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Chuppa / Baldachin

Chuppa bedeutet „Abdeckung“ oder Schutz“ und bezeichnet einen Baldachin außerhalb der Synagoge, der über einem jüdischen Hochzeitspaar und eventuell noch dem [Rabbiner][1] oder der Rabbinerin aufgespannt wird. Er besteht aus einem Stück Stoff, das an vier Stangen befestigt und über dem Paar gehalten oder aufgestellt wird. Eltern, Trauzeugen und andere Gäste stehen meist außerhalb der Chuppa. Die Chuppa wird oft als Symbol für das Haus des Bräutigams verstanden, in das die Braut nun einzieht, aber auch als die Kammer, in der die Ehe vollzogen wird. Dass der Hochzeitsbaldachin nach allen vier Seiten offen ist, wird oft so verstanden, dass das Haus des neuen Paares offen sein soll für Gäste, so wie einst das Zelt von Abraham und Sara offen für Gäste war. Dass sie unter freiem Himmel steht und die Trauung auch dort vollzogen wird, kann als Hinweis auf Gottes Segen verstanden werden, der die Nachkommen Abrahams so zahlreich machen wollte wie die Sterne am Himmel. Schon im Alten Testament, der hebräischen Bibel, wird von einer Chuppa gesprochen. Unklar ist jedoch, was der Begriff damals bezeichnete. Hochzeitsbaldachine, wie sie heute verwendet werden, sind erst ab dem 16. Jahrhundert bekannt.

[1]: "Rabbiner / Rabbinerin"

Davidstern

Der Davidstern ist ein sechszackiger Stern, der aus zwei überlappenden gleichseitigen Dreiecken besteht, eines mit der Spitze nach oben, das andere mit der Spitze nach unten zeigend. Er wird als grundlegendes Symbol für das Judentum angesehen, obwohl er nicht dort entstanden ist. Erst im Mittelalter und vor allem ab dem 17. Jahrhundert wurde er als Symbol an Synagogen verwendet. Ab dem 19. Jahrhundert nutzte ihn die zionistische Bewegung als ihr Zeichen; er schien ihr geeignet, weil er kein mit der jüdischen Religion verbundenes Symbol war. Während des Nationalsozialismus wurde der Davidstern zum „gelben Stern“ oder „Judenstern“ und diente dazu, Juden auszusondern. Hebräisch heißt der Davidstern Magen David, Schild Davids. Heute findet sich der Magen David auf der Flagge des Staates Israel und bei der israelischen Organisation, die ähnliche Aufgaben wie das „Rote Kreuz“ hat, der „Rote Schild Davids“ (Magen David Adom). Häufig wird er auch als Anhänger an Halsketten getragen.

Der Hochzeitsring im Erfurter Schatz

Das wichtigste Objekt im Erfurter Schatz ist ohne Zweifel der jüdische Hochzeitsring. Der sperrige Ring, der nach mittelalterlicher jüdischer Tradition nur aus reinem Gold ohne Edelsteinbesatz besteht, wurde lediglich während der Hochzeitszeremonie getragen. Aus dem Jahr 1400 ist die Beschreibung einer aschkenasischen Vermählung überliefert, in der die feierliche Handlung wie folgt geschildert wird: „Nach dem Segen rief der Rabbiner zwei Zeugen. Er zeigte ihnen den Vermählungsring und ließ sie bestätigen, daß dieser mindestens den Wert eines Hellers habe. […] Dann forderte er sie auf, genau zuzusehen, wie der Bräutigam die Vermählung mit den Worten vollzog: ‚Durch diesen Ring seiest Du mir angetraut nach dem Gesetz Moses und Israels‘. Dieser steckte daraufhin der Braut den Ring an den Finger neben dem Daumen.“ Der breite Reif aus Erfurt ist an der Unterseite mit der Darstellung ineinander gelegter Hände geschmückt, einem alten Sinnbild für eheliche Treue. An den Seiten des Reifes tragen zwei geflügelte Drachen die fein gearbeitete gotische [Tempel][1]architektur. Auf den glatten Dachflächen steht in sechs gravierten hebräischen Buchstaben die Inschrift „masal tow“, was wörtlich übersetzt „Guter Stern“ heißt und im übertragenen Sinn „Viel Glück“ bedeutet. Jüdische Hochzeitsringe aus allen Jahrhunderten tragen Miniaturgebäude. Die Bedeutung dieser „Häuschenringe“ ist in der Forschung umstritten: Das Gebäude auf den Ringen könnte den Tempel Salomons, eine [Synagoge][2] oder das neu gegründete Haus der Vermählten darstellen. Die Identifizierung mit dem im Jahre 70 u.Z. zerstörten Tempel in [Jerusalem][3] ist allerdings am wahrscheinlichsten. Neben dem Erfurter Ring sind bisher in Mitteleuropa nur zwei weitere jüdische Hochzeitsringe aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts bekannt geworden. Sie stammen aus den Schatzfunden von Colmar und Weißenfels, die bereits im 19. Jahrhundert entdeckt wurden.

