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Purim

Beim Purimfest wird an die Rettung der Juden in Persien erinnert. Im biblischen Buch Ester wird erzählt, dass der persische Minister Haman versucht hatte, alle Juden in seinem Reich auszurotten. Ester aber, eine Jüdin, die mit dem persischen König verheiratet war, konnte durch Diplomatie und Geschick die Ränke des Ministers behindern und die Juden retten. Zu Purim gibt es eine Reihe von lokalen Bräuchen. Vielerorts kostümieren sich die Kinder und es werden Purimspiele aufgeführt, die die Geschichte der Königin Ester neu erzählen. Vermutet wird, dass die Tradition des Verkleidens vom christlichen Karneval beeinflusst ist, der etwa zeitgleich stattfindet. Zum Purimfest gehören auch Geschenke, festliche Speisen und Spenden für Arme. Typische kulinarische Spezialitäten sind die sogenannten Hamentaschen, dreieckige Gebäckstücke aus Kuchenteig gefüllt mit Mohn, Früchten, Rosinen, Mandeln oder anderen süßen Zutaten. Sie symbolisieren den dreieckigen Hut des persischen Ministers Haman, der von Ester besiegt wurde. Auch alkoholische Getränke sind an diesem Tag erlaubt, wird im biblischen Text doch auch von einem Fest- und Trinkgelage nach der Rettung der Juden gesprochen. In Israel werden die Umzüge und Feierlichkeiten zu Purim dann auch „Ad-lo-jada“ genannt, übersetzt „bis man nicht mehr weiß (was man tut)“. Geht man zum Purimfest in die [Synagoge][1], wird das biblische Buch Ester feierlich verlesen, während die Gemeinde jedes Mal, wenn der Name Haman verlesen wird, mit Ratschen klappert, rasselt, mit den Füßen stampft oder anders Lärm macht. Der oder diejenige, die vorliest, muss an diesen Stellen dann pausieren, denn beim Verlesen des heiligen Textes soll kein Wort verpasst werden.
 
Rezept für Hamentaschen:
Zutaten für den Teig: 375 g Mehl, 225 g Zucker, 175 g Butter oder Margarine in Zimmertemperatur, 1 Ei, jeweils 1 TL Vanillezucker, Natron, Salz
Zutaten für die Füllung: 160 g gemahlener Mohn, 60 g Zucker, 3 EL Honig, Saft 1 Zitrone, 100 ml Apfelsaft, 2 EL Rosinen

Zubereitung:
- Butter, Zucker, Vanillezucker schaumig schlagen
- Ei, Orangensaft nach und nach hinzugeben
- Mehl, Salz, Natron unterrühren
- aus dem glatten Teig eine Kugel formen, in Folie wickeln, 3-4 Stunden kühlen
- Backofen auf 175 Grad vorheizen
- Teig ausrollen, nicht zu dünn, Scheiben von circa 8 cm Durchmesser ausstechen
- Füllung in die Mitte
- von drei Seiten Ränder umklappen, sodass eine Dreiecksform entsteht, Ränder leicht andrücken
- auf Backpapier 15 Minuten bei 175 Grad backen

[1]: "Synagoge"

