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Gefundene Objekte: 205

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Paula (Pepi) Fisch, geb. Scharf-Katz (1912–1942)

1928 studierte sie am Erfurter Konservatorium Klavier. Es ist bekannt, dass sie am 14. Dezember 1928 in einem Konzert im Konservatorium auftrat. Laut Heiratsurkunde von 1938 war sie zu jener Zeit „ohne Beruf“. 

Hilde (Hilda) Aronson, geb. Lind, verh. Kaufmann (1899-?)

Hilda Lind war zunächst Mitglied des Eisenacher Synagogenchors, dann wirkte sie als Opernsängerin in Berlin. Am 18. März 1943 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Dort gestaltete sie gemeinsam mit dem Dirigenten Rafael Schächter (1905–1945) und anderen Künstlern das musikalische Leben des Konzentrationslagers. In Schächters berühmter Ein- studierung von Verdis _Requiem_ etwa war sie als Solistin zu hören. In einer Besprechung dieses Ereignisses bezeichnete Viktor Ullmann (1898–1944) ihre Stimme als „warm und samtig“. Aronson überlebte Theresienstadt, und nach dem Krieg wanderte sie in die USA aus. 1957 übergab sie der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel ein Gedenkblatt für ihren ersten Mann Willy Aronson (1893–1943). 

A

Familien Appel, Ortweiler und Wolff

Joachim Appel wächst mit seinen Eltern – Susanna und Jakob Appel und Großeltern – Albert und Lina Ortweiler im Weimarer Brühl Haus Nummer 6 auf. Neben den Familien Appel und Ortweiler leben im Haus noch drei weitere Mietparteien. Mit 17 Jahren wandert Joachim Appel aus. Sein kleiner Bruder Günter, seine Eltern und Großeltern bleiben in Weimar zurück. Im November 1938 werden sein Vater Jakob Appel und der Großvater Albert Ortweiler verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Wochenlang müssen sie dort ausharren. Nach ihrer Entlassung wird ihnen untersagt ihr Geschäft weiter zu führen und sie müssen milliardenschwere Zahlungen leisten. Ihnen wird die Grundlage zum Leben genommen. Das „Gesetz über Mietverhältnisse der Juden“ sorgt dafür, dass im Haus der Ortweilers und Appels ab 1939 immer mehr Juden aus Weimar einquartiert werden. Im Juli 1941 verschärft sich die Situation noch mehr. Das Haus am Brühl 6 wird zu einem kleinen Ghetto umfunktioniert. Ab September 1941 muss Susanne Appel im Arbeitshaus Breitenau Zwangsarbeit leisten. Im Februar 1942 wird sie ins Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt und dort am 8 Oktober ermordet. Ab 1942 geht der NS-Staat dazu über, Juden systematisch und in bisher ungekanntem Ausmaß zu deportieren. Auch der mittlerweile schwer erkrankte Jakob Appel und sein Sohn Günter müssen sich im Mai 1942 auf dem Weg zum Sammelplatz begeben. Auch Karoline Wolff und ihre drei jugendlichen Kinder und deren Onkel Jakob Wollf  – ebenfalls eine jüdische Familie die seit einiger Zeit zwangsweise im Haus am Brühl Nummer 6 lebt – gehören mit zu dem Deportationszug. Im Haus am Brühl bleiben die Alten zurück: die 67-jährige Henriette Wollf und Lina Ortweiler, inzwischen 86 Jahre alt. Zusammen mit den meisten der verbliebenen Weimarer Juden müssen sie im September 1942 den nächsten großen Deportationszug Theresienstadt besteigen. Damit ist das Haus am Brühl leergemordet. 1943 eignet sich die Stadt Weimar, nebst anderen Objekten, auch das Haus am Brühl 6 an.         

Familie Adomeit

Das Ehepaar Alfred und Wally Adomeit kam 1934 mit ihrer einzigen Tochter Liselott (11) aus Ostritz/Oberlausitz nach Gera.
Alfred Adomeit war studierter Apotheker. Er arbeitete als Angestellter von 1935-44 in der Stadtapotheke am Markt. Gern hätte er hier eine eigene Apotheke aufgemacht. 1943 wurde dieses Anliegen vom Reichsinnenministerium endgültig abgelehnt. Selbst sein Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP vom 15.01.1936 bewirkte keine Zulassung. Die Nationalsozialisten forderten von ihm, sich scheiden zu lassen. Als er sich weigerte, wurde er am 16.10.1944 verhaftet und ins Arbeitslager Halle-Ammendorf gebracht. Dort wurde er bei einem Luftangriff schwer verletzt und kam ins Krankenhaus. In den Wirren der letzten Kriegswochen gelang es ihm, wieder nach Gera zu kommen. Er erholte sich, und war noch viele Jahre in der Geraer staatlichen Hochhaus-Apotheke tätig. Er starb 1982 im Alter von 89 Jahren.
Wally Adomeit, getauft, aber jüdischer Herkunft, wurde im Januar 1945 nach Theresienstadt deportiert. Von dort holte Alfred Adomeit in einer gemeinsamen Aktion mit anderen Ehemännern im Juni 1945 unter beschwerlichen Umständen seine Frau zurück nach Gera. Zu diesem Zeitpunkt wog sie noch 35 kg. Wally Adomeit wurde 67 Jahre alt und starb 1960.
Als Schülerin erlitt Liselott Repressalien aufgrund ihrer jüdischen Herkunft. Von der Zabelschule wurde sie 1939 ohne Abschluss entlassen. An einer christlichen Internatsschule in Gnadau machte sie 1942 ihr Abitur. Sie kam zurück nach Gera und wurde  zu körperlich schwerer Arbeit  verpflichtet. Nach 1945 durfte sie Medizin studieren und arbeitete als Ärztin in Erfurt. Sie starb 2010.

