Hinweis: Um die korrekte Darstellung der Seite zu erhalten, müssen Sie beim Drucken die Hintergrundgrafiken erlauben.

Personen/Institutionen:

Orte:

  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
Gefundene Objekte: 147

G

Willy Glaser (1894–1963)

Willy Glaser, der mit seinem Bruder Arthur Glaser in den Apoldaer Adressbüchern von 1921 und 1923 als in Apolda wohnhaft verzeichnet war, betrieb seine Wollwarenfabrik in der Feodorastraße 24/26 bis 1933 weiter, wurde allerdings 1933 im Einwohnerbuch Apolda bereits als mit seinem Bruder in Berlin wohnhaft gemeldet, was vielleicht auf eine Emigrationsabsicht hindeuten könnte. Er wanderte mit seinem Bruder Willi aus. Beide wohnten in New York.
Im April des Jahres 1924 lieferte sich Willy Glaser mit dem NSDAP-Ortsgruppenleiter Rudolf Melzer ein Zeitungsduell über Judentum und Antisemitismus. Dieses mehrfach im Wechsel vorgetragene Streitgespräch macht deutlich, dass gebildete und geschichtsbewusste jüdische Deutsche sich dem Antisemitismus der Nazis nicht willenlos ausgeliefert haben. Die frühzeitige Emigration der Brüder Willy und Arthur nach England bzw. die USA schon im Jahre 1934 zeigt, dass ihnen die Gefahr bewusst war, in denen deutsche Juden schwebten.

Kurt Götze (1902–1975)

Kurt Götze wurde 1902 von Bertha Götze zur Welt gebracht. Sein Vater war Vater der jüdische Viehhändler (Louis oder Berthold) Fleischmann. Seine Mutter eröffnete 1924 eine Damenschneiderei, in der Kurt in dieser Zeit ebenfalls als Firmeninhaber in Erscheinung trat. Um 1930 wurde das Geschäft in die Sandgasse verlegt. In der Pogromnacht 1938 wurden auch dort die Schaufensterscheiben zerschlagen, „denn die 'Arierin' Berta hatte sich ja mit einem Juden eingelassen“. 1942 musste Kurt, weil er nach NS-Rassenlehre ein „Halbjude“ war, in ein Arbeitslager nach Buna. Er konnte 1945 von der Zwangarbeit nach Hause zurückkehren.

Samuel Gronner (1885–1942)

Samuel Gronner leitete gemeinsam mit seiner Frau Helene (geb. 1887) und seinem Schwager Wilhelm Sandler das Kaufhaus in der Friedrich-Hofmann-Str. 7 (zur der Zeit: Moltkestraße) in Ilmenau. Das Kaufhaus stand ganz im Zeichen der Moderne. Vom Architekten Willy Illgen (Ilmenau) entworfen, wurde es zur damaligen Zeit Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. Das Erdgeschoss wurde komplett verglast und zwischen den einzelnen Etagen verlief ein auskragenden Fensterband, dass die Fassade aufgliederte. Sanders Kaufhaus war, neben seiner modernen Architektur, bekannt für seine edle Auswahl an Herren- und Knabenbekleidung und zog zusammen mit den anderen großen Kaufhäusern der Ilmenau Käuferkreise an, die weit über Thüringen hinaus reichten. Heute gehört das ehemalige Kaufhaus zum Kulturdenkmal Ilmenaus. Er setzte sich zudem ab 1923 für die Entstehung einer Ortsgruppe des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ (C.V.) ein und war der 2. Gemeindevorsteher. Gronner war auch von den zunehmenden Repressalien gegen über der jüdischen Bevölkerung während der Nazi-Zeit nicht ausgenommen. 1938 und 1941/42 wurde er mehrere Monate in Buchenwald inhaftiert. 1938 war er gezwungen das Kaufhaus im Zuge der „Arisierung“ jüdischer Geschäfte unter Wert zu verkaufen. Am 09.05.1942 wurden er und seine Frau nach Belzyce deportiert und vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Ihre beiden Söhne überlebten den Terror der Nazis. Ihr älterer Sohn Rudi emigrierte schon 1933 nach Frankreich, wo er zunächst eine Berufsausbildung und später ein Jura-Studium absolvierte. Der jüngere Sohn Joachim (John) emigrierte 1938 nach Palästina. Nachkommen der Familie leben mittlerweile in den USA.

H

Alfred Heß (1879–1931)

Alfred Heß wurde am 10. Mai 1879 in Erfurt geboren und während der Weimarer Republik prägend für das kulturelle Leben in Erfurt. Alfred Heß war Mitbesitzer der Firma „M. L. Heß-Schuhfabrik“ AG, die ihm ein beträchtliches Vermögen erbrachte und es ihm erlaubte, eine grosse Sammlung zeitgenössischer Kunst zu erwerben. Er war einer der ersten Sammler expressionistischer Kunst und unterstützte das Erfurter Museum finanziell und mit seinem aussergewöhnlichen Kunstverständnis. Dem Städtischen Museum, heute Angermuseum, vermachte er testamentarisch seine eigene Sammlung - ca. 80 Gemälde, 200 Aquarelle und 4000 Blatt Graphik. Seine Privatsammlung und die Sammlung der „zeitgenössischen Abteilung“ des Museums waren aufeinander abgestimmt. Jährlich stiftete Alfred Heß dem Museum eine gewisse Anzahl an Kunstwerken, und finanzierte die Ausmalung eines Raumes des Museums durch Erich Heckels „Lebensstufen“. Im Haus der Familie Heß gingen berühmte Künstler:innen und Intellektuelle ein und aus, so etwa Lyonel Feininger, Otto Dix, Martin Buber, Walter Hasenclever, Erich Heckel, Paul Hindemith, Else Lasker-Schüler, Paul Klee, Franz Marc, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und Christian Rohlfs. Daneben wirkte Alfred Heß in vielen Vereinen der Stadt Erfurt, etwa im Erfurter Kunstverein, im Erfurter Geschichtsverein, im Vorstand des Sport-Club Erfurt e.V. und er war Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), welche er im Stadtparlament als Stadtverordneter von 1919–1924 vertrat. 
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Alfred Heß nicht mehr miterleben. Er starb an Heiligabend 1931 in einem Jenaer Krankenhaus bei einem operativen Eingriff im Alter von 52 Jahren, sein Grab befindet sich auf dem Erfurter jüdischen Friedhof. Seine Familie reagierte rechtzeitig und migrierte mitsamt den Sammlungen 1933 nach England.