Rabbiner / Rabbinerin

Der Begriff „Rabbiner“ bedeutet „Meister“ oder „Lehrer“ und geht auf das hebräische Wort für „groß“ zurück. Rabbiner oder Rabbinerin empfangen im Gottesdienst der [Synagoge][1]  zusammen mit dem Kore und dem [Kantor][2] oder der [Kantorin][2] die Torarolle, die aus dem [Toraschrein][3] genommen wurde, an der [Bima][4]. Seine/ihre Hauptaufgabe in der Gemeinde ist es, die [Tora][5] zu lehren und, darauf basierend, religiöse Entscheidungen zu treffen. Im Gottesdienst legt er/sie die Tora aus, im zivilen Bereich in der [Diaspora][6] hat er/sie auch eine richterliche Rolle, vor allem, wenn es um Ehescheidungen geht. Zudem leitet er/sie die Gemeinde und hat seelsorgerliche Aufgaben. Als ersten Rabbiner nennt die [Mischna][7] Jochanan ben Sakkai, der im ersten Jahrhundert vor unserer Zeit tätig war. Die Aufgabe der frühesten Rabbiner war es, die schriftliche und mündliche Tora zu diskutieren und für die Nutzung durch die Gemeinden zu kodifizieren, d.h. in ihrer Auslegung festzulegen. Heute erfolgt die Ausbildung von Rabbinern und Rabbinerinnen in einer [Talmud][8]hochschule („Jeschiwa“), im Rabbinerseminar oder durch ein Studium an einer jüdischen Hochschule. Die Ausbildung dauert fünf bis sieben Jahre und beinhaltet wissenschaftliche Methoden zur Auslegung der Schriften und ein Studium der Religion, Kultur, Literatur und Geschichte des Judentums. Rechtsgelehrsamkeit und Hebräisch kommen hinzu. Die Einsetzung als Rabbiner oder Rabbinerin heißt „Semicha“. Ob auch Frauen die Funktion einer Rabbinerin ausüben dürfen, kommt auf die Frömmigkeitsrichtung der Gemeinde an. In orthodoxen Gemeinden werden sie meist nicht ordiniert, es gibt aber orthodoxe rabbinische Studentinnen. Die erste ordinierte Rabbinerin in Deutschland war Regina Jonas aus Berlin; sie wurde 1935 durch einen Reform-Rabbiner ordiniert, 1944 ermordet. In den USA erhielt Sally Jane Priesant 1972 die Ordination als erste weibliche Rabbinerin. 2009 wurde Sara Hurwitz vom modern-orthodoxen Rabbiner Avi Weiss ordiniert. Sie trug den Titel „Maharat“ und arbeitet in einer modern-orthodoxen Gemeinde als Rabbinerin. Seit 2010 trägt sie den Titel „Rabba“, was innerhalb der jüdischen Orthodoxie und vor allem in der Ultraorthodoxie heftige Kritik hervorgerufen hat.

[1]: "Synagoge"
[2]: "Kantor / Kantorin"
[3]: "Toraschrein"
[4]: "Bima"
[5]: "Tora"
[6]: "Diaspora"
[7]: "Mischna"
[8]: "Talmud"

Rekonstruktionistisches Judentum

Das Judentum ist in seinen Strömungen bunt und vielfältig und auch regional verschieden. So entwickelte sich das Rekonstruktionistische Judentum aus dem [Konservativen Judentum][1] (Conservative Judaism), das selbst im 19. Jahrhundert aus dem amerikanischen [Reformjudentum][2] entstand und sich zwischen demorthodoxen und dem Reformjudentum ansiedelt. Der Rabbiner Mordechai Menahem Kaplan begründete die Bewegung in den 1930er Jahren. Heute gehören ihr etwa 1% der Juden an, die vor allem in den USA leben. Ihr Dachverband ist die „Jewish Reconstructionist Federation“, die etwa 100 Gemeinden und Gruppen umfasst. 
Im Rekonstruktionismus wird das Judentum nicht als Religion verstanden, sondern als religiöse Zivilisation, die Regeln und Rituale umfasst, aber auch Literatur, Musik, Kunst, Sprache usw. Die [Tora][3] sei nicht, wie [orthodox][4]e Juden glauben, durch göttliche Offenbarung zu den Menschen gekommen, sondern sei durch die Menschen selbst entstanden. Jede Gemeinde und jeder Jude/jede Jüdin soll nun die Tradition neu studieren und auf sich anwenden. Im Rekonstruktionistischen Judentum sind Männer und Frauen gleichberechtigt, seit 1974 werden dort auch Frauen ordiniert. Die erste geschlechtergerechte Liturgie, die Gott nicht nur mit männlicher Sprache benennt, entstand in dieser Bewegung.

[1]: "Konservatives Judentum"
[2]: "Liberales Judentum / Progressives Judentum / Reformjudentum"
[3]: "Tora"
[4]: "Orthodoxes Judentum"

