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Bima und Toraschrein

Historische Torarolle, heute aufbewahrt im Toraschrein der Neuen Synagoge, 2021 © Jüdische Landesgemeinde Thüringen

Der Toraschein ist das wichtigste bauliche Element in der Synagoge und steht immer erhöht. Auf Hebräisch heißt er Aron ha-Qodesch, was „heiliger Schrein“ bedeutet. Er war in der Erfurter Synagoge prächtig gestaltet: Der rote, goldbestickte Samt seines Vorhangs und das Kerzenlicht unterstrichen die feierliche Stimmung. Die kunstvollen Marmorsäulen trugen eine Kuppel, der ganze Schrein war in der reich ausgeschmückten Apsis des Gebäudes untergebracht.


Bima
Das hebräische Wort Bima bedeutet „Bühne“. Um die Tora zu ehren, verhüllt ein Tuch das Lesepult für die heilige Schrift. Ursprünglich befand sich die Bima in der Mitte des Raumes. Im Reformjudentum des 19. Jahrhunderts wanderte sie zum Toraschrein an der Vorderseite wie hier in der Erfurter Synagoge. Das kleinere, zur Gemeinde gerichtete Lesepult ist der Amud. Das hebräische Wort bedeutet „Pfeiler“. Dort werden die Gebete gesprochen und die Predigt des Rabbiners gehalten. Rabbi bedeutet im Hebräischen „mein Lehrer“ oder „mein Meister“. Als Gelehrter legt er die Tora und andere wichtige religiöse Schriften aus. Als die Große Synagoge eingeweiht wurde, durften nur Männer diese Funktion bekleiden. Inzwischen amtieren in Deutschland auch Rabbinerinnen.


Tora
Die Tora ist die Heilige Schrift im Judentum und umfasst die fünf Bücher Mose. Tora ist hebräisch und bedeutet „Lehre“ oder „Weisung“. Die 54 Abschnitte werden im Zyklus des jüdischen Jahres gelesen. Toralesungen finden am Schabbat, am Montag- und Donnerstagmorgen sowie an Feiertagen statt. Es lesen der Kantor, der Rabbiner oder ein Gemeindemitglied aus der Tora. Voraussetzung sind Kenntnisse der hebräischen Sprache und der besonderen Melodie des Vortrags. Weitere Gemeindemitglieder sagen die Segenssprüche vor und nach der Lesung. Die Tora schreibt ein speziell dafür ausgebildeter Schreiber, der Sofer, mit der Hand auf eine große Pergamentrolle. Die Rolle wird mit zwei Holzstäben weiterbewegt. Das Pergament darf nicht mit der Hand berührt werden, deshalb gibt es einen silbernen Lesestab, den Torazeiger.

Lesung 1. Buch Mose, Vers 1–5 durch Landesrabbiner Alexander Nachama 

Wenn Sie in der virtuellen Rekonstruktion der Großen Synagoge den Torazeiger aufnehmen und festhalten, hören Sie die Lesung des 1. Buch Moses, Vers 1-5 in Hebräisch durch den Thüringer Landesrabbiner Alexander Nachama. Die Übersetzung lautet:

"Im Anfang schuf G'tt den Himmel und die Erde.
Aber die Erde war wüst und wirre und Finsternis über der Flut 
und der Geist G'ttes webend über dem Wasser.
Da sprach G'tt: Es werde Licht. Und es ward Licht.
Und G'tt sah das Licht, dass es gut sei, 
und G'tt schied zwischen dem Lichte und der Finsternis.
Und G'tt nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht. 
Da ward Abend und ward Morgen, ein Tag."