Ehepaar Halpert

Georg Halpert (geb.1891 in Gera) war der einzige Sohn von Dagobert Halpert und Anna geb. Edelstein (1867-1946). Georg wurde 1920 Mitinhaber der Firma Halpert & Co. Die 1883 in Gera gegründete Teppich- und Möbelstoffweberei hatte 1938 bereits eine 55-jährige Firmengeschichte. Die Firma war bekannt für ihr soziales Engagement. 107 Jahre, bis 1990, wurde an diesem Standort produziert. Heute ist das historische Produktionsgebäude das Parkhaus der Gera-Arkaden. Georg hatte bereits von 1910–1920 in Buenos Aires gelebt. Er besaß die argentinische Staatsbürgerschaft. Er heiratete im Frühjahr 1938 Dorothea, eine 1908 in Chemnitz geb. Goeritz. Dorothea hatte in Berlin Ökonomie studiert. Ende 1938 war Georg nicht mehr in der Lage, seine zahlreichen jüdischen Angestellten, seine Familie und sich selbst zu schützen. Am 09.01.1939 wurde die Firma arisiert und 1945 enteignet. Das Ehepaar verließ Gera nach Berlin und flüchtete 1939 über England und New York nach Buenos Aires. Später lebten sie in Beverly Hills (USA) bis 1984 (Georg, 93) und 1993 (Dorothea, 84). Durch die Nennung des Namens Halpert auf dem Stolperstein wird indirekt auch das Werk der Gründer und Namensgeber der Firma, nämlich Georgs Vater Dagobert (1856–1934) und dessen Bruder Eugen (1864–1930) gewürdigt. Sie haben als Geldgeber eine bedeutende Rolle in der jüdischen Gemeinde Gera gespielt. Dagobert war im Vorstand der Israelitischen Gemeinde und besaß u.a. die Immobilie Jüdische Schule 1919. wird er als bürgerliches Mitglied im Stadtrat Gera genannt.

Familie Hofmann

Die Familie von Samuel und Blümche Hofmann gehörte ebenfalls zu den ersten Familien der jüdischen Gemeinde in Themar. Wie auch die Familie Bär, Frankenberg, Müllers und Walthers, zog die Familie Hofmann von dem Dorf Marisfeld Mitte der 1860er Jahre nach Themar, wo sich ökonomisch mehr Möglichkeiten boten. Allerdings blieb die Familie Hofmann nicht lange in Themar, nach 20 Jahren war kein Mitglied der Familie mehr in Themar wohnhaft. Das meiste ist über Lippmann Hofmann bekannt, geboren 1826. Er heiratete Friederike, genannt Riecke Sachs aus Berkach 1856, beide lebten ursprünglich in Marisfeld. Nach der Geburt ihrer Tochter Frieda 1865 zog die Familie nach Themar, in einer Zeit, als mehrere Familien aus dem Dorf in die Kleinstadt zogen. Riecke gebar noch 5 weiter Kinder. 1875 lebte die Familie Lippmann Hofmann in der Traubengasse 117, 12 Menschen wohnten laut Einwohnerliste an dieser Adresse, Lippmann, Riecke, ihre Kinder und Lippmanns Eltern, Samuel und Blümche. Samuel Hofmann starb 1878, seine Frau Blümche vier Jahre später. Lippman war als Handelsmann tätig. Im November 1883 zog die Familie Hofmann mit einigen ihrer Kindern nach Jena, wo sie am Löbdergraben 14 wohnten. Lippmann starb 1904 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt. Moritz Hofmann, der zuerst bei seinen Eltern wohnte, bezog seine eigene Wohnung am Löbdegraben 34 mit seiner Frau Jetty, geborene Moses. Moritz war ein Viehhändler und arbeitete mit seinem Schwager Abraham Frankenberg, Ehemann von Regine Hofmann, die am Löbdegraben 14 wohnten. Salomon Hofmann, Moritz jüngerer Bruder und seine Frau Frieda, geborene Plaut, lebten ebenfalls in Jena, am Löbdegraben 34 und führten einen Immobilienhandel und ein Tabakwarengeschäft in der Lutherstrasse 9. Von Mai bis September 1942 war Salomon Hofmann die Kontaktperson zwischen den Nazi Authoritäten und der Jüdischen Gemeinde in Jena. Am 20. September 1942 wurden Salomon und Frieda Hofmann von Jena nach Theresienstadt deportiert, von wo aus sie zwei Jahre später nach Auschwitz deportiert und umgebracht wurden. 2008 wurden in der Lutherstrasse Stolpersteine für Salomon und Frieda Hofmann verlegt.

Moritz Hofmann (1861–1917)

