Fleischer. Neue Residenz der Fleischers wurde 1900 die Villa in der Belvederer Allee 6. Seit 1920 unterrichtete sie an einer Musikschule in Weimar. Die Anstellung endete jedoch 1927. Mit dem Tod ihres Mannes zum Jahreswechsel 1937/38 stand Jenny Fleischer-Alt nicht mehr unter dem Schutz, den sie aufgrund ihrer so genannten "Mischehe" zu "genießen" pflegte. Die Auswirkungen ihres neuen Status als "jüdische" Alleinerbin der Besitztümer ihres verstorbenen Mannes wurden deutlich. Von da an galten alle Gesetze und Verordnungen, die von den nationalsozialistischen Machthabern zur sozialen Ausgrenzung der jüdischen Bürger aus der deutschen "Volksgemeinschaft" und auch zur systematischen Ausplünderung derselben erlassen worden waren, auch für sie. Unteranderem war ihr Konto, wie die Konten aller Juden, von den Steuerbehörden als nur "eingeschränkt verfügbar" deklariert worden. Auf diese Weise agierte die Finanzverwaltung des Naziregimes als faktische Kontoinhaberin. Der Entzug des Zugriffs auf ihr Vermögen bedeutete nicht nur eine große Einschränkung ihres gewohnten Haushalteniveaus, sondern erforderte auch den Verkauf von Wertpapieren, um Steuern für eine Immobilie zahlen zu können, über die sie nicht mehr frei verfügen konnte. Seit der Abschaffung des Schutzes jüdischer Mieter im gesamten Reich am 17. Januar 1939 und der Anordnung vom 30. April 1939, dass "Nicht-Arier" aus "arischen" Häusern vertrieben werden mussten, wurden Weimarer jüdische Bürger aus ihren Häusern verbannt und in "Judenhäusern" zusammengetrieben. Dies galt auch für Jenny Fleischer-Alt, allerdings in anderer Weise. Sie musste ihre Wohnung in der Belvederer Allee nicht verlassen, aber ihr Haus wurde ab 1940 zu einem der "Judenhäuser" erklärt. Zunächst musste die Witwe zwei Frauen, Käthe Friedländer und Martha Kreiß und später den Konzertmeister Eduard Rose, bei sich aufnehmen. Von da an musste sie aus den ohnehin knappen Mitteln noch drei weitere Personen versorgen. Neben den ständigen Schikanen litt Jenny Fleischer-Alt auch unter dem Verlust ihrer Schwester Ilka am 4. März 1942 und hatte ständig Angst vor der Deportation, die im Mai 1942 angekündigt worden war. Jenny Fleischer-Alt und ihre Nichte Edith Gal sahen im Selbstmord den einzigen Ausweg, und während des Osterwochenendes, am 7. April 1942, nahm sich Jenny Fleischer-Alt das Leben.

Familie Falkenstein

Das Ladengeschäft Theodor Falkenstein war Jahrzehnte stadtbildprägend am Johannisplatz. Das Haus wurde 1906 neu erbaut. Im gleichen Jahr eröffneten sie ihr Geschäft. Familie Falkenstein stammte aus Konitz/Westpreußen und wohnte in Gera von 1906-38. Mutter Rosa war aus Halberstadt. In Gera wurden ihre beiden Kinder geboren, Herbert und Anneliese. Sie gehen hier zur Schule: Bergschule, Henriette auf die Zabelschule, Herberst aufs Rutheneum. Theodor Falkenstein war gelernter Textilkaufmann.  Sein Geschäft  bildete die Lebensgrundlage der 5-köpfigen Familie. Er war aktives Mitglied der israelitischen Kulturgemeinde Gera. Ihre Mietwohnung war Burgstraße 5. Im August 1938 flüchten Theodor, seine Frau Rosa und Tochter Anneliese mit der S.M.S. Mosel von Bremen nach Melbourne/Australien. Der Frachtdampfer ist 6 Wochen unterwegs. Das Leben in dem fremden Land ist schwer. Theodor bügelt Wäsche in einer Textilreinigung. Er stirbt 1951. Rosa erlebt die Befreiung Europas noch und stirbt 1945. Sohn Herbert ist bereits seit 1936 in Melbourne. 40 Jahre arbeitet er in Melbourne als Doktor der Zahnmedizin. Er stirbt 1981. Anneliese und Herbert gründen Familien in Melbourne und haben Nachkommen. Anneliese stirbt 2010. Von ihr sind Briefe an Werner Simsohn im Stadtarchiv Gera erhalten. Großvater Julius, von Beruf Fleischer, wohnte als Witwer auch in Gera. Seit 1938 ist er in Berlin und starb mit 91 Jahren im jüdischen Hospital 1940. Er hat ein Grab auf dem Friedhof Berlin-Weissensee. Alle anderen Geraer Falkensteins sind in Melbourne begraben.

Helene Fleischer (1899–1941)

Helene Fleischer wurde als Margarete Helene Lätzsch am 11.06.1899 in Leumnitz bei Gera geboren. Sie arbeitete als Stubenmädchen und im AOK-Sanatorium. 1919 trat sie in die SPD ein und wechselte 1923 zur KPD. Sie war im Betriebsrat der Geraer Firma Hirsch. 1931 wurde sie für die KPD Mitglied des Thüringer Landtages, 1932 auch Reichstagsabgeordnete. 1934 wurde sie in Apolda verhaftet und vom OLG Jena verurteilt. Das Urteil verbüßte sie im Zuchthaus Gräfentonna und im Zuchthaus Hohenleuben. Danach kam sie ins KZ Moringen in „Schutzhaft“. Nach zwischenzeitlicher Freilassung wurde sie 1941 erneut verhaftet. Helene Fleischer starb am 26.06.1941 in der Landesheilanstalt Stadtroda. Sie wurde 42 Jahre alt.