Josefine Amalie Franziska Back-Freund (1886–1964)

Josefa Freund stammte aus der österreichischen Musikerfamilie Freund-Eibenschütz. So war Ilona Eibenschütz, eine Tante mütterlicherseits, Schülerin von Clara Schumann und selbst eine bekannte Klaviervirtuosin. Josefa Freunds Eltern verkehrten mit den musikalischen Größen ihrer Zeit. Johann Strauss (Sohn), Arthur Nikisch, Eduard Hanslick, Franz Lehár und Emmerich Kálmán lernte sie persönlich kennen. Johannes Brahms, der mindestens einmal in der Woche in ihrem Elternhaus erschien und Josefa gern singen hörte, betrachtete sie als „guten Spielkameraden“. Ihr Gesangslehrer am Wiener Konservatorium war Filip Forstén (1852–1932). Mit dessen Lebensgefährtin, der berühmten Opernsängerin Pauline Lucca (1841–1908), studierte sie mehrere Partien ein, u.a. die Rolle der Zerlina in Wolfgang Amadeus Mozarts _Don Giovanni_. Pauline Lucca soll Josefa einen Rat gegeben haben, den diese später immer befolgte: „Du gehst mir nie mit leerem Magen auf die Bühne. Iss erst was Ordentliches in der Garderobe – ein Beefsteak mit Ei oder sonst etwas Kräftiges.“
Ende April 1907 kam Josefa Freund zum ersten Mal nach Altenburg. Der Grund ihrer Reise war eine Bühnenprobe zu Gaetano Donizettis _Regimentstochter_. Ihr Gesang gefiel dem Intendanten des Herzoglichen Hoftheaters, Franz Freiherr von Kageneck, so gut, dass er sie auf der Stelle engagierte. Schnell wurde die Wienerin in der kleinen Residenzstadt zu einer beliebten und verehrten Künstlerin. In der Rolle der Hanna Glawari in Lehárs _Lustiger Witwe_ war sie so erfolgreich, dass sie seitdem vor allem in Operetten sang und spielte. Sie trat aber auch in Operninszenierungen auf, etwa als Musetta in Giacomo Puccinis Oper _La Bohème_. Ihre Bühnenkarriere endete offiziell mit ihrer Heirat im Jahre 1913. Trotzdem blieb sie dem Theater eng verbunden und beteiligte sich auch weiterhin intensiv am gesellschaftlichen Leben in der Stadt. Josefa Back-Freund war Mitbegründerin und Vorstandsmitglied der Vereinigung der Theaterfreunde für Altenburg und Umkreis e. V., wirkte als Gesangspädagogin und war vielfach in privaten Konzerten zu hören. 1933 wurde ihr das Unterrichten verboten. Aus dem von ihr einst mitbegründeten Verein der Theaterfreunde trat sie aus, nachdem sie in einer Versammlung rassistisch geschmäht worden war. 1941 starb ihr nichtjüdischer Ehemann. Am 12. Januar 1944 wurde die nunmehr schutzlose Künstlerin nach Theresienstadt deportiert. Josefa Back-Freund überlebte das KZ Theresienstadt und eine Typhuserkrankung nach der Befreiung. Im Juni 1945 kehrte sie nach Altenburg zurück. Später war sie wieder als Gesangspädagogin tätig. In den Jahren 1951–1955 unterrichtete sie etwa 20 Schüler.

Adolf Aber (1893–1960)

Adolf Aber studierte in Berlin Musik und Philosophie. Seit 1913 war er Assistent am Musikhistorischen Seminar und promovierte 1919. Seine Doktorarbeit _Die Pflege der Musik unter den Wettinern und wettinischen Ernestinern von den Anfängen bis zur Auflösung der Weimarer Hofkapelle 1662_, die 1921 erschien, betreute Hermann Kretzschmar (1848–1924). 1918–1933 war Aber als Musikkritiker für die _Leipziger Neuesten Nachrichten_ und für die _Allgemeine Musikzeitung_ tätig. Darüber hinaus publizierte er eine Reihe musikhistorischer Arbeiten, wie etwa ein _Handbuch der Musikliteratur in systematisch-chronologischer Anordnung_ (1922, 1967), _Instrumente und ihre Sprache_ (1924), _Die Musik im Schauspiel_. _Geschichtliches und Ästhetisches_ (1926). Seit 1927 war er Mitinhaber des Musikverlags Friedrich Hofmeister (Edition Germer) in Leipzig. Nach 1933 floh er nach London, wo er ab 1936 als Direktor des angesehenen Verlags Novello & Co tätig war. Hier machte er sich besonders um die Verbreitung deutscher Musik in Großbritannien verdient. So verlegte er Werke älterer, neuerer und zeitgenössischer deutscher Komponisten und übernahm, um ihre Verbreitung in Großbritannien zu fördern, Teile der Kataloge deutscher Verlage in das Verlagsrepertoire. Ferner galt er in allen Fragen, die die deutsche Musik betrafen, als Ansprechpartner für Dirigenten und Pädagogen. 1958, zum 65. Geburtstag, erhielt Aber für seinen Einsatz für die deutsche Musik das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 1992 ehrte die Stadt Apolda sein Andenken mit der Umbenennung der Philipp-Müller-Straße in Adolf-Aber-Straße.