Rosch HaSchana

Mit dem Wunsch „Schana Towa“ („Ein gutes neues Jahr!“) wünscht man sich im Judentum am Neujahrstag Rosch HaSchana Glück für das, was kommt. Rosch HaSchana ist einer der höchsten Feiertage im jüdischen Kalender und soll an den Bund zwischen Gott und Gottes Volk Israel erinnern. Zum einen geht es dabei um den Dank für Gottes vergangenes Handeln, zum anderen auch darum, an den Bund zwischen Gott und den Menschen zu denken, der weiterhin gültig ist. Für Rosch HaSchana gibt es verschiedene persönliche und lokale Rituale, die den Tag als einen besonderen markieren. Manche gehen an ein fließendes Gewässer und werfen einen Stein oder ein Stückchen Brot hinein, um die Fehler des vergangenen Jahres hinter sich zu lassen. Anderswo öffnet man einen Granatapfel und verzehrt die vielen saftigen Kerne in der Hoffnung, dass das eigene Leben ebenso mit vielen guten Ereignissen und Taten gefüllt sein möge. Ein in Honig getauchter Apfel, der bei Tisch gereicht wird, verkörpert den Wunsch, dass das neue Jahr süß sein möge. Ein süßes frisch gebackenes Weißbrot, die Challe, wird als Kranz geformt und auf den Tisch gelegt, um der Hoffnung ein Bild zu geben, dass das neue Jahr „rund“ wird. Höhepunkt vieler Feiern, auch in der [Synagoge][1], ist das Blasen des [Schofar][2], des Widderhorns. Es erinnert an die geplante Opferung Isaaks durch Abraham im 1. Buch Mose der Hebräischen Bibel, die von Gott im letzten Moment verhindert wurde, oder auch an die Eroberung Jerichos oder an die Krönung eines Königs in Israel. Zu Rosch HaSchana soll es einen Weckruf darstellen, der die Menschen auf den Weg zu Gott zurückbringt.

Rezept für einen Süßen Challe-Kranz:
Zutaten: 250 ml handwarmes Wasser, 2 gehäufte TL Trockenhefe, 500 g Mehl Typ 550 (Weizen oder Dinkel), 7 Eigelbe, 50 g Zucker,
2 TL Salz, 90 ml Rapsöl, 1 Ei, jeweils 2 EL Sesamsaat und Mohn zum Bestreuen

Zubereitung:
- Mehl, Eigelbe, Zucker, Salz, Öl in große Schüssel geben und vermischen
- Trockenhefe und Wasser verrühren und hinzugeben
- alles verkneten bis sich der Teil vom Schüsselrand löst und einen Ball formen
- Schüssel mit Tuch bedecken und Teig ruhen lassen, bis er sich im Volumen verdoppelt hat
- kräftig kneten, Teil teilen und drei Rollen formen
- die drei Rollen an einem Ende zusammenlegen und einen Zopf flechten, das Ende wieder zusammendrücken (zum Schabbat wird das Challe-Brot eher länglich geformt, zu Rosh Hashana eher als ein Kranz)
- Ofen auf 175 Grad vorheizen
- Ei verquirlen, Brot / Kranz damit bestreichen, mit Samen bestreuen
- 20–25 Minuten backen
Das Brot hält sich einige Tage, wenn es luftdicht verschlossen aufbewahrt wird.

[1]: "Synagoge"
[2]: "Schofar"

Schabbat

Der Schabbat wird wöchentlich gefeiert. Er ist der Ruhetag, der Freitag bei Sonnenuntergang beginnt und am Samstagabend endet, und geht auf das biblische Gebot zurück, dass der Schabbat geheiligt bzw. gehalten werden soll. Das hebräische Wort „schabbat“ findet sich bereits im ersten Kapitel der Bibel, wenn es heißt, dass Gott am siebenten Tag der Schöpfung von allem ruhte und damit das göttliche Werk und damit die Welt vollendete. Vor Beginn des Schabbat, also Freitagabend, soll die [Synagoge][1] aufgesucht werden, wo der siebte Tag wie eine Person mit Psalmen und einem Lied begrüßt wird, das Israel als Bräutigam und den Schabbat als Braut darstellt („Lecha Dodi“). Zu Hause werden die Schabbatlichter festlich entzündet und u.a. Brot und Wein serviert. Wie in der Synagoge und zu Hause dann im einzelnen gefeiert wird, was beim Festmahl serviert wird, wie streng man persönlich die Schabbatruhe einhält, alles das orientiert sich an lokalen Gepflogenheiten und an den persönlichen Überzeugung in den jüdischen Gemeinschaften und Familien. In manchen Familien wird das Essen für den Schabbat vorbereitet und in Kochkisten warmgehalten, damit niemand am Ruhetag für die Speisen arbeiten muss. In manchen Hotels gibt es Aufzüge, die in jeder Etage anhalten, sodass keiner und keine einen Knopf drücken muss, um ein- oder auszusteigen. Viele moderne Juden verzichten an diesem Tag auf das Smartphone. Die dahinterstehende Idee ist, dass man sich an diesem Tag ganz Gott widmet und – wie es in der Bibel von Gott berichtet wird – am siebenten Tag der Woche ganz und gar ausruht. Wie genau das aussehen sollte, wurde und wird weiter diskutiert. So ist es immer erlaubt, Lebewesen zu retten, die in Gefahr sind, selbst wenn das mit „Arbeit“ zu tun hat, denn das Leben steht auch am Schabbat an erster Stelle. Der Schabbat wird normalerweise nach Einbruch der Nacht am Samstag beendet, Gebete und ein Synagogengang gehören für viele dazu. Wichtig ist dabei das Ritual der „Hawdala“ (Deutsch: „Unterscheidung“/„Trennung“), drei Segenssprüchen über Wein, Wohlgerüche und Licht, die symbolisch zwischen Feiertag und Werktag, zwischen heilig und nicht-heilig (profan), trennen sollen.