Familie Friedmann

Die Familie von Hugo und Eva Friedmann, geb. Kahn, war in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts sehr wichtig für jüdische Gemeinde in Themar. Hugo arbeitete als Religionslehrer in der Gemeinde, die sich zu der Zeit im Aufschwung befand. Seit ihrer Gründung Anfang der 1860er Jahre kamen immer mehr jüdische Menschen nach Themar, sodass am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Gemeinde über 100 Mitglieder hatte. Dabei war die Familie Friedmann für das religiöse und kulturelle Leben in der Gemeinde zuständig. Eva Kahn wurde im Jahr 1877 in Medernach, in Luxemburg, geboren. Sie war die Tochter von deutsch-jüdischen Eltern, die jeweils aus den kleinen Dörfern, Wawern und Bosen, kamen. Die Familie Kahn war hauptsächlich im Viehhandel tätig und war seit etwa Mitte der 1800er sehr bekannt in Medernach. Eva war das älteste von insgesamt 9 Kindern, die Nathan Kahn mit seiner ersten Frau Sarah Levi (1855-1889) und seiner zweiten Frau Mathilde Kahn (1863-1921) hatte. Hugo Friedmann wurde im Jahr 1876 als fünftes Kind von Salomon, einem Lehrer, und Johanna geboren. Er hatte zwei Schwestern, Klothilde und Adèle, und einen Bruder, Adolf. Obwohl Hugo in Neu-Ulm geboren wurde, wuchs er höchstwahrscheinlich in Illingen, im Kreis Neunkirchen in Saarland, auf, wo sein Vater vom Jahr 1885 bis zum Jahr 1895 unterrichtet hatte. Hugo trat beruflich in die Fußstapfen seines Vaters und begann am 1. Oktober 1892 sein Studium bei dem Königlichen Schullehrer-Seminar in Würzburg an. Er schloss das Studium im Juli 1895 erfolgreich ab und kehrte zurück nach Illingen für seine erste Anstellung. Ein Jahr später bekam Hugo eine Stelle in Schweich, einer kleinen Stadt mit etwa 90 jüdischen Einwohnern und zog dorthin. In Schweich arbeitete Hugo als Lehrer, Kantor und Schächter. Anfangs hatte Hugo nur 17 jüdische Schüler/innen, später, im Jahr 1897 waren es 20 Schüler/innen – 15 Mädchen und 5 Jungen. Im April 1898 verließ Hugo Schweich und zog nach Wetzlar. Vermutlich kam Hugo am 1. Oktober 1900 nach Themar, als die jüdische Gemeinde einen Religionslehrer, Kantor und Schächter brauchte. Diese Stelle wurde am 27. Juli 1900 in „Der Israelit“ ausgeschrieben. Nachdem Hugo und Eva am 1. Januar 1902 geheiratet hatten, nahm Eva die deutsche Staatsangehörigkeit an und zog zu Hugo nach Themar. Ende 1902 bekam das Paar ihr erstes Kind, die Tochter Johanna. Bruno, das jüngste Kind, kam am 15. Oktober 1908 zur Welt. Die Familie Friedmann lebte in der Oberstadtstraße, der heutigen Ernst-Thälmannstraße 17. Im Jahr 1909 nahm Hugo Friedmann eine Stelle in Berncastel-Kues an der Mosel an, und die Familie zog weg aus Themar. Zum Abschied erhielt Hugo von der jüdischen Gemeinde einen Krug, auf dem folgende Worte eingraviert waren: „Zur Erinnerung von seiner Gemeinde Themar.“

Julius Friedländer (1850)

Julius Friedländer (1850) kam Ende der 1870er Jahre nach Apolda und hatte dort Emma Bußler (1853) geheiratet. Sie haben drei Kinder bekommen, Margaretha, Max und Katharina. Im Jahre 1888 kaufte er das Haus in der Ackerwand 19, welches er bis zwei Jahre vor seinem Tod bewohnte. Nadem er sein Wollwaren-Handelsgesellschaft „J. Friedländer" 1912 aufgab, investierte er sein Kapital für eine Tochter Margaretha und ihrem Mann, die 1917 eine Wollwarenfabrik bauen ließen. Diese befand sich in der Lessingstraße.

Familie Frankenberg

Die Ursprünge der Familie Frankenberg in Thüringen lässt sich bis zu Nathan und Regine, geb. Neuberger, Frankenberg zurückverfolgen, die sich in Marisfeld um 1800 niederliessen und bis zu ihrem Tod dort lebten. Zwischen 1808 und 1822 wurden acht Kinder geboren, der älteste Sohn Jonas  heiratete Karolina Rosenbaum aus Gleicherwiesen und hatte ebenfalls acht Kinder. Löb heiratete Jette Hermann und gründete mit ihr eine Familie in Marisfeld. Die Familie zog im September 1870 mit ihren sieben Kindern nach Themar, wo sie sich in der Oberstadtstrasse 203 niederliessen. Löb Frankenberg war Viehändler, die Einwohnerliste belegt, dass er und sein Sohn Jonas auch mit Pferden handelten. Auch Sohn Samuel stieg Mitte der 1870er Jahre in den Familienbetrieb ein. Nach dessen Wegzug mit seiner Familie nach Schleusingen, wo er ein Schnittwarenladen führte, stieg der jüngere Bruder Louis in den väterlichen Viehandel ein. Sie waren als „Gebrüder Frankenberg“ in Themar bekannt. Löbs und Jettes jüngste Tochter Meta, die den Kaufmann Nathan Krakauer heiratete, wurde in Themar hoch angesehen.

Bei Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 waren 50 Mitglieder der Familie Frankenberg in Deutschland registriert, sie lebten in Themar, Schleusingen, and Suhl in Thüringen, und den Städten Coburg, Hannover, Essen und Dinslaken. Während der Deportationen Mitte Oktober 1941 waren noch 19 Familienmitglieder in Deutschland, 18 Frankeberg gelang rechtzeitig die Flucht in die USA, nach Palästina und Buenos Aires, Argentinien. Nathan Frankenberg, Sohn von Samuel und Karolina Frankenberg wurde 1937 nach Schleusingen deportiert und ermordet. Ein weiteres Familienmitglied wurde in der Euthanasieanstalt Hadamar umgebracht. 13 Mitglieder der Familie wurden in Ghettos und Konzentrationslager deportiert. Meta Krakauer, geborene Frankenberg überlebte Theresienstadt zusammen mit ihrer Nichte, Doris Lorenzen, geborene Frankenberg. Meta Krakauer starb 1955 in Dinslaken, wo sie auch beerdigt wurde.