Die Geschäftspartner Abraham Frankenberg und Moritz Hofmann stammten beide aus jüdischen Familien in Marisfeld (Südthüringen). Hier wurde Abraham Frankenberg am 14. Januar 1854 als Sohn des Viehhändlers Jonas Frankenberg und dessen Frau Karoline Frankenberg, geb. Rosenbaum, geboren. Der Pferde- und Viehhändler Abraham Frankenberg kam bereits 1882 nach Jena. Seine Ehefrau Regine Frankenberg war die am 14. Juni 1862 in Themar geborene Schwester von Moritz Hofmann, der am 19. Januar 1861 in Marisfeld geboren wurde. Beider Eltern waren der Viehhändler Lippmann Hofmann (1826–1904) und seine Frau Friederike, geb. Sachs (1831–1917). Lippmann Hofmann, seine Frau und ihre jüngeren Kinder, darunter auch Salomon Hofmann, folgten 1884 den vorausgegangenen älteren Kindern Simon und Regine nach Jena. Abraham Frankenberg gehörte nach der Aufhebung der rechtlichen Beschränkungen zu den ersten in Jena fest ansässigen Juden, die hier ein Gewerbe betrieben. Im Verzeichnis der nach dem Handelsregister in der Stadt Jena bestehenden Firmen war die Firma Frankenberg & Hofmann 1882 die dritte eingetragene jüdische Firma nach dem Bankhaus Elkan (1857) und dem Kaufmann Leopold Hammerstein (1881). Erste Inhaber der zunächst in der Grietgasse ansässigen Viehhandlung waren Abraham Frankenberg und Simon Hofmann, der 1859 geborene ältere Bruder von Moritz Hofmann. Moritz Hofmann begann als Gehilfe in der Viehhandlung, deren Leitung er 1893 nach Ausscheiden seines Bruders Simon mit Abraham Frankenberg übernahm. Anhand der veranschlagten Bei- träge zur Besoldung des Landesrabbiners, die im Maßstab der Steuerzahlungen erhoben wurden, florierte das Geschäft Frankenberg & Hofmann, auch wenn es im Juli 1897 zu einem wirtschaftlichen Schaden infolge eines im Pferde- stall ausgebrochenen Brandes kam. Regelmäßig zählte Frankenberg & Hofmann zu den höchsten Beitragszahlern in Jena. Die bescheidene Anzahl der seit Beginn 1880er Jahre in Jena wohnhaften Juden hatte sich innerhalb von zehn Jahren soweit erhöht, dass die Gründung einer eigenen Gemeinde für möglich und notwendig erachtet wurde. Zu den elf Gründern der Israelitischen Religionsgemeinde im September 1896 gehörten Abraham Frankenberg sowie Moritz und Lippmann Hofmann. Insbesondere Abraham Frankenberg spielte eine aktive Rolle. Er stand im Briefwechsel mit dem Landesrabbiner und wurde als Repräsentant der Gemeinde anerkannt, wie Hermann Friedmann (Familien Friedmann) 1904 in einem Brief an den Landesrabbiner Dr. Wiesen feststellte. Im Oktober 1896 beklagte sich Frankenberg beim Rabbiner, dass zahlreiche der in Jena wohnhaften vermögenden Israeliten nicht zu bewegen gewesen waren, der neu gegründeten Gemeinschaft beizutreten. Besonderes Augenmerk legte er auf die Einstellung eines Religionslehrers. In einem Schreiben vom 19. September 1904 beurteilte er den Bewerber Samuel Heilmann »als Vorbeter in tadelloser Verfassung«. Den Religionsunterricht durch den noch 1904 angestellten Lehrer besuchten die Geschwister Frieda Hofmann (geb. 1893) und Erich Hofmann (geb. 1894), Kinder von Moritz Hofmann und seiner Frau Jetty (Jettchen), geb. Moses. Rosa, Bertha und Alfred Frankenberg, die Kinder von Abraham Frankenberg, waren bereits 1883, 1885 und 1889 in Jena geboren worden und hatten noch Religionsunterricht durch auswärtige Lehrer erhalten. Einen wichtigen Schritt zur Integration in die Stadtgemeinde vollzogen Abraham Frankenberg und Moritz Hofmann 1902 mit dem Erwerb des Bürgerrechts der Stadt und der damit verbundenen Berechtigung zur Wahl des Gemeindevorstandes. Möglicherweise aus wirtschaftlichen Erwägungen, sicher aber auch aus Alters- bzw. Krankheitsgründen beschlossen die Inhaber in den Jahren des Weltkrieges die Auflösung ihrer Viehhandlung. Das gemeinsame Haus am Löbdergraben, seit 1891 Sitz der Viehhandlung und Wohnstätte der Familien von Abraham Frankenberg, Moritz und Lippmann Hofmann, wurde 1916 an die Stadtgemeinde Jena verkauft, die das Gebäude für die Unterbringung städtischer Ämter – zunächst für das im Krieg dringend benötigte Lebensmittelamt – nutzte. Endgültig zum 1. April 1917 wurde das Geschäft Frankenberg & Hofmann geschlossen, das Gewerbe im Juni 1917 offiziell abgemeldet. Moritz Hofmann starb kurz danach am 30. Juni 1917 in Bad Nauheim. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Erfurt (Übersicht 6). Abraham Frankenberg war bereits am 1. April 1917 mit seiner Frau nach Münster verzogen, wo seine beiden Töchter mit ihren Familien lebten. Rosa Frankenberg war hier seit 1906 mit dem Kaufmann Hugo Hertz verheiratet, ihre Schwester Bertha seit 1908 mit dessen Bruder, dem Pferdehändler Sally Hertz aus Coesfeld. Abraham Frankenberg starb am 14. Dezember 1925 in Münster, seine Frau Regine am 11. Januar 1933. Die Grabstätte der Familie befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Münster. Die Tochter Bertha Hertz starb 1928 in Münster, ihre Schwester Rosa konnte emigrieren und verstarb 1952 in den USA. Die Witwe von Moritz Hofmann, Jetty Hofmann, blieb noch bis 1921 in Jena und lebte dann bis zu ihrem Tod 1932 ebenfalls in Münster. Ihr jüngster Sohn Walter, am 14. September 1901 in Jena geboren und 1935 in Münster verheiratet, wurde Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung. 1941 von Münster aus in das Ghetto Riga deportiert, wurde er 1944 im Konzentrationslager Riga-Kaiserswald ermordet.
Wohnungen in Jena:
Moritz Hofmann: 1886 Neugasse 496; 1889 Neugasse 9; 1891 Löbdergraben 14 (durch Umnummerierung seit 1905 = Nr. 23, seit 1907 = Nr. 34)

Siegmund Heinemann (1867–1953)

Siegmund Heinemann wurde am 24. Dezember 1867 in Schmalkalden als Sohn eines jüdischen Schneidermeisters geboren. Von 1873 bis 1881 besuchte er die Volksschule und verließ diese mit dem Abschluss der 8. Klasse. Er erlernte gleich seinem Vater das Schneiderhandwerk und zog nach Beendigung der Lehre nach Eisenach, wo er 1895 Emilie Weymer (1870–1940) heiratete. 1900 siedelte die Familie nach Wenigenjena über. Hier lebte bereits seine verheiratete Schwester Amalie Bartholomes. Zunächst als Arbeiter tätig, wird er in seinem erlernten Beruf als Schneidermeister erstmals 1919 im Adressbuch der Stadt geführt. In die Mühlen der nationalsozialistischen Justiz geriet der über 70-jährige Heinemann im November 1939, weil er in einer Eingabe an eine Behörde den zweiten Vornamen „Israel“ weggelassen hatte, den er seit Anfang 1939 wie alle männlichen deutschen Juden führen musste, die keinen eindeutig als jüdisch erkennbaren Vornamen trugen. Das „Vergehen“ hatte im April 1940 eine zweimonatige Gefängnisstrafe zur Folge. Nach dem Tod seiner nichtjüdischen Ehefrau im gleichen Jahr wurde Siegmund Heinemann aus seiner Wohnung in der Kronfeldstraße 2a ausgewiesen und bei der Familie Meyerstein in der Schützenstraße untergebracht. Wegen des Zwangsverkaufs des Meyersteinschen Hauses musste er auch diese Wohnung für »Arier« räumen. Ende Juni 1941 suchte Heinemann deshalb ein möbliertes Zimmer. Als er eine Vermieterin gefunden hatte, füllte er das Meldeformular aus, setzte den zweiten Vornamen allerdings erst ein, nachdem die Vermieterin das Formular unterschrieben hatte. Das blieb nicht verborgen und so erhielt er als „Wiederholungstäter“ erneut eine Gefängnisstrafe, diesmal von fünf Monaten. Seine Haftzeit verbüßte er in der Strafanstalt Eisenach. Von Eisenach aus wurde er am 11. Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert. Er überlebte das Lager und konnte im Sommer 1945 nach Jena zurückkehren, wo er bei seinem Sohn Alfred Unterkunft fand. Für seine Anerkennung als Opfer des Faschismus bürgte Amalie Kühnhold, die 1944 mit demselben Transport von Erfurt nach Theresienstadt verschleppt worden war. Siegmund Heinemann starb am 14. April 1953 in Gotha.