[1]: "Tempel"
[2]: "Synagoge"
[3]: "Jerusalem"

Dreidel

Der Dreidel ist ein kleiner bunter Drehkreisel mit vier Seiten, der sich auf einem kleinen Fuß bewegt. Beim Dreidelspiel gewinnen oder verlieren die Spieler ihre Einsätze, je nachdem, wie er fällt. Das Spiel ist legendarisch im Geschehen um das Lichterfest [Chanukka][1] verankert. Es heißt, dass es den Juden unter der griechischen Vorherrschaft in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende verboten war, in der [Tora][2] zu lesen oder sie zu studieren. Wenn die Machthaber den Tora lesenden Juden auf die Schliche kamen, versteckte man schnell das heilige Buch und holte stattdessen diesen besonderen Kreisel hervor, mit dem man zu spielen vorgab. Heute wird das Dreidelspiel vor allem zu Chanukka in Erinnerung an diese Geschehnisse gespielt. Auf dem Dreidel, der meist sehr farbenfroh gestaltet ist, stehen vier hebräische Schriftzeichen: Nun, Gimel, He und Schin. Sie stehen als Abkürzung für den Satz „Ein großes Wunder geschah dort.“ Kauft man jedoch einen Dreidel in Israel lauten die Buchstaben dort: Nun, Gimel, He und Pe, die in diesem Fall für den hebräischen Satz „Ein großes Wunder geschah hier“ stehen. Die Gewinne beim Dreidelspiel sind meist kleine Münzen, die heute oft wohltätigen Zwecken gespendet werden. Spielanleitung: _Du brauchst mindestens zwei Spieler. Jeder hat zehn Münzen zur Hand. Der Dreidel wird gedreht und danach im Uhrzeigersinn weitergegeben. Der Buchstabe, der oben liegt, zeigt an, was du tun musst.
 
· Nes/Wunder steht für „nichts“. Nichts passiert. Du gewinnst nichts und verlierst nichts.
· Gadol/groß steht für „ganz“. Du gewinnst alles. Nimm dir, was in der Mitte liegt.
· Haja/es geschah steht für „halb“. Nimm dir die Hälfte aus der Mitte, plus 1, wenn es eine ungerade Zahl ist.
· Scham/dort steht für „stell“ im Sinne von „lege hinein“. Gib 2 in die Mitte._

[1]: "Chuppa / Baldachin"
[2]: "Tora"

Judeneid

Der Begriff bezeichnet eine Eidesformel für Juden, aufgezeichnet auf einem Stück Papier oder einem Dokument, mit deren Hilfe mittelalterliche Juden einen Schwur vor Gericht ablegen konnten. Damals schwor man im christlichen Kontext auf das Neue Testament oder auf den Namen Jesu Christi, was aber den Juden nicht möglich war. Daher wurde für die nichtchristliche Bevölkerungsgruppe der Juden im Mittelalter ein besonderes Eidformular benötigt. Der älteste Judeneid aus dem Mittelalter hat sich in Erfurt erhalten.