Familie Fleischer

1996 wurde aus denkmalpflegerischen Gründen die Familiengruft Fleischer, gelegen im Feld 4a auf dem Jenaer Nordfriedhof, in das Verzeichnis der schützenswerten Grabstätten der Stadt Jena aufgenommen. Intensive Recherchen zur Geschichte dieser Grabstätte erbrachten folgendes Bild: Auftraggeber der einst ausgesprochen repräsentativen oberirdischen Gruft war der Kunstmaler Professor Fritz (Friedrich Martin) Fleischer, der ab 1900 mit seiner Frau, der Sängerin Jenny Fleischer-Alt in Weimar lebte. Seine Beweggründe, die Grabstätte für die auswärts wohnende Familie in Jena anzulegen, blieben bislang unbekannt. Die Entwurfszeichnung „Erbbegräbniss Prof. F. Fleischer“, in die sicher auch die künstlerischen Vorstellungen Fleischers einflossen, führte der Jenaer Architekt Johannes Schreiter im August 1904 aus. Die großzügig angelegte Grabstätte – es handelt sich um die größte Gruft auf dem Nordfriedhof – bot Raum für die Beisetzung von zehn Särgen. Der Genremaler Fritz Fleischer wurde 1861 in Breslau als Sohn von Max und Pauline Fleischer geboren. Er selbst war Autodidakt und stellte seit 1888 seine Werke unter anderem auf den Jahresausstellungen in Berlin, München und Dresden aus. Auch in Jena war er ein geschätzter Maler, der seine Bilder 1905 im Jenaer Kunstverein zeigte. Sein bekanntestes Werk ist das Gemälde „Mehr Licht“ (Sterbebild Goethes im Goethehaus Weimar), das vielfach als Kunstdruck und Postkarte veröffentlicht wurde. Ab 1917 unterrichtete er zudem an der Weimarer Kunst- schule, bat dort jedoch bereits im Mai 1919 um seine Entlassung. Direktor Walter Gropius teilte dazu aktenkundig mit, „daß Herr Professor Fleischer, der bisher als Hilfslehrer an der Hochschule Vorträge über Maltechnik gehalten, […] sein bisheriges Amt niederlegen wolle. Herr Professor Fleischer scheidet also am Schluss des Sommersemesters aus dem Lehrerverband des Bauhauses aus.“ (ThHStAW, Staatliches Bauhaus Weimar, Nr. 111 Personalangelegenheiten der Lehrkräfte 1919–1924, Bl. 19). Dem voraus- gegangen waren Differenzen über ein grundsätzlich anderes Kunstverständnis, so dass Fleischer zu der Überzeugung gelangte, „dass sich meine maltechnische Lehrweise, welche die strengste Formendurchbildung anstrebt, und die aus den Aufzeichnun- gen und Werken der großen alten Meister hergeleitet ist, nicht mit der Kunstrichtung verträgt, welche hier besonders gepflegt werden soll, da dieselbe […] die Zertrümmerung aller Form beabsichtigt. Ich lege deshalb mein Lehramt für Farben und Maltechnik nieder.“ (ebenda, Bl. 16). Die Familie Fleischer war eine ausgesprochen begüterte Familie, deren Wohlstand in der Zuckerherstellung gründete. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Versuche unternommen, den erheblichen Anteil Restzucker aus der bei der Produktion von Zucker aus Zuckerrüben anfallenden Melasse zu gewinnen. Es gelang schließlich dem Zuckertechniker Max Fleischer und seinem Sohn, dem Chemiker Dr. Emil Fleischer, ein Verfahren zur Entzuckerung von Melasse mit Hilfe von Strontium-Verbindungen zu entwickeln. In der ursprünglich 1871 als „Dessauer Aktien Zuckerraffinerie“ durch Max und Emil Fleischer gegründeten Fabrik wurde erstmals in großem Maßstab dieses Verfahren für die Zuckerfabrikation angewandt. Max Fleischer, als Markus Maximilian Fleischer 1812 in einer jüdischen Familie in Ratibor geboren, starb bereits 1871 in Dresden und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Görlitz bestattet. Ein Großteil der Familie war später in Wiesbaden wohnhaft. Die dort seit 1890 lebende Witwe Pauline Fleischer, Tochter des Amtsmannes Salomon Freund, starb 1905 im Alter von 83 Jahren in Wiesbaden und wurde als erste Angehörige der Familie Fleischer im Erbbegräbnis auf dem Jenaer Nordfriedhof beigesetzt. Es folgten ihre Kinder Dr. Emil Fleischer (1843 Breslau–1928), der Maler Philipp Fleischer (1850 Breslau–1927 Wiesbaden), Agnes Fleischer (1847 Breslau–1930 Wiesbaden) und Richard Fleischer (1849 Breslau–1937 Wiesbaden). Professor Fritz Fleischer starb am 1. Januar 1938 in Weimar. Sein Leichnam wurde nach Jena gebracht und hier eingeäschert, die Urne allerdings nicht im Erbbegräbnis beigesetzt, sondern nach Hummelshain abgeholt, wo sich die Spuren verlieren. Warum seine Beisetzung nicht in Jena erfolgte, ließ sich bis- lang nicht klären. Anfang 1939 forderte der Jenaer Oberbürgermeister vom städtischen Rechtsamt eine gutachtliche Äußerung zur Frage der Beseitigung „jüdischer Erbbegräbnisse und Reihengräber“ auf dem Nordfriedhof. Das Rechtsamt stellte im Ergebnis seiner Untersuchung fest, dass ein Widerruf der früher geschlossenen Einzelverträge zu „jüdischen Erbbegräbnissen“, dies betraf neben der Gruft Fleischer auch die Grabstellen  Rudolph Moritz, Richard Ollendorff, Josephy und Max Grossmann, rechtlich unmöglich sei. Zwar könnten sich „Volksgenossen“ durch die Bestattung von Juden auf öffentlichen Friedhöfen „in ihrer Ehre gekränkt fühlen“, doch sei zu berücksichtigen, „dass es hier nicht mehr um die Bekämpfung einer jüdischen Machtstellung geht“. Auch die Genehmigung zur Benutzung von Reihengräbern sollte – so das Gutachten – bis zum Erlass einer reichsrechtlichen Regelung Juden zu erteilen sein. Um aber „den unerwünschten Zustand, auch jetzt noch Juden neben deutschen Volksgenossen begraben zu müssen“ zu beseitigen, schlug der Rechtsrat Thomas vor, einen Teil des Friedhofes sichtbar abzutrennen und für die alleinige Aufnahme jüdischer Gräber zu bestimmen. Der Oberbürgermeister verfügte daraufhin am 18. April 1939: „Da im Augenblick Sonderaktionen in der Judenfrage untersagt sind, können wir wegen der Erbbegräbnisplätze zurzeit nichts unternehmen. Vielleicht sind die Angehörigen der verstorbenen Juden dafür zu gewinnen, daß sie selbst auf die Erbbegräbnisplätze verzichten und daß eine Umbettung nach einem besonderen Teil des Friedhofs für die Juden (Judenfriedhof) vorgenommen wird. Wegen der Einrichtung eines Judenfriedhofs bitte ich das Nötige zu veranlassen […]“ (StadtAJ D Ia 68, Bl. 4). Ein solcher „Judenfriedhof“ wurde im nordöstlichen Teil des Nordfriedhofs (unter dem Euletal, etwa 25 qm) ausgewiesen, „etwa vorkommende Judenbestattungen“ sollten ab 1940 dort erfolgen. Die letzten Beisetzungen in der Gruft Fleischer fanden 1942 statt, wobei ungeklärt ist, wer diese veranlasste. Es handelte sich dabei um die Witwe Jenny Fleischer-Alt und eine Schwester von Fritz Fleischer. Jenny Fleischer-Alt, ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammend, war 1942 in den Freitod getrieben worden und nahm sich am 7. April 1942 in Weimar das Leben. Ihre Urne wurde aus Weimar nach Jena überführt und im Mai 1942 im Erbbegräbnis Fleischer beigesetzt. Ihre Schwägerin Helene Anette Gräfin zu Leiningen-Neudenau, geb. Fleischer (1865 Breslau–1942 Wiesbaden), deren Sterbeurkunde den Zwangsnamen „Sara“ und als Religion „evangelisch, früher israelitisch“ ausweist, wurde am 26. Oktober 1942 beerdigt. Nach Beendigung des 60-jährigen Nutzungsrechtes erfolgten 1967 die Auflösung des Erbbegräbnisses und die Einäscherung der Särge. Die Urnen wurden im Urnenhain II auf dem Nordfriedhof beigesetzt. Dabei dürfte damals kaum Klarheit um die Bedeutung der Familie bestanden haben.
Nachtrag zur Dessauer Zuckerraffinerie: 1898 gelang es der Zuckerraffinerie aus der Schlempe, einem Abfallprodukt der Melasse-Entzuckerung, Cyanide und Ammoniak zu gewinnen. Die Raffinerie entwickelte sich bis in die 1920er Jahre zu einem Chemieunternehmen, in der 1924 eine Versuchsanlage zur Herstellung des Schädlingsbekämpfungsmittels Zyklon B (flüssige Blausäure auf Trägermaterial) errichtet wurde. In den faschistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern wurde Zyklon B zum industriell organisierten Massenmord eingesetzt, über eine Million Menschen wurden durch Zyklon B ermordet.