B

David Binder (1879–1939)

David Jakob Binder wurde am 21. Juli 1879 in der ukrainischen Universitätsstadt Czernowitz geboren. Seine Eltern, Benjamin und Milka Binder, waren den jüdischen Traditionen zugewandt. Als junger Mann ging David Jakob Binder nach Deutschland. Zunächst blieb er bei Verwandten in Leipzig und zog im März 1903 nach Erfurt, wo es eine aufstrebende jüdische Gemeinde gab. Drei Jahre später zog er nach Pößneck und heiratete am 27. Mai 1908 die 27-jährige Hedwig Ullmann aus Mannheim. Da beide aus Handelsfamilien kamen, gründete das Paar gemeinsam ein Unternehmen. Zunächst lebten sie in einer Mietwohnung in Dr. Emil Körners Haus an der Breiten Straße. Im Jahr 1914 kaufte David Jakob das Haus, wobei sie im 1. Stockwerk ihre private Wohnung und im Erdgeschoss ihr Geschäft hatten. Am 14. Januar 1920 bekamen sie einen Sohn: Adolf Milian. Vier Jahre später, am 19. Juni 1924, kam seine Schwester Esther Malke auf die Welt. Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten war das Ehepaar in der gesamten Region hoch angesehen. Nach dem landesweit ausgerufenen Boykott jüdischer Geschäfte wurden Kund\innen vor Binders Geschäft fotografiert, bedroht und später vorgeladen. Die großen Schaufenster wurden mit antisemitischen Sprüchen in weißer Farbe beschmiert. Nur noch Arbeiter\innen und Bauer und Bäuerinnen kauften weiterhin dort ein, der öffentlichen Meinung zum Trotz. In Folge der Repressalien überlegte die Familie nach England auszuwandern. Weil David Jakob Binder dagegen war, alles was sie erreicht hatten und besaßen aufzugeben, kam es nicht dazu. Am 10. November wurde der Laden zerstört und ausgeraubt. David und sein Sohn Adolf wurden auf die Straße gezerrt, öffentlich diffamiert und mit acht Weiteren nach Buchenwald gebracht. Alle Männer über 50 Jahren wurden am 27. November 1938 freigelassen. So auch David Binder. Während dieser Zeit wurde er dazu gezwungen, sein Unternehmen aufzugeben. Er unterschrieb am 11. Januar 1939 die Abmeldebescheinigung. Drei Tage später starb David Binder an einem Herzinfarkt. Er liegt in Erfurt begraben. Sein Sohn Adolf konnte nach seiner Freilassung aus Buchenwald fliehen, jedoch bleiben die Umstände seiner Flucht ungeklärt. In den 1990er Jahren kehrte er zum ersten mal nach Pößneck zurück. Seine Schwester Esther sollte über Neuendorf nach Palästina fliehen. Diese Plan schlug jedoch fehl. Esther wurde am 19. April 1943 nach Auschwitz deportiert. Auch Hedwig Binder wurde deportiert. Sie wurde im Jahr 1950 für tot erklärt.

Familie Berlowitz und Eichenbonner

Israel Berlowitz leitet mit seinem Geschäftspartner nicht nur sehr erfolgreich das Textilkaufhaus „Sachs & Berlowitz“; er engagiert sich auch sehr für das jüdische Leben in der Stadt Weimar. Israel und seine Frau haben zwei Töchter, Lena – geboren 1903 und Edith – geboren 1907.  Ab 1924 betreibt die Familie Berlowitz, unter Beibehaltung des ursprünglichen Namens, mit ihren Töchtern das Textilkaufhaus allein weiter. Lena Berlowitz heiratet Stefan Eichenbonner und bringt kurz darauf die Zwillinge Peter und Hans zur Welt. Sie zeiht mit ihrem Mann und den Kindern nach Gotha. Die Ehe scheitert jedoch kurze Zeit später und Lena kehrt mit den Kindern zurück nach Weimar. Nachdem die Familie Berlowitz das Kaufhaus gut durch die Inflationszeit gebracht hat und  mit rund 73 Angestellten einen Jahresumsatz von knapp einer Millionen Reichsmark macht wird die Lage für das jüdisch geführte Geschäft ab 1937 immer prekärer. Seit die Nazis an der Macht sind häufen sich Aktionen die das Geschäft, ihre Betreiber und die Menschen die dort einkaufen deformieren. Im Zuge der sogenannten „Entjudung“ oder auch „Arisierung“, ist die Familie Berlowitz gezwungen ihr Geschäft zwangsweise und absolut unter Wert zu verkaufen. Am 31. August 1938 geht das Geschäft dann in den Besitz von Hugo Oxen über. Während der Reichsprogromnächte im November 1938 wird Israel Berlowitz, mittlerweile 70 Jahre alt, von der Gestapo nach Buchenwald verschleppt. Dort wird er einige Tage festgehalten. Erst als er einwilligt auch das Wohnhaus der Familie zu verkaufen, wird er frei gelassen. Israel Berlowitz und seine Frau gelingt die Flucht nach Tel Aviv. Ihre gemeinsame Tochter Lena kann mit ihren Söhnen nach Lettland zu Verwandten flüchten. Auch der Tochter Edith gelingt 1941, allerdings erst nach einer einige Jahre andauerten Odyssee die Flucht und Einreise nach Palästina. Im gleichen Jahr bricht der Kontakt der Familie zur Tochter Lena in Lettland ab. Es ist das Jahr in dem die deutsche Wehrmacht in Lettland einmarschiert. Nachdem am 29. Juni die deutsche Wehrmacht Libau erobert hat beginnen auch probt die systematischen Erschießungen der nach Lettland geflüchteten Juden. Auch Kommunisten und verbliebene Rotarmisten werden alltäglich von Juni bis Mitte Dezember 1941 von der Wehrmacht und lettischen Hilfseinheiten erschossen. Es wird davon ausgegangen, dass Lena Berlowitzs Söhne ebenfalls im Jahr 1941 von den Soldaten der Wehrmacht erschossen wurde. Auch Lena Berlowitz selbst hat danach nicht mehr lange gelebt.