Max Heilbrun (1886–1946)

Max Heilbrun wurde 1886 in Immenrode geboren. Er verließ das Dorf um nach Nordhausen zu ziehen. Dort gründete er gemeinsam mit seinem Cousin Norbert Heilbrun das Unternehmen „Gebrüder Heilbrun“. Im Jahr 1924 heiratete er die 19 Jahre jüngere Karoline Schwabe, genannt Lola. Am 7. November 1924 wurde die gemeinsame Tochter Hannelore geboren. Im Jahre 1925 übernahm Max Heilbrun das Geschäft seiner Ehefrau, „Julius Schwabe“. Über zehn Jahre lang verbuchten die Gebrüder Heilbrun nur Erfolge und stetiges Wachstum, wodurch Max Heilbrun nach und nach ein Haus, Felder und Weiden in Immenrode und Niedertopfstedt erwerben konnte. 1937 sollte das letzte Jahr ihres Erfolges sein. Ihre Einnahmen halbierten sich bereits ein Jahr später, wodurch die Überlegung, das Unternehmen zu liquidieren, geäußert wurde. Aufgrund dieses Gedanken kamen sie unter Verdacht, das Land verlassen zu wollen und mussten neben der Judenvermögensabgabe auch die Reichsfluchtsteuer entrichten. Da Max Heilbrun aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht vor hatte zu emigrieren, widersetzte er sich der Zahlung. Am Morgen des 10. Novembers 1938 wurden er und sein Cousin Norbert nach Buchenwald gebracht und erst am 6. bzw. 8. Dezember freigelassen. Beide begannen daraufhin mit den Vorbereitungen das Land schnellstmöglich zu verlassen, den gesundheitlichen Einschränkungen Max Heilbruns zum Trotz. Nach dem Verkauf seines Unternehmens, um das nötige Kapital für seine bevorstehende Auswanderung aufzubringen, stellte Max Heilbrun einen Antrag für ein Führungszeugnis. Die Devisenstelle in Magdeburg sperrte daraufhin die Konten der Familie, wodurch sie keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung hatten. 1939 wurde er erneut festgenommen und nur unter der Bedingung freigelassen, dass er das Land innerhalb der nächsten drei Wochen, bis Ende März 1939, verlassen würde. Die Familie floh nach England und kehrte nie wieder nach Deutschland zurück. Max Heilbrun starb an einem Herzinfarkt in London am 13. August 1946. Im Jahre 1990 erhielt die Jewish Claims Conference eine Kompensation für die verlorenen Vermögenswerte des Unternehmens „Gebrüder Heilbrun“.

Alfred Heinemann (1896–1977)

Alfred Heinemann wurde am 13. Dezember 1896 in Eisenach als zweiter Sohn von insgesamt vier Kindern des Ehepaares Siegmund und Emilie Heinemann geboren und evangelisch getauft. Nach dem Umzug der Familie nach Wenigenjena besuchte er von 1903 bis 1911 die Ostschule. Es folgte eine Lehre als Dreher bei der Firma Schietrumpf, die er jedoch infolge des Kriegsausbruchs nicht beenden konnte, da der Betrieb vorübergehend geschlossen werden musste. Von 1915 bis 1918 zum Militär eingezogen, arbeitete er nach Kriegsende bis 1924 bei der Reichsbahn und schloss sich zunächst der USPD, dann der KPD an. 1927 wurde er bei der Firma Carl Zeiss als Linsenfasser fest eingestellt. Die  „Nürnberger Gesetze“ 1935 deklarierten ihn als „Mischling ersten Grades“ mit allen damit verbundenen Ausgrenzungen. Mit seiner Frau Marie Heinemann, geb. Sachse, bewohnte Alfred Heinemann ab April 1926 eine Dachgeschosswohnung in der Reichsanstalt für Erdbebenforschung am Fröbel- stieg. Marie Heinemann (1897–1980) war an der Reichsanstalt als Reinigungskraft und Hausmeisterin tätig. Zum 30. November 1939 erhielt das Ehepaar Heinemann auf Veranlassung des Kreisleiters der NSDAP, Paul Müller, die Kündigung der reichseigenen Wohnung, weil der „Haushaltsvorstand Alfred Heinemann nichtarischer Abstammung“ sei. Aus eben diesem Grund war auch Marie Heinemann, die dort bislang eine ordentliche und zuverlässige Arbeit geleistet hatte, ihre Stellung zum 16. Dezember 1939 gekündigt worden. Da das Ehepaar bis Sommer 1940 nicht ausgezogen war, und der Wohnraum für neue Hausleute dringend gebraucht wurde, legte die Direktion der Reichsanstalt, die bislang Rücksicht auf die bedrängte Lage des Ehepaares genommen hatte, beim Amtsgericht Jena Klage wegen Wohnungsräumung ein. In der Klageschrift hieß es: „Ebensowenig wie einer oberen, dem Reichswirtschaftsministerium unmittelbar unterstehenden Reichsbehörde  zugemutet werden kann, daß die Ehefrau eines Nichtariers dort eine Dienststellung einnimmt, ebensowenig kann auch eine Dienstwohnung des Reichs einer nichtarischen Familie länger überlassen bleiben“_ _(ThStA Rudolstadt, Bezirkstag und Rat des Bezirkes Gera 7884). Die Räumungsfrist wurde endgültig zum 31. Oktober 1940 verlängert, wohl aufgrund der akuten Wohnungsnot in Jena. Im Oktober 1944 sollte Alfred Heinemann in das Lager der Organisation Todt bei Halle-Weißenfels verbracht werden, was jedoch aus Krankheitsgründen unterblieb. Am 5. Januar 1945 erhielt er zum dritten Mal einen Haftbefehl: zusammen mit Heinrich Möhring, Ehemann von Fanny Möhring, musste er bis April 1945 im Reichsautobahnlager Wommen bei Eisenach Zwangsarbeit leisten. Nach dem Krieg war Alfred Heinemann wieder als Dreher tätig. Sein Antrag auf Anerkennung als Verfolgter des Naziregimes wurde aufgrund der „nur“ dreimonatigen Haftzeit jedoch abgelehnt. Am 11. Dezember 1977 starb Alfred Heinemann in Jena.