Abraham Frankenberg (1854–1925)

Die Geschäftspartner Abraham Frankenberg und Moritz Hofmann stammten beide aus jüdischen Familien in Marisfeld (Südthüringen). Hier wurde Abraham Frankenberg am 14. Januar 1854 als Sohn des Viehhändlers Jonas Frankenberg und dessen Frau Karoline Frankenberg, geb. Rosenbaum, geboren. Der Pferde- und Viehhändler Abraham Frankenberg kam bereits 1882 nach Jena. Seine Ehefrau Regine Frankenberg war die am 14. Juni 1862 in Themar geborene Schwester von Moritz Hofmann, der am 19. Januar 1861 in Marisfeld geboren wurde. Beider Eltern waren der Viehhändler Lippmann Hofmann (1826–1904) und seine Frau Friederike, geb. Sachs (1831–1917). Lippmann Hofmann, seine Frau und ihre jüngeren Kinder, darunter auch Salomon Hofmann, folgten 1884 den vorausgegangenen älteren Kindern Simon und Regine nach Jena. Abraham Frankenberg gehörte nach der Aufhebung der rechtlichen Beschränkungen zu den ersten in Jena fest ansässigen Juden, die hier ein Gewerbe betrieben. Im Verzeichnis der nach dem Handelsregister in der Stadt Jena bestehenden Firmen war die Firma Frankenberg & Hofmann 1882 die dritte eingetragene jüdische Firma nach dem Bankhaus Elkan (1857) und dem Kaufmann Leopold Hammerstein (1881). Erste Inhaber der zunächst in der Grietgasse ansässigen Viehhandlung waren Abraham Frankenberg und Simon Hofmann, der 1859 geborene ältere Bruder von Moritz Hofmann. Moritz Hofmann begann als Gehilfe in der Viehhandlung, deren Leitung er 1893 nach Ausscheiden seines Bruders Simon mit Abraham Frankenberg übernahm. Anhand der veranschlagten Beiträge zur Besoldung des Landesrabbiners, die im Maßstab der Steuerzahlungen erhoben wurden, florierte das Geschäft Frankenberg & Hofmann, auch wenn es im Juli 1897 zu einem wirtschaftlichen Schaden infolge eines im Pferdestall ausgebrochenen Brandes kam. Regelmäßig zählte Frankenberg & Hofmann zu den höchsten Beitragszahlern in Jena. Die bescheidene Anzahl der seit Beginn 1880er Jahre in Jena wohnhaften Juden hatte sich innerhalb von zehn Jahren soweit erhöht, dass die Gründung einer eigenen Gemeinde für möglich und notwendig erachtet wurde. Zu den elf Gründern der Israelitischen Religionsgemeinde im September 1896 gehörten Abraham Frankenberg sowie Moritz und Lippmann Hofmann. Insbesondere Abraham Frankenberg spielte eine aktive Rolle. Er stand im Briefwechsel mit dem Landesrabbiner und wurde als Repräsentant der Gemeinde anerkannt, wie Hermann Friedmann (Familien Friedmann ) 1904 in einem Brief an den Landesrabbiner Dr. Wiesen feststellte. Im Oktober 1896 beklagte sich Frankenberg beim Rabbiner, dass zahlreiche der in Jena wohnhaften vermögenden Israeliten nicht zu bewegen gewesen waren, der neugegründeten Gemeinschaft beizutreten. Besonderes Augenmerk legte er auf die Einstellung eines Religionslehrers. In einem Schreiben vom 19. September 1904 beurteilte er den Bewerber Samuel Heilmann „als Vorbeter in tadelloser Verfassung“. Den Religionsunterricht durch den noch 1904 angestellten Lehrer besuchten die Geschwister Frieda Hofmann (geb. 1893) und Erich Hofmann (geb. 1894), Kinder von Moritz Hofmann und seiner Frau Jetty (Jettchen), geb. Moses. Rosa, Bertha und Alfred Frankenberg, die Kinder von Abraham Frankenberg, waren bereits 1883, 1885 und 1889 in Jena geboren worden und hatten noch Religionsunterricht durch auswärtige Lehrer erhalten. Einen wichtigen Schritt zur Integration in die Stadtgemeinde vollzogen Abraham Frankenberg und Moritz Hofmann 1902 mit dem Erwerb des Bürgerrechts der Stadt und der damit verbundenen Berechtigung zur Wahl des Gemeindevorstandes. Möglicherweise aus wirtschaftlichen Erwägungen, sicher aber auch aus Alters- bzw. Krankheitsgründen beschlossen die Inhaber in den Jahren des Weltkrieges die Auflösung ihrer Viehhandlung. Das gemeinsame Haus am Löbdergraben, seit 1891 Sitz der Viehhandlung und Wohnstätte der Familien von Abraham Frankenberg, Moritz und Lippmann Hofmann, wurde 1916 an die Stadtgemeinde Jena verkauft, die das Gebäude für die Unterbringung städtischer Ämter – zunächst für das im Krieg dringend benötigte Lebensmittelamt – nutzte. Endgültig zum 1. April 1917 wurde das Geschäft Frankenberg & Hofmann geschlossen, das Gewerbe im Juni 1917 offiziell abgemeldet. Moritz Hofmann starb kurz danach am 30. Juni 1917 in Bad Nauheim. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Erfurt. Abraham Frankenberg war bereits am 1. April 1917 mit seiner Frau nach Münster verzogen, wo seine beiden Töchter mit ihren Familien lebten. Rosa Frankenberg war hier seit 1906 mit dem Kaufmann Hugo Hertz verheiratet, ihre Schwester Bertha seit 1908 mit dessen Bruder, dem Pferdehändler Sally Hertz aus Coesfeld. Abraham Frankenberg starb am 14. Dezember 1925 in Münster, seine Frau Regine am 11. Januar 1933. Die Grabstätte der Familie befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Münster. Die Tochter Bertha Hertz starb 1928 in Münster, ihre Schwester Rosa konnte emigrieren und verstarb 1952 in den USA. Die Witwe von Moritz Hofmann, Jetty Hofmann, blieb noch bis 1921 in Jena und lebte dann bis zu ihrem Tod 1932 ebenfalls in Münster. Ihr jüngster Sohn Walter, am 14. September 1901 in Jena geboren und 1935 in Münster verheiratet, wurde Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung. 1941 von Münster aus in das Ghetto Riga deportiert, wurde er 1944 im Konzentrationslager Riga-Kaiserswald ermordet.
Wohnungen in Jena:
Abraham Frankenberg: 1882 Grietgasse 535 (bei durchgängiger Nummerierung aller Häuser der Stadt, seit 1887 Nr. 21); 1891 Löbdergraben 14 (durch Umnummerierung seit 1905 = Nr. 23, seit 1907 = Nr. 34)