[1]: "Synagoge"

Schawuot

Schawuot, das Wochenfest, wird aus zwei Gründen begangen. Zum einen wurde in biblischer Zeit das „Fest der Erstlinge“ gefeiert. Im [Jerusalem][1]er [Tempel][2] wurden zu diesem Fest zwei Brote geopfert, die aus frisch geerntetem und gemahlenem Mehl hergestellt waren. Mit ihnen sollte Gott für die neue Ernte gedankt werden. Zum anderen wird an die Verkündung der Gebote, im weiteren Sinne an die Gabe der [Tora][3] an Mose auf dem Sinai erinnert, die die Verbindung zwischen Gott und Gottes Volk knüpfen. Die [Synagoge][4] wird an diesem Tag mit frischem Grün und besonderem Blumenschmuck versehen, um an die neue Ernte zu erinnern.

[1]: "Jerusalem"
[2]: "Tempel"
[3]: "Tora"
[4]: "Synagoge"

Schoa / Holocaust

Für die Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten in den 1930er und 1940er Jahren gibt es zwei Bezeichnungen: Schoa und Holocaust. Der Begriff Schoa bedeutet „Katastrophe“, „Untergang“ oder „Zerstörung“ und wird seit 1948 für den Massenmord an den Juden verwendet. In der Bibel, beim Propheten Jesaja 10,3, wird er für eine ausländische Bedrohung des Volkes Israel genutzt. Holocaust kommt aus dem Griechischen und bezeichnet das vollständige Verbranntsein, auch eine Brandopferung von Tieren. Im Mittelalter wird das Wort Holocaust auch auf den Feuertod von Menschen angewandt, etwa durch Brandkatastrophen oder Verbrennungen. Im späten 19. Jahrhundert wird er hin und wieder für den Völkermord an den Armeniern genutzt, ab den 1940er Jahren im englischsprachigen Bereich für den Mord an den Juden. Diskutiert wird heute, ob der Begriff tatsächlich für die systematische Vernichtung der Juden im Dritten Reich geeignet ist, weil er den Opfergedanken einschließt und auch inflationär auf andere Völkermorde oder auch das Artensterben, Massentierhaltung oder Schwangerschaftsabbrüche angewandt wird. Unter Juden wird deshalb eher der Begriff Schoa verwendet. Seit 1951 wird in Israel der [Jom HaSchoa][1] begangen, um der Opfer der Schoa zu gedenken.

[1]: "Jom Haschoa"

Schofar

Das Blasinstrument Schofar wird aus dem Horn eines Widders oder Schafbocks gefertigt und in den [Synagogen][1] zu [Rosch Haschana][2] und in den vier Wochen davor geblasen. Im Alten Testament, der hebräischen Bibel, begleitete ein Schofar das Volk Israel in den Kampf. Sein lauter Ton half, die Feinde zu erschrecken und Mauern einfallen zu lassen, wie es zum Beispiel im Buch Josua 6,20 oder auch beim Propheten Amos 3,6 beschrieben ist. Im 3. Buch Mose 25,9-10 wird es im sogenannten Jubeljahr geblasen, um den Sklaven die Freiheit zu verkünden. Beim Propheten Jesaja 58,1 wird das Schofarblasen mit dem Gericht Gottes an Israel verbunden, was wohl der Ursprung für die heutige Nutzung an den hohen Feiertagen ist.