Albert Herz (1884–1916)

Albert Herz wurde am 10. November 1884 in Flamersheim/ Kreis Rheinbach (Preußen) als Sohn des Handelsmannes Eduard Herz und dessen Ehefrau Berta geboren. Als junger, unverheirateter Mann kam er 1911 nach Jena. Bereits im März 1912 konnte der Kaufmann sein eigenes Geschäft, eine Posamenten-, Weiß- und Wollwarenhandlung, am Holzmarkt 1 eröffnen. Albert Herz erwarb 1913 das Bürgerrecht der Stadt Jena und wohnte ab 1914 im Haus von  Familie Meyerstein in der Schützenstraße 52. Nach Ausbruch des Weltkrieges wurde Herz am 6. März 1915 zum Heer einberufen und kämpfte als Landsturmmann im Königlich-Preußischen Infanterie-Regiment 371. Nur ein Jahr später erlag er am 17. März 1916 bei Flirey seiner Verwundung durch einen Kopfschuss und wurde auf dem Soldatenfriedhof Bouillonville beerdigt. Sein Name fand Eingang in das amtliche Register der 1459 im Krieg gefallenen Jenaer. Dieses Verzeichnis wurde 1929 im Ehrenmal für die Weltkriegsgefallenen 1914–1918 auf dem Hainberg (heute Friedensberg) hinterlegt.

Walter Hoffmann (1881–1967)

Walter Hoffmann wurde am 10. März 1881 in Anklam als Sohn des Kaufmanns Gustav Hoffmann und dessen jüdischer Ehefrau Marie, geb. Davidsohn, geboren und evangelisch getauft. Nach dem Schulbesuch in Demmin absolvierte er eine Lehre als Goldschmied in Berlin und arbeitete dann in den Städten Kiel, Braunschweig, Dresden, Göttingen und München. 1910 heiratete er in Dresden die Weißnäherin Bertha Toska Michel. Das Ehepaar ließ sich in Jena nieder, wo die Kinder Alfred (1912–1945), Anne-Marie (1916–1929) und Inge (1920–1930) geboren wurden. Hier arbeitete Walter Hoffmann als Gehilfe bei dem Goldschmied Friedrich Gräfe in der Johannisstraße. Als Gräfe im Ersten Weltkrieg zum Ankauf von Gold für die Reichsbank eingesetzt war, hielt Walter Hoffmann den Geschäftsbetrieb auf- recht und konnte damit zunächst eine Verschiebung seiner Einberufung erreichen. 1916 wurde er zum Heer eingezogen und kämpfte als Soldat in Frankreich. Unversehrt aus dem Krieg zurück, gründete er 1919 seine eigene Goldschmiedewerkstatt, welche er über viele Jahre in der Jenergasse 16, ab 1936 in der Saalstraße 3 erfolgreich führte. Am 15. Oktober 1944 wurde er von der Gestapo als „jüdischer Mischling“ nach Weißenfels in das „Drei Wegelager“ der Organisation Todt gebracht. In seiner 1950 abgelegten eidesstattlichen Erklärung berichtete er dazu: „Hier wurden wir von der S. S. bewacht, das Verlassen des Lagers wurde nicht erlaubt. Wir mussten früh um 5 Uhr aufstehen und um 5 : 30 Uhr antreten, wurden dann von der S. S. zum Bahnhof gebracht um nach Leuna zu fahren, wo wir zum Bunkerbau eingesetzt wurden. Vom Lager Weißenfels kamen wir ca. 14 Tage vor Weihnachten in das viel schlechtere Lager nach  Halle und von da nach Wörmlitz ins Lager in einen dunklen und feuchten Keller. Nach und nach wurde das Lager ausgebaut. Die Arbeit blieb dieselbe, nachdem der Bunker in Leuna West fertig war, musste ich nach Merseburg auch zum Bunkerbau“. Als Zeugen für seine Angaben benannte er die ebenfalls in Halle-Weißenfels Inhaftierten Wilhelm Krause und  Paul Großherr. Mit Kriegsende kehrte Walter Hoffmann im April 1945 nach einem Fußmarsch von Halle nach Jena zurück, wo er bald sein Geschäft als Goldschmied wieder eröffnen konnte. Aufgrund seiner sechsmonatigen Haft im Arbeitslager und seiner nachgewiesenen »antifaschistischen Einstellung« durch Eintritt in die SPD im Februar 1946 erhielt er seine Anerkennung als Opfer des Faschismus. Walter Hoffmann verstarb am 6. November 1967 in Jena und wurde auf dem Nordfriedhof beigesetzt.

Gerhard Holzmann (1860–1937)

Der jüdische Kaufmann Gerhard Holzmann (geb. 11.09.1869 in Groß- Komorze/Polen) kam in den 1880er Jahren nach Thüringen, wo er am 8. Oktober 1888 in Oschersleben die jüdische Elly Plaut, die Tochter des Handelsmanns Menke Plaut und seiner Frau Johanna geborene Heilbrunn aus Nordhausen heiratete. Sie zogen nach Apolda und betrieben hier in der Bahnhofstraße ein „Manufaktur und Damen Garderobe Geschäft“. Zwei Kinder wurden ihnen geboren: Am 7. Februar 1890 kam ihr Sohn Erich Max zur Welt. Ihr zweites Kind war Tochter Erna, die am 9. September 1899 in Apolda geboren wurde. Das langjährig gut und erfolgreich geführte Textgeschäft wurde von den Nazis boykottiert. Am 23. März 1937 wurde das Geschäft als „erloschen“ gemeldet, denn Inhaber Gerhard starb am 10. Januar 1937. Seine Witwe Elly wohnte zuletzt in der Blücherstraße 8 und musste ebenso wie Tochter Erna den Zusatznamen Sara und den gelben Stern tragen. Am 7. Januar 1940 starb sie laut Sterbeurkunde an „Herzinsuffizienz“.