Alfred Friedmann (1881–1931)

Alfred Friedmann wurde am 9. August 1881 in Saalfeld geboren. Seine Eltern waren der Viehhändler Salomon Friedmann und dessen Ehefrau Fanny, geb. Frank, die beide zuletzt in Buttstädt wohnten. 1908 heiratete er in Hildesheim die am 1. Juli 1886 in Salzdetfurth geborene  Margarethe Dammann. 1911 zog das junge Ehepaar nach Jena, wo Alfred Friedmann eine Tätigkeit als Viehhändler auf-nahm. Am 6. März des Jahres meldete er bei der Stadtverwaltung die Eröffnung einer Viehhandlung an. Die Söhne des Ehepaares, Erich (geb. 26. Mai 1912) und Herbert (geb. 1. Februar 1914), kamen beide in Jena zur Welt. Für seine „Zucht- und Fettviehhandlung“ mietete er das Anwesen Camsdorfer Ufer 7, welches über ausreichende Stallanlagen verfügte und seit 1917 im Besitz der Stadtgemeinde Jena war. Am 23. Dezember 1931 starb Alfred Friedmann mit nur 50 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Erfurt. Seine Witwe Margarethe verzog nach dem Tod ihres Mannes aus Jena. Ihre weiteren Wohnsitze waren in Berlin, Erfurt (1936/37) und Bad Kissingen. Am 25. April 1942 wurde sie von Würzburg aus in das Ghetto Krasnystaw (bei Lublin) deportiert und dort ermordet. Der Sohn Erich Friedmann, der eine Lehre als Konditor abgeschlossen hatte, wohnte von 1928 bis 1930 und ab Januar 1937 erneut in Erfurt. Von hier meldete er sich im Juni 1937 nach Ahlbeck ab. Nach den Angaben im Gedenkbuch an die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erfolgte am 8. November 1941 von Hamburg aus seine Deportation in das Ghetto Minsk. Erich Friedmann und seine Mutter Margarethe wurden 1952 bzw. 1953 für tot erklärt. Der jüngere Sohn Herbert, seit 1930 Mechaniker-Lehrling im Zeisswerk, blieb bis 1933 in Jena. Sein Weg führte nach Berlin, wo er 1938 heiratete. Im Dezember desselben Jahres wurde in seinem standesamtlichen Geburtsregister der Zwangsname „Israel“ eingetragen. Sein weiterer Lebensweg blieb bislang noch unerforscht. 1986 starb Herbert Friedmann in Hamburg.

Wohnung in Jena: 1911 Wöllnitzer Straße (seit 1914 = Camsdorfer Ufer) 7

G

Salomon Ginsburg (1892–1944)

Salomon Ginsburg, geboren am 15. April 1892 in Korma/Belarus, wurde am 1. Mai 1944 in Auschwitz ermordet. Seine Eltern waren der Schneider Simon Ginsburg und seine Frau Zipa. Salomon Ginsburg kam im Gefolge des Ersten Weltkriegs nach Apolda. Am 19. Juni 1920 heiratete er die nichtjüdische Zuschneiderin Gertrud Halbauer. Mit ihr hatte er zwei Kinder: Heinz, 1920 geboren, und Liesbeth,1923 geboren. Zumindest bis Anfang der 30er Jahre hatte er regelmäßige postalische Beziehungen zu seinem Bruder in Korma, und über diesen sicherlich zur gesamten Wahrscheinlich Salomons Eltern Simon und Zipa und seine Schwester, deren Name nicht bekannt ist Familie. Die Briefe wurden später im Nachlass seines Sohnes Heinz von einem aufmerksamen Haushaltsauflöser gefunden. Über diesen Umweg erreichten die Briefe den Prager-Haus Verein. Er war Schneider und eröffnete 1920 eine eigene Werkstatt in der Neusätze 13, seit 1923 in der Neusätze 15. Von 1925 bis 1935 befand sich die Werkstatt in der Zappstraße 13. Danach wurde das Geschäft aufgegeben, und seit 1938 lebte er mit seiner Familie in der Jägerstraße 30. Am 10. November 1938 wurde er zusammen mit weiteren elf jüdischen Männern aus Apolda in das KZ Buchenwald überstellt. Auf Anforderung des Textilunternehmers Günther wurde er aus dem KZ entlassen und musste in seiner Firma Drillichhosen nähen. Bis 1944 war er durch seine „arische“ Ehefrau vor der Deportation geschützt. Am 1. Mai 1944 wurde er aus bisher ungeklärtem Grund als Einzelner nach dem Osten deportiert und in Auschwitz ermordet. Solche Deportationen von Juden aus „Mischehen“ geschahen im Allgemeinen nur, wenn der jüdische Ehepartner sich irgendeines Vergehens schuldig gemacht hatte. Diese Vergehen mussten nicht schwerwiegend gewesen sein. Schon möglich, dass diese außergewöhnliche Deportation mehrere in Mischehe lebende Apoldaer jüdische Ehepartner bei der kleinsten sich abzeichnenden Unregelmäßigkeit veranlasste, sich bei „arischen“ Freunden bis Kriegsende zu verstecken - z.B. Elfriede Otto mit ihrem Sohn, Alfred Lichtenstein und Cella Müller-Hollenhorst. Am 18. August 2009 wurde von dem Künstler Gunter Demnig vor dem Hauseingang Jägerstraße 30 ein Stolperstein zu seinem Gedenken gelegt. Die Gedenkworte sprach die Patin des Steines, die Journalistin Katrin Zeiß.