Jakob Bukofzer (1886–1942)

Das Ehepaar Jacob und Emma Bukofzer hatten 2 Kinder, den Sohn Gustav Bukofzer (1920–1974) und die Tochter Annemarie Bukofzer – Mirjam Scharon (1921–unbekannt). Jakob wurde zusammen mit seiner Frau Emma am 10. Mai 1942 gemeinsam mit Hunderten Thüringer Juden in das Ghetto Belzyce deportiert. Wahrscheinlich noch im Herbst 1942 kamen sie in ein Vernichtungslager. Die beiden Briefe dokumentieren seine letzten Tage in Apolda und die ersten Wochen im Ghetto.
„Wir hatten brieflich verabredet, dass, wenn er irgendwie erfährt, dass er deportiert wird, er mir schreibt, er muss 'nun auch verreisen'. Jedesmal, wenn ein Brief von ihm kam, zitterte ich vor diesem Satz. Und so las ich ihn dann doch eines Tages in seinem Brief vom 3. Mai 1942. Ich nahm mir sofort frei im Büro, setzte mich auf die Bahn und fuhr die Nacht durch nach Apolda, denn das war der kleinste Liebesdienst, den ich ihm für alle seine Liebe und Sorge und Güte noch erweisen wollte: ihm 'Lebewohl' zu sagen. Es ist mir so schwer, das hier aufzuschreiben, in meinem ersten Brief nach so vielen Jahren, aber es ist auch meine Pflicht, Euch die letzten Grüsse Eures Vaters zu sagen. Das Wiedersehen kann ich nicht beschreiben. Mein Gott, er war so erschüttert und ich war es auch. Wir hielten uns minutenlang wortlos umarmt, er hatte ja nicht gewusst, dass ich komme. Ich wohnte im Hotel, war aber den ganzen Tag mit ihm zusammen. Er sah gut aus, hatte aber Herzbeschwerden. Wir verlebten 3 oder 4 ganz stille, traurige und doch schöne Tage miteinander. Er brachte mich zu mehreren jüdischen Familien, die alle darauf warteten, abtransportiert zu werden und was ich da erlebte, was für schreckliche Szenen, dass Gusti, werde ich den Deutschen nie, nie vergessen können [...] Ich   fuhr dann zurück nach München und erhielt noch einen Brief von  Deinem Vater, datiert vom 1. Pfingstfeiertag 1942 aus Belzyce bei Lublin, in dem er mich um Süsstoff, Strümpfe usw. bat, da er diese Dinge als Tauschobjekte für Lebensmittel gebrauchen könnte [...]“
„Belzyce 1. Pfingsttag
Liebes Evchen! Hoffentlich hast Du unsere Karte erhalten. Wir haben uns hier schon eingelebt was man so sagt aber richtig einleben wird man sich nie. Ich war ja auf sehr viel vorbereitet, aber daß es so etwas noch gäbe hätte ich nicht geglaubt. na man muß sich in sein Schicksal fügen und hoffen daß es mal besser wird. Alles was es in Deutschland nicht gibt ist hier zu haben wie Geflügel - Fleisch - Fische - Butter u.s.w. aber sehr teuer jedoch kannst Du für 1 P. Strümpfe 2 der größten Hühner haben. Wir hatten neulich leb. Karpfen. Wie gesagt wenn man Gegenwerte hat kann man sich über Wasser halten. Unsere Nichte hat es ja 3 Jahre ausgehalten. Die Stettiner sind auch schon über 2 Jahre in dieser Misere. Wenn wir unser großes Gepäck bekämen wäre es ein großer Vorteil aber ich glaube kaum. Für 1 Rolle Twist bekommt man 1 Pfd. Brot. Vielleicht versuchst Du mal mit Doppelbrief gut [...] und nicht derb. Geld zu senden hat wenig Zweck für 10,00 bekam ich hier 16,50 ausgezahlt. Auch Bejouterie-Gürtel sind [...]. Aus Berlin hatte Nachricht von meiner Schwester und schrieb sie daß Lilo schon 8 Tage nicht da gewesen. Von unserer Nichte hatten auch schon Geld bekommen. Wenn Du mal Zeitung schickst kannst ja versuchen. Auch Süßstoff ist sehr teuer aber mußt es umpacken in Blechschachtel denn sonst kann es zerbrochen an. Für 1 Päckchen für 20 St. haben wir beide Mittag gegessen. Also wie gesagt man ist hier auf die Mithilfe der Lieben angewiesen und schreibe an Pr. er soll Dir das Geld senden. Ebenso wenn Du etwas haben willst an Frau John Ritterstr. sie wird Dir jederzeit etwas geben. Das Wetter ist hier schön das ist auch das Einzige. Hoffe recht bald von Dir zu hören. Schreibe doch bitte an Gustav. Habe schon 14 Tage keine Zeitung gesehen. Wir gehören zu Lublin vielleicht hast Du mal durch Zufall einen Bekannten. Was habe eigentlich die Verwandten die die Lebensmittel bekamen gesagt. Hast Du etwas ausgerufen? Spielkarten sind hier auch sehr begehrt. Also l. Evchen ich will mein Brief beenden. Hoffentlich erhalten wir bald Nachricht. Denn man freut sich über jedes Lebenszeichen. Aus Chemnitz und Leipzig sind auch die Menschen hergekommen. Sei recht herzlich gegrüßt geküßt von den Dich l. Onkel Jac.
 Meine Frau läßt sehr grüßen.
Jacob B. aus Ap.“

Egon Barasch (1926–1945)

Egon Barasch wurde 1926 in Gera geboren. Nach der Scheidung verliess sein Vater Leo Deutschland 1933 mit Egons älterem Bruder Michael. Die Mutter Johanna wohnte in Leipzig und arbeitete bei der Reichsbahn-Mitropa (Gastronomie). Egon ging in Gera zur Schule und wohnte bei seiner Tante Hanni und Onkel Hermann in der Steinstraße, wo sie ein Friseurgeschäft betrieben. Die Familie war musikalisch, so lernte Egon Klavier. Als 1940 sein Onkel verhaftet und im KZ ermordet wurde, musste Egon in die Geraer Judenhäuser einziehen. Zu diesem Zeitpunkt war Egon 13 Jahre alt. Er verließ Gera nach Kassel, wo er in einem jüdischen Waisenhaus untergebracht wurde. 1941 wurde er von dort nach Riga deportiert. 1944 war er in Stutthof bei Danzig, nur eine Woche später kam er nach Trögnitz-Rehmsdorf, einem Außenlager von Buchenwald. In den letzten Kriegstagen 1945 wurde er noch nach Bergen-Belsen deportiert. Als er dort ums Leben kam, war er gerade einmal 18 Jahre alt.