Erna Holzmann (1899–1942)

Erna wurde 1940 in das Judenhaus Bernhardstraße 14 eingewiesen. Doch als sie im Mai 1942 den Deportationsbeschied erhielt, ging sie in den Freitod, indem sie Kohlengase aus ihrem Herdfeuer einatmete. Vorher hatte sie einen Brief geschrieben an ihren "Papa Iwan", der in Wirklichkeit ein Großonkel von ihr war. In diesem Schreiben kündigte sie an, dass sie sich ihrer Deportation entziehen wolle:
„ Abschrift!
Apolda, den 2. Mai 1942. Lieber Papa Iwan! Vielen Dank für Deine lb. Zeilen. Nun ist es hier doch so weit, wir haben heute die Listen zum Ausfüllen bekommen, vielleicht ist es in 8 Tagen alles vorbei. Da ich nicht die Absicht habe, mitzugehen, möchte ich Dich bitten, Erich auf irgend eine Weise von meinem Ableben in Kenntnis zu setzen. Vor allem muß er wissen, daß er sich später mal an unseren Vetter Ewald halten soll, ich hatte Erich selbst früher schon mal Andeutungen darüber geschrieben. Wenn Du irgend etwas wissen willst, dann kannst Du Dich an meine besten Bekannten hier wenden, die zurück bleiben werden, weil er Schwerkriegsbeschädigter ist. Die Adresse lautet: Bernhard Prager, Apolda Sandgasse 8. Wenn es möglich ist, grüße alle nochmal von mir und sei selbst herzlichst gegrüßt von Deiner Erna. - beantwortet 04.05.1942.“

Erna wurde am 9. Mai 1942 eingeäschert, aber erst im Oktober 1942 in einem Sammelgrab auf dem Friedhof in Apolda beigesetzt._ _

J

Eva Jacobson (1934–2007)

„Gleich ihrem Bruder Frank besuchte sie jahrelang die Familie Heinecke, Verwandte ihrer Mutter in Apolda. Im September 1989 besuchte sie auch mich im Pfarrhaus von Kapellendorf, wo wir ein längeres Gespräch führten.
In der folgenden Zeit kam es zu einem Briefwechsel. Dabei sandte sie mir Material, Fotos und Dokumente zu ihrer Familie. Im Dezember 2007 bekam ich von einer Frau Ingrid Warren aus Joliet/Illinois einen Brief, in dem sie mir mitteilte, dass Anfang des Jahres ihre Mutter Eva plötzlich verstorben sei. Ihre Großmutter Gertrud hingegen lebe noch im Alter von 99 Jahren. Sie interessierte sich für das Buch „Jüdische Familien in Apolda“, das wir ihr schickten. Leider kam darauf nie eine Antwort.
Auch dieser Brief vom 28. Februar 2009 blieb ohne Antwort:
 
„To Mrs. Ingrid Warren
Dear Ms. Warren,
unfortunately I haven’t heard back from you after my letter from January 19, 2008. I’d like to ask you again if you are interested in visiting Apolda. Our association is planning to hold a reunion of descendants of persecuted people from Apolda around August 18, 2009. We would be happy to welcome you there.
Do you have an email address? It would make it a lot easier to stay in touch as with postal letters.
I would be happy if you could inform me about contact data of your uncle Frank Lichtenstein.
Yours sincerely
Peter Franz
www.prager-haus-apolda.de“
 
„An Frau Ingrid Warren
Sehr geehrte Frau Warren,
leider habe ich nach meinem Brief vom 19. Januar 2008 nichts mehr von Ihnen gehört. Ich möchte Sie noch einmal fragen, ob Sie an einem Besuch in Apolda interessiert sind. Unser Verein plant, um den 18. August 2009 ein Wiedersehen von Nachkommen von Verfolgten aus Apolda abzuhalten. Wir würden uns freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen.
Haben Sie eine Email Adresse? Es würde es viel einfacher machen, in Kontakt zu bleiben, als bei Postbriefen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mich über die Kontaktdaten Ihres Onkels Frank Lichtenstein informieren könnten.
Ihr Peter Franz“

_ _
„Liebe Frau Warren,                                                                     
heute sende ich Ihnen ein kleines Buch zu, in dem erzählt wird über die geglückte Flucht Ihres Großvaters Alfred Lichtenstein in Apolda. Wir würden uns freuen, wenn Sie mit uns in den Kontakt treten würden. Ich lege Ihnen ein Faltblatt bei, das über die Arbeit unseres Vereins berichtet. Wir gedenken aller im Holocaust ermordeten Menschen der Stadt Apolda.
Herzliche Grüße,
Peter Franz
Prager-Haus Apolda e.V“ 
25.08.2019 

„Dear Mrs. Warren,                                                                     
Today I am sending you a little book telling about the successful escape of your grandfather Alfred Lichtenstein in Apolda. We would be glad if you would contact us. I am enclosing a leaflet telling you about the work of our association. We commemorate all the people murdered in the Holocaust in the city of Apolda.
Best regards,
Peter Franz
Prague House Apolda e.V“ 

K

Leo Karlsruher (1889–1940) und Anna Orlamünder (1896–1945)

Leo Karlsruher (geb. 1889) und die „Nichtjüdin“ Anna Orlamünder (geb. 1896 in Grana bei Zeitz) hatten einen Sohn Eberhard (geb. 1931) Die Nationalsozialisten bekämpften die Beziehung des unverheirateten Paares mit ihren Rassegesetzen. Das Schimpfwort dafür hieß „Rassenschande“. Leo wurde 1935 verhaftet und zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Als 45-jähriger hatte gerade seine Arbeit als kaufmännischer Angestellter im Kaufhaus Hermann Tietz ( später „Hertie“) verloren. Nach der Haftzeit bekam er eine Arbeit in der Firma Halpert & Co. Im Mai 1938 wurde er erneut verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Er kam dort 1940 im Alter von 51 Jahren ums Leben. Anna Orlamünder starb bei einem Luftangriff auf Gera 1945. Eberhard Orlamünder überlebte. Es gab einen Kontakt zu ihm noch 2010.
Verlege-Ort der Stolpersteine ist vor der Wohnung von Anna Orlamünder.