Kippa

Die Kippa, eine kreisförmige Kopfbedeckung, die traditionell von Männern und heute manchmal auch von Frauen getragen wird, drückt die Ehrfurcht vor Gott aus und den Gedanken, dass es etwas gibt, das „über einem“ existiert. Vor Gott bedeckt man ehrfürchtig das Haupt beim Gebet, beim Studium religiöser Texte und besonders in der [Synagoge][1] und auf dem [Friedhof][2]. Übrigens: Das Tragen einer Kopfbedeckung ist im Judentum ein (alter) Brauch, kein Gebot! Kippot (Plural) sind in Israel und in anderen Gegenden, in denen viele Juden leben, Teil des Alltags und überall zu sehen. Dort, wo Juden wegen ihres Glaubens angegriffen werden oder wo nur wenige Juden leben, verbergen sie ihre Kippa oft unter Hüten oder Mützen. Manche entschließen sich auch, die Kippa nur in geschlossenen Räumen oder zu Hause aufzusetzen, um verbale oder andere Angriffe zu vermeiden. Kippot können sowohl einfach wie auch farbenprächtig sein. Sie werden genäht, gehäkelt oder gestrickt und bestehen aus den unterschiedlichsten Materialien. Manchmal kann man darin eine Aussage erkennen: Ältere deutsche Juden bevorzugen eine schlichte schwarze Kippa, und in Israel kann man mit einer gestrickten oder aber gehäkelten Kippa eine politische Aussage verbinden. Dort enthalten Kippot für Kinder auch Motive aus Kinderfernseh-Programmen. Wer seine Kippa im Freien trägt, tut gut daran, sie mit einer Klammer oder Spange in den Haaren zu befestigen. Wem diese in ausreichendem Maße fehlen, auf eine Art Pflaster zurückgreifen, um sie zu befestigen. 

[1]: "Synagoge"
[2]: "Friedhof"

Menora

Die Menora ist ein siebenarmiger Leuchter mit je drei Lichtern an den beiden Armen und einem auf der Mittelsäule. Eine mögliche Deutung: Die Menora symbolisiert die Schöpfung der Welt in sieben Tagen. Verbunden ist die Menora mit dem Heiligtum ([Tempel][1]) in [Jerusalem][2]. Die Bauanleitung ist im 2. Buch Mose, Kapitel 25,31–40, aufgeschrieben. Eine Darstellung kann auf dem Titus-Bogen in Rom gefunden werden, auf dem Gegenstände aus dem geplünderten Jerusalemer Tempel abgebildet sind. Weil die Menora in den Tempel gehört, benutzen religiöse Juden keinen siebenarmigen Leuchter. Deshalb entstanden Leuchter mit sechs, acht oder neun Armen; ein solcher mit acht Armen (plus einem Licht als „Helfer“ zum Anzünden) wird zu [Chanukka][3] genutzt und „Chanukkia“ genannt. In den [Synagogen][4] brennt hingegen das „ewige Licht“, auf Hebräisch „Ner Tamid“. Das Symbol der Menora wurde vom Staat Israel übernommen. Es erscheint im Staatswappen, auf Dokumenten und Münzen.

[1]: "Tempel"
[2]: "Jerusalem"
[3]: "Chanukka"
[4]: "Synagoge"

Mesusa

Eine Mesusa, auf Deutsch „Türpfosten“, ist eine längliche Kapsel aus Holz, Metall oder Glas (das Material ist nicht festgelegt), die in der oberen Hälfte des rechten Türrahmens in  jüdischen Häusern und Wohnungen schräg stehend befestigt wird (mit Ausnahme von Badezimmern und Toiletten). Sie enthält eine kleine Pergamentrolle mit Abschnitten aus der Tora (5. Mose 6,4–9 und 11,13–21). Viele Jüdinnen und Juden schreiben der Mesusa eine schützende Wirkung zu. Sie berühren die Mesusa, wenn sie durch die Türen gehen und küssen danach die Hand, die die Mesusa berührt hat. Aber auch für weniger fromme Juden steht sie symbolisch für den Segen, den man sich für das Haus oder die Wohnung erhofft. Der eigentliche Grund für das Anbringen einer Mesusa ist jedoch das biblische Gebot: „Schreibe sie (diese Worte) an die Pfosten deines Hauses und in deine Tore!“ (5. Mose 6,9 und 11,20)