Anna Bassinger (1891–1942)

Anna Bassinger, 1891 geb. Reitzel, stammte aus Denzlingen/ Breisgau. Sie war dort verheiratet mit dem Eisenbahn-Inspektor Otto Bassinger. Nach 1920 lebte die Familie im Schwarzwald. Otto Bassinger starb bereits 1924. Nach seinem Tod zog Anna Bassinger 1930 nach Gera. Anna Bassinger, 1891 geb. Reitzel, stammte aus Denzlingen/ Breisgau. Sie war dort verheiratet mit dem Eisenbahn-Inspektor Otto Bassinger. Nach 1920 lebte die Familie im Schwarzwald. Otto Bassinger starb bereits 1924. Nach seinem Tod zog Anna Bassinger 1930 nach Gera. Sie hatte den aus Schlesien stammenden Schriftsetzer Erich Conrad aus der Debschwitzer Str. kennengelernt und sich mit ihm verlobt. Er arbeitete bei der Geraer Zeitung. Sie bekannten sich zu den Bibelforschern, wie die Zeugen Jehovas damals hießen. Die Nationalsozialisten verfolgten die Bibelforscher aus ideologischen Gründen als Feinde ihres Systems. Anna Bassinger und Erich Conrad wurden erstmals 1935 verhaftet. 1937 wurde ihnen und anderen in Gera der Prozess gemacht. Sie wurde zu 2,5 Jahren Haft verurteilt. Nach der Haftverbüßung im Frauengefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf kam sie nicht frei. Im September 1940 wurde sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingeliefert. Nach einem Angriff von Wachhunden war sie schwer verletzt nicht mehr arbeitsfähig. Nach 3 Wochen Aufenthalt in der Krankenbaracke wurde sie in der „Aktion 14f13“ selektiert. Sie starb am 8. Mai 1942 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg/Saale. Erich Conrad wurde zu 4,5 Jahren verurteilt. Nach Haftverbüßung im Gefängnis Ichtershausen überlebte er den Nationalsozialismus und starb Anfang der 1970er Jahre. Auch die erwachsenen Kinder von Frau Bassinger, Heinz und Anneliese, lebten von 1930-41 in Gera. Anneliese war seit 1937 verheiratet mit Willy Winkler. Heinz starb als Wehrmachtsoffizier 1942 auf der Halbinsel Krim.

Familie Baumgart

Max Baumgart (geb.1887 in Völkershausen/Rhön) war verheiratet mit Margot, geb. Lamm, 1902 in Erfurt . Dr. Max Baumgart war seit 1926 Anwalt und Notar in Gera. Er gründete später eine Kanzlei-Gemeinschaft mit dem nichtjüdischen Anwalt Dr. Hans Weinland. 1933 war er vom Berufsverbot jüdischer Anwälte betroffen. Er zog zunächst nach Erfurt, der Heimatstadt seiner Frau Margot. Von dort flüchteten Max und Margot Baumgart 1939 über England in die USA. Sein Name stand auf einer Depromotions-Liste der Universität Gießen. Sein rechtmäßig erworbener akademischer Doktorgrad und die deutsche Staatsbürgerschaft wurden ihm 1941, gemeinsam mit vielen anderen, rückwirkend aberkannt. Erst 1967 wird diese Entscheidung revidiert. Im Dezember 1942 lässt sich Max (54 Jahre alt)  zur Einberufung zur US-Army registrieren. Max' Eltern hießen Meier und Theres Baumgart und stammten aus Völkershausen. Max hatte mindestens 8 Geschwister. Margot's Eltern hießen Emil Lamm (1860-1934) und Rosa Helene, geb. Alberti (1871-1942). 1942 wurde Max und Margots Sohn Elliot in New York geboren. Acht Jahre nach Kriegsende fand man Mutter und Sohn in einer Schiffs-Passagierliste. Margot starb 1957, Max 1973 in New York.