[1]: "Synagoge"
[2]: "Rosch HaSchana"

Schulhaus

Die Bildung nimmt im Judentum eine besondere Stellung ein. Das Weitererzählen jüdischer Traditionen, das Studium der [Tora][1], die Hinführung zu jüdischen Werten und jüdischer Lebensweise waren schon immer wichtige Aspekte im Familienleben. Schon im Alten Testament, so z.B. im Buch der Sprüche, geht es um Bildung und Erziehung in der Weisheit Gottes, ist von Lehrern und Schülern die Rede. Und auch im modernen Judentum werden schon ganz kleine Kinder an die jüdischen Traditionen herangeführt. So ist es die Rolle des jüngsten Kindes, zu [Pessach][2] traditionelle Fragen zum Fest und zur jüdischen Tradition zu stellen, die dann in der Festgemeinde beantwortet werden. Neben dem Studium der Tora sind es vor allem die Traditionen und Rituale in der Familie, wie das Feiern der Feste im Jahreskreis, das Berühren der [Mesusa][3] am Türpfosten, das Verzehren traditioneller Speisen, die jüdische Traditionen weitervermitteln. Bildung fand schon im antiken und mittelalterlichen Judentum in den Familien und vor allem in den [Synagogen][4] statt, die auch „Beit ha-Midrasch“, „Ort des Studiums“ oder jiddisch „Schul“ genannt wurde. Dort lehrte man Tora, Talmud und die Werke kleinerer rabbinischer Gruppierungen. Bei den Kindern begann die Einführung in das Lesen der Heiligen Schriften wohl schon im Alter von sechs Jahren. Für Jungen und Männer war es Verpflichtung, aber auch Mädchen und Frauen wurden durch verschiedene jüdische Strömungen und Lehrer immer wieder dazu ermuntert. In der Zeit der Aufklärung stellte man sich die Frage, ob jüdische Bildungseinrichtungen zum Erhalt des Judentums beitragen können, oder ob sie eine Assimilierung in die jeweiligen Kulturen eher behindern. Neue Schulgründungen spiegelten die verschiedenen Strömungen in der jüdischen Aufklärung wider, auch die Bildung von Mädchen wurde jetzt stark gefördert. Jüdische Lebensformen und Erziehungsstile wurden noch vielgestaltiger, und auch die Bildung von Erwachsenen wurde wieder verstärkt in den Blick genommen. Im Nationalsozialismus kam offizielle jüdische Bildung zum Erliegen. Schon in den 1930er Jahren wurden jüdische Lehrerinnen und Lehrer aus dem Schuldienst verdrängt, jüdische Schülerinnen und Schüler wurden ausgegrenzt und durften nur noch zu einem bestimmten, niedrigen Prozentsatz die öffentlichen Schulen besuchen. Später wurden sie ganz von der Schule ausgeschlossen, das jüdische Schulwerk ganz aus dem deutschen Schulwesen verdrängt. Als jüdische Bürgerinnen und Bürger in „Judenhäuser“ und Ghettos zwangsumgesiedelt wurden, war dort nur noch ein illegaler und sehr begrenzter Schulalltag möglich. Teilweise wurden ganze Schulen, Internate und Kinderheime mit Kindern und Pädagogen deportiert. 1942 waren dann die letzten jüdischen Bildungseinrichtungen geschlossen. Nach dem Krieg dauerte es lange, bis normales jüdisches Leben und jüdische Bildung in Deutschland wieder neu entstehen konnten. Laut der Aufstellung beim Zentralrat der Juden gibt es gegenwärtig in Deutschland jüdische Krippen und Kindergärten in 18 deutschen Städten, so z.B. in Berlin, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Hamburg, München und Frankfurt. In sieben Städten gibt es insgesamt neun jüdische Grundschulen und sieben weiterführende jüdische Schulen, die alle staatlich anerkannte Ersatzschulen (Privatschulen) sind. In der Regel werden sie von jüdischen und nicht-jüdischen Schülern besucht. Judentum, jüdische Feste und Traditionen und die hebräische Sprache sind Teil des Schulalltags.