Misrach

Misrach ist das hebräische Wort für „Osten“. Beim Gebet bezeichnet es die Richtung, in die Jüdinnen und Juden beten und sich verneigen. Dabei geht es aber nicht um die Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs sondern die Richtung, in der [Jerusalem][1] und damit der einstige [Tempel][2] liegt. In der Architektur von [Synagogen][3] wird die nach Osten zeigende Wand als Misrachwand bezeichnet. Dort befindet sich der [Toraschrein][4], darüber oft ein kleines Fenster, Misrachfenster genannt. Auch in Privathäusern wird die Ostrichtung gekennzeichnet, und zwar mit einem kleinen Teppich, einer Zeichnung oder ähnlichem, an denen man sich beim Gebet orientieren kann. Diese sind oft sehr aufwendig gestaltet, enthalten den Gottesnamen oder die Namen der zwölf Stämme Israels, Symbole, Bilder vom Tempelberg oder eine [Menora][5]. Dieses Objekt, das die Gebetsrichtung im Haus zeigt, wird ebenfalls Misrach genannt.

[1]: "Jerusalem"
[2]: "Tempel"
[3]: "Synagoge"
[4]: "Toraschrein"
[5]: "Menora"

Schofar

Das Blasinstrument Schofar wird aus dem Horn eines Widders oder Schafbocks gefertigt und in den [Synagogen][1] zu [Rosch Haschana][2] und in den vier Wochen davor geblasen. Im Alten Testament, der hebräischen Bibel, begleitete ein Schofar das Volk Israel in den Kampf. Sein lauter Ton half, die Feinde zu erschrecken und Mauern einfallen zu lassen, wie es zum Beispiel im Buch Josua 6,20 oder auch beim Propheten Amos 3,6 beschrieben ist. Im 3. Buch Mose 25,9-10 wird es im sogenannten Jubeljahr geblasen, um den Sklaven die Freiheit zu verkünden. Beim Propheten Jesaja 58,1 wird das Schofarblasen mit dem Gericht Gottes an Israel verbunden, was wohl der Ursprung für die heutige Nutzung an den hohen Feiertagen ist.

[1]: "Synagoge"
[2]: "Rosch HaSchana"

Torafinger

Der sogenannte Jad (hebräisch für „Hand“) besteht meist aus einem Stab, an dem sich vorn eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befindet. Oft sind Stab und Hand aus Silber gefertigt. Der Torafinger hat zwei Funktionen. Zum einen soll er die kostbaren [Tora][1] rollen, die von einem [Sofer][2] oder Toraschreiber in mühsamer Handarbeit gefertigt wurden, vor Verschmutzung schützen. Vor allem ist es jedoch die Heiligkeit der Tora, aus der folgt, dass sie nur mit dem Torafinger, nicht aber mit der eigenen Hand berührt wird, wenn man in der [Synagoge][3] aus ihr vorliest. Zum anderen dienen die Torafinger als Lesehilfe beim Gottesdienst, um die Zeile nicht zu verlieren. Sie werden mit den Torarollen im [Toraschrein][4] aufbewahrt.

[1]: "Tora"
[2]: "Schofar"
[3]: "Synagoge"
[4]: "Toraschrein"

Torawimpel

Torawimpel sind textile Bänder, die um die [Tora][1]rollen in der [Synagoge][2] gewickelt sind und oft aus Beschneidungswindeln gefertigt wurden. Sie verbinden als rituelle Gegenstände das Ritual der [Beschneidung][3] (erste Nutzung des Bandes als Windel) mit dem der [Bar Mizwa][4] (zweite Nutzung als Geschenk der Familie an die Gemeinde). Torawimpel sind Zeugnisse von jüdischer Volkskunst; sie sind oft bedruckt, bemalt oder bestickt und zeigen Menschen, Tierkreiszeichen, Hochzeitsszenen oder Toradarstellungen. Außerdem geben sie genealogische Hinweise, da sie den hebräischen Namen des Kindes, das Geburtsdatum und auch oft den Namen des Vaters vermerken.

[1]: "Tora"
[2]: "Synagoge"
[3]: "Beschneidung"
[4]: "Bar Mizwa / Bat Mizwa"