Heinz Ginsburg (1920–2000)

„Am 14.10.1920 wurde ich als Sohn des Schneidermeisters Salomon Ginsburg geboren. Mein Vater wurde am 5. April 1891 in Korma (Rußland) geboren. Ich besuchte acht Jahre die Volksschule in Apolda. Ging dann in die Lehre nach Jena beim Gastwirt und Fleischerei 'Zur Rose' bei Kurt Scheubner als Fleischerlehrling. Nach cirka einem Jahr mußte ich durch staatliche Eingriffe meine Lehre vorzeitig beenden. Hatte später nochmals in Weimar ohne Zustimmung des Arbeitsamtes bei einem Fleischer begonnen, auch dort habe ich nur einige Monate gearbeitet und mußte auch, als das Arbeitsamt dahinter kam, diese Stelle verlassen. Nach dieser Zeit war ich immer von Staats wegen aus ein verfolgter Mensch, sollte unbedingt in die Landwirtschaft gehen. Auf dem Arbeitsamt in Apolda saß damals ein gewisser Mann namens Helbing aus Niederroßla, Kriegsbeschädigter des Ersten Weltkrieges, dieser Mann als großer Kommunisten- und Judenhasser bekannt, machte mir das Leben zur Hölle. So begann ich dann später auf dem ehemaligen Rheinmetall-Borsig-Gelände, jetzt Laborchemie, bei der Essenbau-Firma Topf und Söhne als Bauhilfsarbeiter. Ich meldete mich dort persönlich ohne Zustimmung des Arbeitsamtes. Auch hier wollte mich dieser Helbing vom Arbeitsamt Apolda von dieser Arbeit wegnehmen. Es gelang ihm aber hier nicht, da ich eine große Unterstützung des Bauleiters Rost aus Oberndorf und von einem gewissen Herrn Scheibe von der obersten Bauleitung erhielt, welche sich für mich einsetzten. Später dann im Jahr 1941 wurden Dienstverpflichtungen nach den Buna-Werken in Schkopau vom Arbeitsamt ausgegeben, und da war ich auch dabei. Wir wurden dort auch auf Baustellen eingesetzt und mußten zusammen mit Kriegsgefangenen unter Bewachung arbeiten. 1944 bekam ich von Apolda einen Gestellungsbefehl zur Organisation Todt, es war aber nur eine Täuschung. Wir wurden von dem Apoldaer Bahnhof von dem damaligen Kriminaler Pietsch bis nach Weimar zum Marstall begleitet, dort versammelten sich auf dem Hof hunderte von Menschen aller Nationen. Jeder kleine Angestellte von dort, der den Hof überquerte, belästigte uns mit Schimpfworten, und manche stießen uns auch an, wir waren sozusagen Freiwild. Dann wurden wir unter Aufsicht der Gestapo nach Weißenfels zum Dreiwegelager (Zwangsarbeitslager), ehemaliges Krankenhaus, gebracht. Dort wurden wir die ersten Wochen vom Wachpersonal in OT-Uniform bewacht, diese unterstanden aber auch schon der Gestapo wie wir auch, später war es SS-Bewachung. Von diesem Dreiwegelager wurden wir dann täglich mit Lkw ins freie Feld zwischen Bad Dürrenberg und Leipzig gefahren, um dort Flakstellungen und Luftschutzbunker auszuheben. Selbst durften wir dann bei einem Luftangriff der Amerikaner diese Bunker nicht betreten. Wir und sämtliche Kriegsgefangenen durften nur die offenen Splittergräben benutzen. Monate später flüchtete ich bei einem Bombenangriff und begab mich nach Rehehausen bei Bad Sulza, dort versteckte mich eine Frau Trapiel. Beim Einmarsch der Amerikaner in Apolda war ich befreit und traf auch mit ein. Am 1. Juli 1945 trat ich der Volkspolizei bei, um am Wiederaufbau einer neuen Zeit mitzuhelfen. 1946 besuchte ich die Polizeischule in Erfurt. Somit konnte ich dann meinen Dienst noch besser im Interesse aller Werktätigen durchführen. Leider wurde ich am 31.12.1950 von der Volkspolizei entpflichtet, bekam auch ein gutes Zeugnis ausgestellt, das aber nicht ganz den Tatsachen entsprach, und zwar der Satz  'auf eigenen Wunsch"'. Seit 08.01.1951 bis in die sechziger Jahre war ich bei dem VEB ASW in Apolda als Betriebsschutz tätig. Da ich keine Schicht mehr machen wollte, ging ich von da aus zum Rat der Stadt Abteilung Kultur als Sachbearbeiter. Da ich mich finanziell verbessern wollte, begann ich beim Kreiskirchenamt in Jena als Steuereinnehmer am 12.10.1964 bis zum 31. Dezember 1981. Noch kurz von meinem Vater möchte ich berichten, daß er 1938 nach Buchenwald abgeholt worden ist und nach einem Jahr durch eine Reklamation von der damaligen Firma Günther in der Bahnhofstraße in der Schneiderwerkstatt benötigt wurde, um Drillichanzüge zu arbeiten. Mein Vater bekam keine Lebensmittelkarten, mußte von seiner Frau mit verpflegt werden. Im Jahr 1944 wurde er wieder von der Gestapo abgeholt und nach Auschwitz verschleppt und umgebracht. Keine Rücksicht nahm man auf meine Mutter, welche schon seit 1943 völlig blind war.“
Heinz beteiligte sich als ehemalig jüdisch Verfolgter und Überlebender von Zwangsarbeit an den Forschungen der Arbeitsgruppe „Jüdisches Leben“ im Kulturbund von Apolda von 1987 bis 1992. Als eines von drei Kindern des 1944 in Auschwitz ermordeten Schneiders Salomon Ginsburg, der mit einer nichtjüdischen Frau verheiratet war, erzählte er uns aus dem Leben seiner Familie und übergab uns Familienfotos.
Heinz Ginsburg erlernte den Fleischerberuf und wurde 1944 zur Zwangsarbeit bei der Organisation Todt einberufen, wo er beim Bunkerbau im Dreiwegelager von Buna arbeiten musste. Beim Herannahen der US-amerikanischen Befreier Thüringens setzten sich die Bewacher ab, so dass auch einige der Zwangsarbeiter aus Apolda sich in ihre Heimat durchschlagen konnten. Ginsburg versteckte sich zunächst in Rehehausen, bis die Kunde von der gewaltlosen Einnahme Apoldas zu ihm kam. Noch 1945 wurde er Angehöriger der Deutschen Volkspolizei und trat der VVN-Ortsgruppe Apolda bei. Später orientierte er sich neu und war einige Jahre Kirchensteuer-Einnehmer der Evangelischen Kirche.
Als die Arbeitsgruppe Jüdisches Leben bereits über zahlreiche Informationen über die Judenheit Apoldas zusammengetragen hatte, wurde am 29. Juni 1988 beim 100. Geburtstag des jüdischen Fellhändlers Bernhard Prager an dessen Handelshaus in der Bernhard-Prager-Gasse eine Gedenktafel angebracht. Mindestens 100 Personen nahmen in der unteren Dr.-Otto- Nuschke-Straße an einem Öffentlichen Gedenken teil, das von der Arbeitsgruppe Christliche Kreise der Nationalen Front, der SED-Kreisleitung und den Kirchengemeinden Kapellendorf und Apolda organisiert worden war.
Als seine Frau gestorben war, zog er zu seiner Lebensgefährtin nach Wickerstedt. Bis ins hohe Alter war er der Kopf einer Wandergruppe, die in Apolda und Umgebung unterwegs war. Während der Bauphase der Sanierung des Prager-Hauses lernten wir den Busfahrer Detlef Petzoldt-Amende kennen, der mit seinem Bus durch die Gasse fuhr.
Er hielt mit seinem Bus direkt am Prager-Haus und interessierte sich für das Baugeschehen. Nachdem ich ihm erklärte, was wir vor hatten und warum, bemerkte er, bei der Wohnungsauflösung nach dem Tode der Lebensgefährtin von Heinz Ginsburg sei er auf einen Packen Briefe gestoßen, die Heinz wohl von seinem Vater bekommen habe. Auch ein kleines Büchlein in hebräischer Schrift sei dabei gewesen. Wir vereinbarten, dass er bei seiner nächsten Fahrt an einem bestimmten Tag wieder am Prager-Haus hält und mir die Briefe und das Büchlein übergibt. Ich versprach ihm, dass ich mich um die Übersetzung kümmern würde und ihn danach informiere, worum es sich dabei handele.
Es handelt sich um Briefe aus dem weißrussischen Korma, die die daheimgebliebenen Angehörigen 1931 an ihren nach Apolda emigrierten Salomon Ginsburg geschrieben hatten. 