[1]: "Tora"
[2]: "Pessach"
[3]: "Mesusa"
[4]: "Synagoge"

Septuaginta

Große jüdische Bevölkerungsgruppen lebten schon seit dem babylonischen [Exil][1] (586 v.u.Z.) in der [Diaspora][2], d.h. außerhalb des Landes Israel und passten sich dortigen Gegebenheiten an: Ein Kernsatz im Judentum lautet: „Dina malkuta dina“; das Gesetz eines Landes ist Gesetz. So war auch ihre Alltagssprache meist nicht Hebräisch, schon gar nicht das biblische Hebräisch. Im hellenistischen Kulturbereich bemühten sich die Juden deshalb um eine griechische Übersetzung der Bibel. Es entstand die sogenannte Septuaginta. Der Name basiert auf der Legende, dass 70 Männer damit beauftragt wurden, die Hebräische Bibel ins Griechische zu übersetzen. Sie taten das individuell und in Abgeschiedenheit. Als sie wieder zusammenkamen, stellte man fest, dass die 70 Übersetzungen genau deckungsgleich waren. Bedenkt man, dass jede Übersetzung Interpretation ist und jeder Übersetzer eigene Ideen und eigene Wortwahl einbringt, ist das als großes Wunder zu verstehen. Das Wunder war ein göttliches, will die Legende  vermitteln, denn Gott wollte, dass auch die griechische Übersetzung Gottes Wort ist. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nutzen die Septuaginta heute, um das Textwachstum der Bibel nachzuvollziehen. Tatsächlich ist es nämlich so, dass Hebräische Bibel und griechische Übersetzung nicht in allen Punkten übereinstimmen. Manche biblischen Texte kamen dazu, andere wurden verlängert oder verkürzt. Oft werden andere Wörter benutzt, die zeigen, wie eine bestimmte Geschichte zur Zeit der griechischen Übersetzung verstanden wurde. Die Septuaginta ist also ein Fenster in das frühe hellenistische Judentum, in zeitgenössische Vorstellungen von Gott und in die Texte, die man als autoritativ ansah.

[1]: "Exil"
[2]: "Diaspora"

Sofer

Ein Sofer ist ein speziell ausgebildeter Schreiber, der die [Tora][1] per Hand auf eine große Pergamentrolle schreibt, die dann im Gottesdienst in der [Synagoge][2] verwendet werden kann. Dazu bereitet sich der Sofer mit bestimmten Gebeten vor und benutzt auch besondere Tinte und besonderes Pergament, auf dem der Text verzeichnet wird. Fehler dürfen beim Schreiben nicht gemacht werden, denn sonst ist der Text nicht perfekt und entspricht nicht der Heiligkeit des Wortes Gottes. Ein Sofer schreibt neben den Torarollen auch Texte für die Nutzung in der [Mesusa][3] oder Verheiratungsurkunden. Daher ist Sofer ein Beruf, der auch im zivilen Bereich eine Bedeutung hat.

[1]: "Tora"
[2]: "Synagoge"
[3]: "Mesusa"

Stolpersteine

Das Projekt „Stolpersteine“ wurde in den 1990er Jahren von dem Künstler Gunter Demnig begonnen. Er verlegt im Boden vor den Wohnhäusern von NS-Opfern kleine Messingtafeln in der Größe 96 x 96 mm und 100 mm Höhe. Auf ihnen vermerkt sind die Namen und, wenn möglich, Lebensdaten von Menschen, die im Verlauf der Herrschaft des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Zunächst als eine Erinnerung an Sinti und Roma gedacht, gibt es nun Stolpersteine für alle von den Nationalsozialisten verfolgte Gruppen, die meisten natürlich für jüdische Menschen. 

Demnigs Idee war, den Ermordeten, die in den Konzentrationslagern oft nur mit einer Nummer bezeichnet waren, wieder einen Namen zu geben. Das Bücken vor den Steinen, das erforderlich ist um den Text zu lesen, soll eine Verbeugung vor den Opfern symbolisieren. 