Familie Biermann

Elfriede, Erich (geb. 1887), Herbert  (geb.1890) und Lilli  (geb.1895) waren Geschwister. Ihre Eltern waren Max Biermann (1856–1922) und Mathilde, geb. Stern (1864–1919). Im Haushalt lebten auch die Großmutter Biermann, später auch Mathildes Stief-Mutter, Frau Stern mit ihrem Dienstmädchen Luise. Erich heiratete Edith, 1896 geb. Hartoch aus Düsseldorf, und hatte zwei Kinder: Anneliese (geb. 1921) und Helmut (geb. 1924). Auch Ediths Mutter Martha Hartoch (1872 geb. Mannheim) lebte seit 1936 in Gera. Herbert war mit 43 Jahren verwitwet. Herberts Ehefrau war die Fotografin Aenne Biermann, geb. Sternefeld (1898–1933). Sie hatten ebenfalls zwei Kinder Helga (geb. 1920) und Gerd "Gershon" (geb. 1923). Zum Haushalt gehörte die 1919 zum Judentum konvertierte Hilde Sternefeld aus Krefeld (1897 geb. Noelle, seit 1926 geschieden) mit Sohn Günter (geb. 1920). Sie war Aennes Schwägerin. Helga war 13 und Gerd 10 Jahre alt, als ihre Mutter im 35.Lebensjahr starb. Hilde vertrat sechs Jahre lang die Mutterstelle bei Aennes Kindern. Ihre Heiratsabsichten und gemeinsame Ausreise mit Herbert wurden vom Standesamt Gera durch Anwendung der nationalsozialistischen Rassegesetze mehrfach abgelehnt. Hilde Sternefeld hatte am Konservatorium in Mönchengladbach Klavier und Gesang studiert. Aennes Mutter Julie (1868–1927) war eine geborene Mack. Herbert und Erich wurden während des Novemberpogroms 1938 verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Erich und Edith sowie Elfriede, in Hannover verheiratete Katzenstein, konnten 1939 emigrieren. Ebenso Herbert (49) und die Jugendlichen Gerd (16), Helga (19) und Günter (19). Alle getrennt und auf verschiedenen Wegen. Hilde Sternefeld starb 1942 in der Milbitzer Heilanstalt. Sie wurde 45 Jahre alt. Lilli, in 2.Ehe verheiratete Moses, geschiedene Paul, wurde mehrfach deportiert und starb am 01.01.1945 im KZ Stutthof bei Danzig. Sie wurde 59 Jahre alt. Die jüdische Kaufmannsfamilie Biermann waren Arbeitgeber für Juden und Nichtjuden. Gemeinsam mit Siegfried Schießer (geb. 1870) führten die Söhne das von Vater Max 1878 gegründete Textilgeschäft. Es war das seinerzeit größte Textilkaufhaus Thüringens mit bis zu 400 Arbeitsplätzen. Bereits 1935 musste es zwangsweise verpachtet und 1938 zwangsverkauft werden. Die Gründungsurkunde der israelitischen Gemeinde Gera trägt die Unterschrift von Max Biermann. Max Biermann übte auch das Amt des Vorbeters aus. Erich und Edith Biermann, sowie Hilde Sternefeld gehörten noch 1939 dem Vorstand an. Herbert Biermann und Hilde Sternefeld gehörten auch dem Vorstand der "Literarischen Gesellschaft" Gera an. Belegt sind persönliche Bekanntschaft mit Carl Zuckmayer und Franz Werfel. Am 6.April 1945 wurde das Kaufhaus im Luftkrieg zerstört. Ernsthafte Bemühungen der Familie Biermann um Wiederaufbau wurden von den SED-Machthabern erfolgreich vereitelt. (heute Leerstand ehem. Elsterforum). Bekannt ist auch der Schoder-Brunnen im Dahliengarten als "Biermanns Zwirnsrollen". Max Biermann hat den Brunnen bezahlt. Er spendete für den Neubau des Geraer Theaters. Der heutige Biermann Platz in Gera- Untermhaus, hieß eigentlich Prinzenplatz. Zur DDR-Zeit befand sich dort eine Freiluftbühne, wo die jährlichen Pressefeste der Zeitung "Volkswacht" stattfanden. Trotz 30-jähriger Zwangsbezeichnung als "Platz der Thälmannpioniere" blieb er im Volksmund immer Biermannplatz.

Meta Böhnert (1890–1934)

Meta Böhnert wurde am 20. Juni 1890 in Harthau in Sachsen geboren. Sie besuchte die Volksschule, lernte und arbeitete in der Sächsischen Kammgarnspinnerei. Während des 1. Weltkrieges arbeitete sie in Sömmerda. In Gera zurück kämpfte sie gegen den Kapp-Putsch. Hier arbeitete sie in der Strick-Garn-Fabrik Feistkorn. Sie wurde Mitglied der revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) und der KPD und am 04.12.1932 in den Geraer Stadtrat gewählt. Gemeinsam mit anderen wurde sie am 28. Februar 1933 (am Tag des Reichtagsbrandes) verhaftet. Die meiste Zeit der „Schutzhaft“ verbracht sie im Weimarer Gefängnis in Einzelhaft. Kurz nach ihrer Entlassung starb sie am 28. April 1934 in Gera. Sie wurde 43 Jahre alt.

Familie Braunthal

Alfred Braunthal (1897–1980) war verheiratet mit Erna (1902– 1929 geb. Elkan). Das Ehepaar stammte aus Wien. In Gera geboren wurden ihre Kinder Gerhard „Gerard“, auch „Jerry“ (1923–2014) und Jagna (1927–1990). Erna starb 1929 bei einem Bergunfall im Alter von 27 Jahren. Dadurch wurden Gerhard (6) und Jagna (2) zu Halbwaisen. Alfred heiratete im selben Jahr seine Schwägerin Hildegard (geb. 1903), Ernas jüngere Schwester. Als Dozent und Leiter der SPD-nahen Heimvolkshochschule Gera von 1921-29 musste er frühe Anfeindungen ertragen als Jude und als Sozialist. 1929 zog die Familie nach Berlin. Im März 1933 flüchteten sie nach Wien und weiter nach Brüssel. Über England erreichten sie im März 1936 New York und blieben dort bis zum Kriegsende. 1950 zog das Ehepaar beruflich erneut nach Brüssel. Ab 1967 lebten sie wieder in den USA, wo Alfred im Alter von 83 Jahren in Boston starb. Sohn Gerard war seit 1943 Angehöriger der US Army. Er kam als Befreier nach Deutschland und blieb 15 Monate stationiert. Zurück in den USA heiratete er 1950 Sabina Diamond (+2009). Nach dem Studium an Queens College, U. of Michigan und Columbia Univ. wurde er Professor für Politologie an der University of Massachusetts, und lehrte auch in Deutschland. Er erhielt 1999 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er starb am 26.10.2014 in Amherst (USA). Jagna hat Mathematik und Anglistik studiert. Sie war als College-Lehrerin und Schriftstellerin tätig und gründete später ein Puppentheater.