Willy Glaser (1894–1963)

Willy Glaser, der mit seinem Bruder Arthur Glaser in den Apoldaer Adressbüchern von 1921 und 1923 als in Apolda wohnhaft verzeichnet war, betrieb seine Wollwarenfabrik in der Feodorastraße 24/26 bis 1933 weiter, wurde allerdings 1933 im Einwohnerbuch Apolda bereits als mit seinem Bruder in Berlin wohnhaft gemeldet, was vielleicht auf eine Emigrationsabsicht hindeuten könnte. Er wanderte mit seinem Bruder Willi aus. Beide wohnten in New York.
Im April des Jahres 1924 lieferte sich Willy Glaser mit dem NSDAP-Ortsgruppenleiter Rudolf Melzer ein Zeitungsduell über Judentum und Antisemitismus. Dieses mehrfach im Wechsel vorgetragene Streitgespräch macht deutlich, dass gebildete und geschichtsbewusste jüdische Deutsche sich dem Antisemitismus der Nazis nicht willenlos ausgeliefert haben. Die frühzeitige Emigration der Brüder Willy und Arthur nach England bzw. die USA schon im Jahre 1934 zeigt, dass ihnen die Gefahr bewusst war, in denen deutsche Juden schwebten.

Kurt Götze (1902–1975)

Kurt Götze wurde 1902 von Bertha Götze zur Welt gebracht. Sein Vater war Vater der jüdische Viehhändler (Louis oder Berthold) Fleischmann. Seine Mutter eröffnete 1924 eine Damenschneiderei, in der Kurt in dieser Zeit ebenfalls als Firmeninhaber in Erscheinung trat. Um 1930 wurde das Geschäft in die Sandgasse verlegt. In der Pogromnacht 1938 wurden auch dort die Schaufensterscheiben zerschlagen, „denn die 'Arierin' Berta hatte sich ja mit einem Juden eingelassen“. 1942 musste Kurt, weil er nach NS-Rassenlehre ein „Halbjude“ war, in ein Arbeitslager nach Buna. Er konnte 1945 von der Zwangarbeit nach Hause zurückkehren.

Familie Gutwilen

Abrahams Vater war Jocek Icek Gutwilen (geb. 1866 in Ilza/Rußland)), in zweiter Ehe verheiratet mit Ghizhjab Gizele (1862 geb. Serelks/Rußland). Abraham Gutwilen wurde 1894 mit seinem Zwillingsbruder in Smilow bei Kalisz geboren. Mirla (geb. 1893) war Abrahams Schwester. Abraham heiratete Renata (1889 in Zdunska Wola bei Kalisz geb. Pick). Abraham war selbständiger Textilkaufmann und Rena war Kunststopferin. Sie besaßen ein Ladengeschäft in der Zschochernstraße. Das Ehepaar Gutwilen, kam um 1920 auf der Flucht vor den Pogromen des polnisch-bolschewistischen Krieges nach Gera. Hier bekamen sie die Kinder Leo (geb.1921), Henriette (geb. 1922), und die Zwillinge Hermann und Helene (geb.1931). Leo und Henriette konnten 1937 mit der Jugend- Alijah nach Palästina fliehen. Zuvor lernten sie auf Gut Groß-Breesen (bei Trebnitz, Schlesien) Landwirtschaft. Henriette hieß verheiratet Gal. Die Tochter von Leo heißt Hagar Rubin. Vater, Mutter und die Zwillingskinder wurden am 28.10.1938 über die Grenze nach Bentschen (Zbaszyn, Polen) ausgebürgert. Nach dem zwangsweisen Aufenthalt im Ghetto Litzmannstadt wurde die Familie am 25.03.1942 nach Kulmhof zur Ermordung deportiert. Wahrscheinliche Todesursache ist vorsätzliche Kohlenmonoxyd-Vergiftung im Gaswagen am selben Tag. Abraham starb mit 47 Jahren, Renata wurde 53 und die Zwillinge nur 11 Jahre alt. Mirla starb am 16.01.1941 im Ghetto Litzmannstadt, 49 Jahre alt. Abrahams Stiefmutter Gizele verheiratete sich in zweiter Ehe mit Viktor Weisdorf. Daraus gingen Familien hervor, die heute in Chicago (USA) leben.