Familie Katz

Adolf und Meta Katz, geb. Schwab, haben mindestens vierzehn Jahre in Themar gelebt, weil alle ihre zwölf Kinder dort geboren wurden. Adolf Katz wurde in Bibra geboren wurde, einem Dorf westlich von Themar, in dem es viele Familien mit dem Namen Katz gegeben hat. Seine Eltern waren Ludwig Katz und Hannchen Katz, geb. Stoll. Meta Schwab wurde in Rimpar geboren und sie hat Adolf im Jahr 1887 geheiratet. Ihr erstes Kind, Hedwig, wurde 1888 in Themar geboren aber verstarb kurz nach der Geburt. Danach, zwischen den Jahren 1889 und 1903, wurden noch elf Kinder geboren, dank dem Familienregister sind fast alle Namen bekannt. Es ist anzunehmen, dass diese Kinder ihre Schulbildung in Themar anfingen und Martha und Elke sogar möglicherweise ihren Schulabschluss in Themar machten. Leider lässt sich nicht sagen, wo genau in Themar die Familie Katz gewohnt hat. Adolf Katz war Textilhändler, wie es in der Themarer Zeitung annonciert ist. Die einzigen Spuren im Stadtarchiv sind die Namensänderunganträge, die Martha, Elka, Bettina und Josef. Ende 1938 beim Standesamt in Themar eingereicht hatten. Jüdische Menschen wurden in jener Zeit gezwungen „Sarah“ und „Israel“ als den zweiten Vornamen hinzuzufügen. Die Familie verließ Themar irgendwann nach der Geburt von Irma und ist nach Meiningen gezogen. Mit der Zeit zogen einige der Kinder in andere deutsche Städte. Martha heiratete und zog nach Frankfurt am Main. Drei ihrer Geschwister — Elka, Bettina und Josef — zogen nach Dessau in Sachsen-Anhalt. Elka Katz heiratete Berthold Goudsmid aus Dessau in Sachsen-Anhalt. Sie hatten zusammen ein Textilunternehmen. 1930 erwarben sie ein Grundstück in der Franzstraße 47. Ihre Tochter Ruth Goudsmid wurde 1922 mit einer geistigen Behinderung geboren und wurde in die Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz bei Berlin geschickt. Elkas Schwester Bettina und ihr Bruder Joseph zogen bei ihrer Schwester ein, die in der Franzstraße 47 wohnte, und halfen sowohl in dem Unternehmen als auch mit dem Haushalt. 1936 heiratete Irma Katz Berthold Maurits Zuikerberg aus Holland und zog mit ihm in seine Heimatstadt Winschoten. Bettina Katz nahm sich im Juni 1939 das Leben und es kann davon ausgegangen werden, dass es eine Verzweiflungstat nach der Reichspogromnacht (Kristallnacht) war. Ihre Geschwister und deren Familien wurden ermordet. Martha Hahn (geb. Katz) wurde am 11. oder 12. November 1941 von Frankfurt am Main ins Ghetto Minsk deportiert. Sie gehörte zu den ersten Juden und Jüdinnen, die aus Deutschland ins besetzte Polen deportiert wurden. Elka Goudsmid (geb. Katz) wurde am 13. April 1942 ins Warschauer Ghetto deportiert. Ihre Tochter Ruth wurde mit der Gruppe anderer Kinder von Beelitz am 13. Juni 1942 nach Sobibor deportiert. Joseph Katz, dem es Anfang 1939 gelang nach Frankreich zu fliehen, wurde am 10. August 1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert. Irma Zuikerberg (geb. Katz) und ihr Ehemann Berthold Maurits Zuikerberg wurden am 06. Juli 1943 von Westerbork nach Sobibor deportiert. Sie wurden am 09. Juli 1943 in Sobibor Vernichtungslager ermordet. Am 27. Oktober 2011 wurden vor dem Gebäude in der früheren Franzstraße 47 (heute Franzstraße 111–115) Stolpersteine verlegt, um die vier Mitglieder der Familie Katz zu ehren, die hier gelebt hatten. Elka Goudsmit (geb. Katz) und ihre Tochter Ruth Goudsmid, Bettina Katz und Joseph Katz.

Jesekiel Kirszenbaum (1900–1954)

Jesekiel David Kirszenbaum (auch: Jesekiel Dawid, Jechezkiel oder Jeheskiel David, Kirschenbaum) wurde 1900, als jüngstes Kind eines Rabbiners, in Staszów geboren. In seinen jugendlichen Jahren lehnte er sich auf gegen die religiösen Unterweisungen und später einmal Rabbiner zu werden auf. Sein Interesse galt dem Zeichnen, vor allem Porträts und der Literatur. Durch den Verkauf des gesamten Besitzes der Familie, konnte er 1920 sich der polnischen Armee und dem Kriegseinsatz gegen Sowjetrussland entziehen, dadurch gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Im Ruhrgebiet arbeitete er im Bergabau, erteilte Hebräischunterricht und war künstlerisch tätig. Der Kunsthistoriker August Hoff (1892-1971), später auch der Direktor des Duisburger Kunstmuseums, wurde auf ihn aufmerksam und vermittelte ihn im Jahr 1923 ans Staatlichen Bauhaus in Weimar, wo er sein Kunststudium aufnahm. Als das Bauhaus 1924/25 auf politischen Druck hin aufgelöst und verlegt wurde ging Kirszenbaum 1925 nach Berlin und arbeitete dort als freier Künstler. Im April 1927 bekam Kirszenbaum eine Ausstellung in der Sturm-Galerie in der 71 Kohle-, Kreide-, Tusche- und Aquarellzeichnungen sowie neun Ölgemälde gezeigt wurden. Er wurde Mitglied der Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (ARBKD), kurz Asso genannt. 1930 heiratete er Helma Joachim (1904–1944). 1933 floh das Ehepaar Kirszenbaum nach Paris und ließen ihren ganzen Besitz zurück, sowie fast alle Werke des Künstlers. Von 1933 bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs war Kirszenbaum aktives Mitglied der École de Paris. Das Ehepaar Kirszenbaum wurde zu Beginn des Zweiten Weltkireges interniert und dabei voneinander getrennt. Helma war bis zum Juni 1940 im Internierungslager Camp de Gurs in Südfrankreich inhaftiert, wurde aber entlassen. Später gegen Ende 1943 wurde sie erneut verhaftet und kam in das Sammel- und Durchgangslager Drancy. Daraufhin wurde sie 1944 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet. Jesekiel wurde im Lager von Meslay-du-Maine festgehalten, danach wurde er nach Département Haute-Vienne verlegt. Von dort aus konnte er offenbar 1942 fliehen und versteckte sich bis zum Kriegsende. Er starb 1954 in Paris an seiner Krebserkrankung.