Familie Brüg

Gustav Brüg (1848–1906) aus Könnern war verheiratet mit Anna, geb. Herzfeld. Ihre Kinder hießen Kurt (1885–1886), eine weitere Tochter, Ella (1886–1897), Alfred, (geb. 1878 in Köthen), Berthold (geb.1880 in Köthen), Ernst (geb.1883 in Gera), Willy (1892 in Gera-1915 gefallen) und Lucie Pauline (geb. 1901 in Gera). Die drei ersten Kinder starben früh. Alfred, Berthold, Ernst und Willy (von Beruf Architekt, Gebrauchsgrafiker) waren Soldaten im Ersten Weltkrieg. Alfred und Ernst erbten das Schuhgeschäft ihres Vaters Gustav. Die Brüder wurden im Novemberpogrom 1938 verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Ernst starb kurz darauf an den Haftfolgen am 07.12.1938 in den Milbitzer Heilanstalten. Alfred blieb unverheiratet. 1938 zog er nach Leipzig. Alfred wurde nach Inhaftierungen in Sachsenhausen (17.6.-8.9.1938) und Buchenwald (ab 10.11.1938) am 21.01.1942 nach Riga deportiert. Dort wurde er ermordet. Berthold heiratete Frieda „Friedel“, 1903 in Breslau geb. Cohn. Die Familie wohnte in Berlin. Berthold mit Frau Frieda wurden am 29.1.1943 von Berlin nach Ausschwitz deportiert und ermordet. Der Kunstmaler Siegfried Gilles in Amsterdam (geb. 1897) war Gertruds jüngerer Bruder. Auch er wurde am 1.10.1944 in Auschwitz ermordet. Ernst verlor als Soldat im Ersten Weltkrieg sein Gehör. Er war verheiratet mit Gertrud (1890 in Berlin geb. Gilles, orthopädische Schuhmacherin). Gertrud Brüg war die Schriftführerin im letzten Vorstand der jüdischen Gemeinde Gera.
Ernsts Sohn hieß Günter "Guy Bishop" (geb. 1926 in Gera). Nach 4-jährigem Besuch der Untermhäuser Volksschule, ging er ab 1937 als 11-jähriger nach Hannover ins Internat Emmerberg und besuchte das jüd. Gymnasium. Nach dem 9.11.38 besuchte er die jüdische Schule mit Kinderheim in Leipzig. Von dort schmuggelte er sich im Juli 1939 als Ersatzmann für einen Kranken im letzten Kindertransport nach England. Nach gelungener Flucht kam als 13-jähriger zu Pflegeeltern, Fam. Bishop, die einen gleichaltrigen Sohn hatte. 1943 meldete sich freiwillig zur Elite Black Watch. Als Angehöriger des British Intelligence Corps soll er Heinrich Himmler identifiziert haben, was zu dessen Verhaftung führte. Bis 1947 war er als Major der britischen Militärverwaltung in Ostfriesland, später in Köln.  Nach der Militärzeit studierte er in Oxfort Chemie, ging 1952 nach New York (ab 1973 in Newtown, Connecticut). Er war erfolgreich als Wirtschaftsberater tätig. 1960 heiratete er Eleonore „Lo“ aus Gütersloh. Die Ehe blieb kinderlos. Günter hat sich als erster Übersetzer von Heinrich Bölls frühen Erzählungen ins Englische betätigt. Günter Brüg starb am 21.04.2008. Ernsts Tochter Hannelore (geb. 1922 in Gera) war Krankenschwester, lebte in mehreren luftkriegsgeschädigten Städten, beschaffte sich mit falschen Pässen Lebensmittelmarken. Sie wurde 1944 verraten, in Berlin verhaftet, kam nach Theresienstadt, Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald, Bergen-Belsen und überlebte knapp. Sie ging nach 1945 nach Köln. Verheiratet war sie mit Wolfgang Silberberg und wohnte nach 1947 in New York. Im 17.6.1997 starb sie dort. Am 9.5.2000 starb ihr Mann, der auch in Auschwitz war. Lucie Pauline lebte bis zur Ehescheidung von dem nichtjüdischen Anwalt Eduard Braun (+1936) in Pößneck. Danach wohnte sie in Gera Sorge 1. Lucie Pauline, wurde mit ihrer Schwägerin Gertrud am 10.5.1942 von Gera in das Ghetto Belzyce deportiert. Während Lucie dort starb, kam Gertrud noch nach Majdanek und wurde dort ermordet.

August Berger (1892–1945)

Nach dem Schulbesuch in Lehmwasser erlernte August Berger den Beruf des Gemeindeschreibers. Danach arbeitete er einige Zeit in Charlottenbrunn. Schliesslich ging er aus finanziellen Gründen 1909 nach Zabrze als Rechnungsgehilfe der Stadtverwaltung. 1912 bewarb er sich – wieder aus wirtschaftlichen Erwägungen – bei der Stadtverwaltung von Apolda und wurde im November als Revisionsgehilfe eingestellt.
Von 1913 bis 1918 wurde er zum Heeresdienst eingezogen. Im März 1919 wurde er zum Sparkassenassistenten ernannt, im Juni 1920 zum Ober-Assistenten und 1921 zum Stadtsekretär, als der er bis 1933 wirkte. Am 6. Mai 1916 heiratete er die Wirtstochter Marie Quendt. Als das jüngste von sechs Kindern kam 1935 der Nachzügler Karl zur Welt. Da war die Familie allerdings bereits in Jessen/Elster.
Bereits Ende der 1920er Jahre wurde der aktive Sozialdemokrat von konservativen Kräften in Stadtrat und Stadtöffentlichkeit angegriffen. Als das Nazigesetz "Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" eingeführt wurde, nutzten Bergers Gegner die Gunst der Stunde, den verhassten Sozialdemokraten aus dem Amt zu drängen. Oberbürgermeister Stegmann betrieb seine Entlassung aus dem Dienst, die am 15. September 1933 besiegelt wurde.
Er zog mit seiner Familie nach Jessen, wo er nun als Revisor und Buchhalter zu seiner knappen Rente noch etwas hinzu verdiente. Im August 1941 wurde er aber nochmals – diesmal vom Nazi-OB Dietz – aufgefordert, für die Stadtverwaltung Apolda tätig zu werden, was aber nur ein Vierteljahr währte. Dann ging er krankheitshalber nach Jessen zurück. Am 24. August 1944 wurde Berger bei der Aktion "Gitter" verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gesperrt. Im Februar 1945 verlor sich seine Spur. Er hat kein Grab bekommen.
In einer Beratung der antifaschistischen Apoldaer Stadtverwaltung wurden 1946 einigen verfolgten und ermordeten Kämpfern gegen das Naziregime Strassennamen gewidmet. Die Straße "An der Sandgrube" trägt seither den Namen "August-Berger-Straße".
Zu DDR-Zeiten wurden an den Hausfassaden der so Geehrten Gedenktafeln zu ihrer Erinnerung angebracht, so auch an seinem letzten Wohnhaus in der Lessingstraße 71. Im März 1993 wurden diese Tafeln zur Demontage freigegeben, und auch die Tafel für August Berger verschwand auf Nimmerwiedersehen, obwohl diese Stücke dem Stadtmuseum übergeben werden sollten. Auch öffentliche Proteste dagegen bewirkten nichts.
Am 6. Oktober 2008 wurde diesem Vergessen-Machen etwas entgegen gesetzt, indem der Künstler Gunter Demnig für den verdienstvollen Sozialdemokraten einen Stolperstein legte. Pate dieses Steines für seinen Vater wurde sein Sohn Karl in Cottbus. Bei diesem Gedenken war auch Bürgermeister Eisenbrand zugegen, der die nach Apolda angereiste Familie von Karl Berger bereits im Rathaus zum Gespräch empfangen hatte. Seit diesem ehrenden Geschehen ist er Ehrenmitglied im Prager-Haus-Verein.