Familie Gassenheimer

Samuel und Charlotte Gassenheimer zogen Mitte der 1860er Jahre von Bibra nach Themar, als die Niederlassungsregeln für Juden und Jüdinnen gelockert wurden. Eine Bürgerliste aus dem Jahr 1875 führt Samuel Gassenheimer als Eisenhändler auf, wohnhaft am Schuhmarkt 70, nahe am Marktplatz. Der älteste Sohn Bernhardt, geboren 1865, emigrierte als junger Mann von 15 Jahren in die USA. Die Familie Gassenheimer wuchs weiter im Themar. Samuel Gassenheimer baute seinen Eisenwarenhandel in ein Unternehmen aus, das mit Landmaschinen handelte. 1892 erzielte das Unternehmen solche Erfolge, dass die Familie Gassenheime nach Hildburghausen zog, um dort eine Landmaschinen-Fabrik aufzubauen. In den späten 1880er Jahren kam es zu einer Serie schneller Veränderungen im Haushalt Gassenheimer. Emma Gassenheimer heiratete Simon Marcus und die beiden zogen in seine Heimatstadt Dessau. Im Februar 1888 starb Charlotte Gassenheimer im Alter von 48. Minna, damals 16 Jahre alt, musste sich um die zurückgebliebenen jüngeren Geschwister kümmern und erhielt Hilfe von Mitgliedern der Gemeinde, jüdischen und nichtjüdischen Mitgliedern. Im Mai 1891 heiratete Samuel Gassenheimer erneut die 33 jährige Betty Frankson aus Marisfeld. Ein Jahr später darauf starb Samuel Gassenheimer schon und liess Betty mit fünf kleinen Kindern zurück, Georg, Elise, Josef, Rudolf und Siegmund. Nach dem Tod seines Vaters wurde Julius Gassenheimer dessen Nachfolger in dem Unternehmen in Themar. Mitte der 1890er Jahre heiratete Julius Johanna Joseph als Michelstadt in Hessen. Die junge Familie lebte weiterhin in Themar, wo auch ihre Tochter Lucie geboren wurde. Bernhard, der nach Amerika migriert war, besuchte Themar mit Frau und einem Sohn. Julius Gassenheimers Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, markierte einen Wandel in der sozio-ökonomischen Lage der Juden und Jüdinnen in Deutschland durch die rechtliche Gleichstellung als Bürger. Alle Kinder von Samuel und Charlotte Gassenheimer bis auf Bernhard Gassenheimer entschieden sich dazu, in Deutschland zu bleiben und Filialen des Familienbetriebs in anderen deutschen Städten zu etablieren. Julius zog mit seiner Familie 1900 nach Nürnberg, wo er eine Herd- und Ofenfabrik gründete, die auch Landwirtschaftliche Maschinen produzierte. Ernst Gassenheimer blieb in Themar und übernahm die Leitung des Unternehmens. Er heiratete Rosa Rosenbacher aus Ebelsbach, Bayern und gründete mit ihr eine Familie. Der Betrieb E. Gassenheimer & Co. wurde eine der erfolgreichsten Unternehmen in Themar und die Gassenheimers beteiligten sich an sozialen und politischen Aktivitäten in der Gemeinde. Die Familie lebte in einem prächtigen Haus an der Friedenstrasse 9 nahe des Bahnhofs. Auch Samuels Witwe, Betty Gassenheimer, lebte bei der Familie. Die anderen Geschwister verliessen Themar, als sie erwachsen waren. Josef heiratete Gertrud Cohn und zog zu ihr nach Plauen in Sachsen-Anhalt, um dort ein Unternehmen zu etablieren. Elise heiratete Max Ney und zog nach Halberstadt. Georg und Rudolf heirateten die Schwestern Schwab aus Berkach, die nach Themar zogen. Georg und Selma Schwab zogen nach Halle, wo ihre Tochter Ruth 1904 geboren wurde. Rudolf und Thekla zogen nacg Görlitz in Schlesien. Der jüngste Sohn Siegmund heiratete Amalie Levy aus Posen und zog mit ihr nach Dresden. Nach einer Weile siedelten sich mehrere Mitglieder der Familie Gassenheimer in Halle an: Minna zog mit ihrem Mann Nathan Frankenberg und ihren zwei Söhnen Siegfried und Walter sowie Emma und ihr Mann, Simon Walter mit ihren drei Söhnen Paul, Siegfried und Erich. Elise zog nach der Trennung von ihrem Mann mit ihrem Sohn Hans ebenfalls nach Halle. Georg und Selma Gassenheimer, die sich als erste in Halle ansiedelten, zogen 1925 nach Berlin. Der Holocaust überschattete das Leben der Kinder von Samuel und Charlotte Gassenheimer, die bei Hitlers Machtübernahme noch in Deutschland lebten. Josef starb bereits 1938 eines natürlichen Todes. Nur zwei der Söhne gelang es, Deutschland rechtzeitig zu verlassen, bevor die Deportationen 1941 begannen. Im Juni 1941 gelang es Julius und Johanna Gassenheimer verliessen Lissabon mit dem Schiff. Ihre Tochter Lucie Reis starb 1940 aus unbekannten Gründen. Siegmund, der jüngste Sohn und seine Frau Amelie flohen von Dresden nach London. Die anderen fünf Geschwister, Ernst, Elise, Georg, Minna und Rudolf wurden alle deportiert. Ernst wurde im Januar 1942 nach Riga deportiert, Josefs Witwe ins Ghetto Belzyce im Mai 1942. Die anderen wurden mit ihren Ehepartnern vorerst nach Theresienstadt deportiert. Nathan und Elise Frankenberg und Max Ney starben in Theresienstadt, während Georg und Selma sowie Rudolf und Thekla Gassenheimer nach Auschwitz deportiert und umgebracht wurden. Von den Gassenheimers überlebte einzig Minna überlebte die Shoa und kehrte nach Halle zurück, wo sie 1961 starb.

Arthur Glaser (unbekannt)

Er wanderte mit seinem Bruder Willi aus. Er sofort in die USA, sein Bruder erst über England in die USA. Beide wohnten in New York.
Sie waren Fabrikanten und besaßen eine Firma in Apolda. Zwischen 1933 und 1939 wohnten beide in Weimar

Samuel Gronner (1885–1942)

Samuel Gronner leitete gemeinsam mit seiner Frau Helene (geb. 1887) und seinem Schwager Wilhelm Sandler das Kaufhaus in der Friedrich-Hofmann-Str. 7 (zur der Zeit: Moltkestraße) in Ilmenau. Das Kaufhaus stand ganz im Zeichen der Moderne. Vom Architekten Willy Illgen (Ilmenau) entworfen, wurde es zur damaligen Zeit Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. Das Erdgeschoss wurde komplett verglast und zwischen den einzelnen Etagen verlief ein auskragenden Fensterband, dass die Fassade aufgliederte. Sanders Kaufhaus war, neben seiner modernen Architektur, bekannt für seine edle Auswahl an Herren- und Knabenbekleidung und zog zusammen mit den anderen großen Kaufhäusern der Ilmenau Käuferkreise an, die weit über Thüringen hinaus reichten. Heute gehört das ehemalige Kaufhaus zum Kulturdenkmal Ilmenaus. Er setzte sich zudem ab 1923 für die Entstehung einer Ortsgruppe des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (C.V.) ein und war der 2. Gemeindevorsteher. Gronner war auch von den zunehmenden Repressalien gegen über der jüdischen Bevölkerung während der Nazi-Zeit nicht ausgenommen. 1938 und 1941/42 wurde er mehrere Monate in Buchenwald inhaftiert. 1938 war er gezwungen das Kaufhaus im Zuge der „Arisierung“ jüdischer Geschäfte unter Wert zu verkaufen. Am 09.05.1942 wurden er und seine Frau nach Belzyce deportiert und vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Ihre beiden Söhne überlebten den Terror der Nazis. Ihr älterer Sohn Rudi emigrierte schon 1933 nach Frankreich, wo er zunächst eine Berufsausbildung und später ein Jura-Studium absolvierte. Der jüngere Sohn Joachim (John) emigrierte 1938 nach Palästina. Nachkommen der Familie leben mittlerweile in den USA.