Ruth Kirchheimer (1925–2003)

Ruth Kirchheimer wurde am 02. Januar 1925 als jüngste Tochter von Siegfried und Frieda Kirchheimer in Eisenach geboren. Am Familienhaus angrenzend befand sich das Schuhgeschäft ihrer Eltern in der Goethestraße 25a. Die Kirchheimers waren keine streng religiöse Familie. Sie öffneten ihr Geschäft am Sabbath und besuchten die Synagoge nur zu hohen Festen. Ab dem Jahr 1933 änderte sich das Leben der Familie durch die antisemitischen Maßnahmen der NSDAP drastisch. So durften jüdische Mitbürger keine öffentlichen Bäder, Restaurants oder die Wartburg besuchen. In der Reichspogromnacht wurden die Fenster ihres Wohnhauses rot übermalt. Auf dem Gehweg vor dem Geschäft wurde groß „Wer hier einkauft, verrät sein eigenes Volk“ geschmiert. Frieda Kirchheimer floh daraufhin mit ihren Töchtern zu Freunden nach Erfurt und kehrten erst eine Woche später zurück, nur um eine zerstörte Wohnung vorzufinden. Siegfried Kirchheimer wurde in das KZ Buchenwald verschleppt und erst Monate später, am 29. Januar 1939 freigelassen. Am 01. Dezember 1938 wurde ihr Schuhgeschäft konfisziert. Der Gewerbekartei im Stadtarchiv Eisenach zu urteilen, meldete Siegfried Kirchheimer sein Geschäft „freiwillig“ am 01.12.38 ab, jedoch befand er sich zu dieser Zeit in Buchenwald. Ab dem 15. November 1938 war es jüdischen Kindern nicht mehr gestattet zur Schule zu gehen. In Folge dessen bekamen Ruth und andere jüdische Kinder Privatunterricht. Während dieser Zeit fasste die Familie Kirchheimer den Entschluss, zu emigrieren. Mit 18 Jahren konnte Ruths Schwester Ingeborg nach England auswandern, da sie eine Anstellung als Köchin in einer Familie fand. Der Rest der Familie konnte aus finanziellen Gründen nicht nachkommen und aufgrund von restriktiven Einwanderungsgesetzen anderer Länder, fanden sie keine andere Möglichkeit als zu versuchen illegal die Grenze zu überqueren. Ruths erster Versuch über die niederländische Grenze zu fliehen, schlug fehl. Am 11. Juli 1939 wurde sie von ihrer Tante Minna Bargeboer und ihrem Ehemann Adolf nach Nizza geschmuggelt. Ihre Eltern mussten in Eisenach bleiben. Nachdem sie aus ihrem Haus in ein Ghetto vertrieben worden sind, hörte Ruth durch einen Familienfreund was ihren Eltern geschehen war: Sie wurden am 9. Mai 1942 über Leipzig nach Bełżyce transportiert. Bis heute gelten sie als vermisst. Ruth wurde auf Wunsch ihrer Tante mit gefälschten Papieren ins Kloster von Digne-les-Bains in Sicherheit gebracht, weil sie im von Deutschland besetzten Frankreich um ihre Neffin fürchtete. Minna und Adolf Bargeboer wurden von Soldaten entdeckt, nach Ausschwitz verschleppt und ermordet. Ruth hingegen überlebte den Holocaust, indem sie sich hinter den Wänden des Klosters versteckte. 1957 ging sie nach Kamerun um sich von dem Schicksal der Familie zu lösen. Erst 1990 kehrte sie das erste mal in ihre Heimatstadt Eisenach zurück. Am 30. Dezember 2003 starb Ruth Kirchheimer im Alter von 78 Jahren als Schwester Marie Therese. Diesen Namen gab sie sich im Kloster, nachdem sie zum Christentum konvertiert war.

Minna Kahn (1860–1922)

Minna Kahn wurde am 10. April 1860 in Berlin als Tochter des jüdischen Kaufmanns Hirsch Meyer und dessen Ehefrau Rosa Meyer geboren. Sie war mit dem 1857 in Eschwege geborenen Jakob Kahn verheiratet. Die Familie wohnte zunächst im Rheinland, wo ihre Tochter Henny 1887 in Bonn und der Sohn Dagobert 1888 in Neuwied zur Welt kamen. 1908 ist die Familie in Düsseldorf, aus Essen kommend, nachweisbar. Der Geschäftsmann Jakob Kahn verstarb dort im Dezember 1912. Seine Witwe Minna und die ledige Tochter Henny Kahn kamen im September 1913 nach Jena, wo der Sohn Dagobert Kahn bereits seit einem Monat lebte. In seinem im September 1913 gestellten Antrag auf Erteilung des Bürgerrechts gab er an, bei der Firma  Adolph Behrendt als Geschäftsführer angestellt zu sein und sich zur israelitischen Konfession zu bekennen. Der Gemeinderat genehmigte sein Gesuch um vorzeitigen Erwerb des Bürgerrechts im März 1914. Im Weltkrieg, an dem Dagobert Kahn ab August 1914 teilnahm, gehörte Minna Kahn 1916 zu den Unterzeichnerinnen eines Aufrufs für die Kriegsspende „Deutscher Frauendank“. 16 000 Frauenvereine in ganz Deutschland hatten sich zusammengeschlossen, um durch eine gemeinsame Stiftung den Familien der gefallenen und schwerverwundeten Kriegsteilnehmer beistehen zu können. Der hierzu geschlossene „Nationale Frauendienst Jena“ bestand aus zwölf Frauenvereinigungen, darunter auch den „Israelitischen Frauen Jenas“, vertreten durch Minna Kahn. Die Tochter Henny Kahn arbeitete während der Kriegsjahre, als Frauen dringend in Wirtschaft und Verwaltung gebraucht wurden, als Kontoristin und Meldeamtsgehilfin. Etwa 1922 verließ sie Jena. Minna Kahn starb hier am 10. Oktober 1922 im 63. Lebensjahr. Dagobert Kahn lebte nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin und Bremerhaven. Im November 1938 wurde er im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. 1943 erfolgte seine Deportation von Berlin nach Theresienstadt, am 9. Oktober 1944 wurde er im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.