Paul Bamberg (1890–1940)

Paul Bamberg war eines von zehn Kindern in der Familie des Fleischermeisters Friedrich Bamberg und seiner Frau Bertha, geborene Reith. Er besuchte die Volksschule, und anschliessend erlernte er das Fleischerhandwerk. Als er 24 Jahre alt war, wurde er am 18. Dezember 1914 zum Militärdienst eingezogen und nahm an mehreren Schlachten, u.a. an der Maas teil. 1916 wurde er wegen einer akuten Erkrankung in das Festungslazarett Metz eingeliefert. Noch im gleichen Jahr stellten Ärzte fest, dass er nicht nur körperlich, sondern auch an einer psychischen Erkrankung litt. Seine Krankheit wurde als Katatonie, eine Form der Schizophrenie, diagnostiziert. Zugleich wurde festgestellt, dass diese Erkrankung eine Folge seiner Kriegstraumatisierung sei. Im Verlauf der Verschickung in mehrere Kliniken kam er 1917 in das Psychiatrische Universitätsklinikum von Jena. Am 17. Mai 1918 wurde er von dort als "unheilbar" in die Heil- und Pflegeanstalt Blankenhain eingewiesen. 1940 wurden geistig unheilbar Kranke aus der Anstalt weggebracht über die Zwischenstation Zschadrass in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein. Hier wurde er am 18. September 1940 mit Kohlenmonoxid getötet. Udo und Gerhard Bamberg entschlossen sich, für ihren Onkel einen Stolperstein legen zu lassen. Am 6. September 2014 legte Gunter Demnig in Anwesenheit der Neffen und ihrer Ehefrauen sowie Vereinsmitgliedern den Stein vor dem Haus Ritterstrasse 24, in dem Paul Bamberg gewohnt und bei seinem Vater gearbeitet hatte bis zu seiner Einberufung zum "Vaterlandsdienst".

Emma Blandine Jankelowitz (1878–1958)

Emma Blandine "Emmy" (geb. Heilbronner aus Ludwigshafen) war in Gera verheiratet mit dem jüdischen praktischen Arzt Dr. Adolf Jankelowitz (1869-1917). Adolf starb im Alter von 47 Jahren als Feld-Arzt im 1.Weltkrieg. Sie hatten eine Tochter Lilly, (geb.1907 in Gera). Die junge Witwe Emmy (38) und Tochter Lilly (18) zogen 1925 von Gera nach Baden-Baden. Emmy wurde in der Wagner/Bürckel-Aktion verhaftet und kam 1940-44 ins Lager Gurs. Nachdem ihr die Flucht gelang und sie sich versteckte, erlebte sie das Kriegsende in Nizza. Sie lebte sie bis zu ihrem Tod 1958 in Ribeauville. Mit der Erwähnung dieses traditionsreichen Namens an zentraler Stelle wird indirekt weiterer jüdischer Familienmitglieder gedacht: Moses Selig Jankelowitz (1841–1889) und seine Frau Lina (geb. Itzigsohn aus Heydekrug/Ostpreußen, 1849–1930) kamen bereits vor 1887 nach Gera. Sie hatten fünf Kinder: Hermann (geb. 1867–1942 Theresienstadt), Adolf (geb. 1869), Josef (geb.1872), Johanna und Paula (geb. 1880).

Familie Bachmann

Max und Alma Bachmann heirateten Anfang der 1900 Jahre. Wann ihre Tochter, Sophie Bachmann, geboren wurde, ist nicht dokumentiert. Sie lebte in Berlin, bevor sie nach Palästina ausreiste. Umzug nach Themar vor dem 1. Weltkrieg. Die erste Spur ist eine Zeitungsannonce für eine Haushaltshilfe im Dezember 1913. Zu der Zeit lebten die Bachmanns in der Schulstraße 334. Später wohnten sie in einer Wohnung an Schlagetererstr. 11 (heute Römhilderstrasse). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Max Bachmann zweimal verhaftet. In der Reichskristallnacht wurde Max Bachmann mit anderen Männern ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert und im Dezember 1938 wieder nach Themar entlassen. Im Dezember 1939 wurden die Bachmanns wie andere Familien gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen und mit Familie Frankenberg und Sander in ein von der SA zugewiesenes Haus zu ziehen. 1941 wurde Max Bachmann denunziert, weil er keinen Judenstern trug, worauf er verhaftet und in Polizeigewahrsam genommen wurde und mit sofortiger Wirkung der Gestapo in Weimar übergeben wurde. Von dort aus wurde Max Bachmann nach Bernburg deportiert und dort nach seiner Ankunft am 2. März 1942 umgebracht. Alma Bachmann überlebte die erneute Festnahme ihres Mannes nicht und verstarb bereits am 27. November 1941.