Inzwischen gibt es über 75.000 Stolpersteine in Deutschland und Europa, darunter auch viele in Thüringen so zum Beispiel in Altenburg, Apolda, Bad Blankenburg, Eisenberg, Gera, Kahla, Rudolstadt, Saalfeld, Weida und Zella-Mehlis. Zusammen stellen sie ein großes, vielleicht das größte, dezentrale Mahnmal dar. Das Projekt hat aber auch seine Kritiker. So empfindet es Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kulturgemeinde München als „unerträglich“, dass die Namen von Juden „mit Füßen getreten werden“.

Sukkot

Das Laubhüttenfest Sukkot ist eines der drei jüdischen Wallfahrtsfeste, das an die biblische Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten erinnern soll. Gleichzeitig ist es das „Fest des Einsammelns“ und ein Dankfest für die Ernte, vor allem für die Obst- und Weinernte. Typisch für dieses Fest ist der Feststrauß (Hebräisch: „Lulaw“) aus Zweigen der Dattelpalmen, Myrte und Bachweide sowie einer Zitrusfrucht (Hebräisch: „Etrog“). Dieses Gebinde wird auch im Gottesdienst in der [Synagoge][1] genutzt. Zu Sukkot wohnt man in selbstgebauten Hütten (Hebräisch: „Sukkot“), die im Garten oder Hof vor dem Haus oder sogar auf dem Balkon der Wohnung aufgestellt werden. Sie sollen das unsichere Leben versinnbildlichen, als das alte Israel durch die Wüste in das Gelobte Land zog. Diese Hütten sollen kein festes Dach besitzen, sondern sind mit Zweigen bedeckt. Das Dach soll so dicht sein, dass bei Tag im Inneren der Schatten überwiegt, bei Nacht aber die Sterne zu sehen sind. Die Hütten werden außerdem wohnlich gestaltet und besonders liebevoll geschmückt. Wohnt man in einer warmen Klimazone, wird die gesamte Woche in der Hütte verbracht, in kälteren Breiten werden dort nur die Mahlzeiten eingenommen. An vielen Tagen von Sukkot werden besondere Rituale durchgeführt, so am Tag „Schemini Azeret“ ein Gedenken an die Toten oder am Tag „Simchat Tora“ eine siebenfache Prozession der [Tora][2]rollen durch die Synagoge.

[1]: "Synagoge"
[2]: "Tora"

Synagoge

Im Griechischen bedeutet der Begriff „Synagoge“  „Versammlung“ oder „Vereinigung“, später wurde er z.B. im Neuen Testament auch als „Versammlungsort“ übersetzt. Im rabbinischen Judentum und auch heute wird die Synagoge als „Bet ha-Knesset“ (Haus der Versammlung) oder „Bet ha-Midrasch“ (Ort des Studiums) bezeichnet, auch der jiddische Begriff „Schul“ ist üblich. Schon im sogenannten [Exil][1], als Teile der jüdischen Bevölkerung von den Assyriern und Babyloniern Jahrhunderte vor der Zeitenwende aus Israel deportiert wurden, gab es im Mittelmeerbereich erste Synagogen. Sie waren die Zentren der versprengten Gemeinden und Orte für den Gottesdienst, der üblicherweise am [Jerusalem][2]er [Tempel][3] hätte stattfinden sollen. Als dieser im Jahr im Jahr 70 u.Z. von den Römern zerstört wurde, wurden die Synagogen zum einzigen Zentrum des Judentums und zum Symbol jüdischer Identität. Diese Funktion erhielten sie sich in der Spätantike und darüber hinaus. 
Als Zentrum der jüdischen Gemeinde waren die Synagogen schon immer multifunktional. Sie waren Orte des Gebetes, Bildungsorte und [Schulhäuser][4], Versammlungsorte für politische und soziale Begegnungen. In modernen Synagogenkomplexen gibt es auch heute oft Kultur- und Bildungszentren, Bibliotheken oder koschere Restaurants. Die folgenden architektonische Merkmale sind für die meisten Synagogen typisch: die Ausrichtung der betenden Gemeinde Richtung Jerusalem, die ständige Gegenwart der [Tora][5] in Form der Torarollen im [Toraschrein][6] oder auf dem Lesepult ([Bima][7]), die Konzentration auf das Wort Gottes, die durch die Schlichtheit des Raumes ausgedrückt wird. Vor allem in älteren Gebäuden findet man zwei Säulen, die auf biblische Überlieferungen zurückgehen. Manche antike und moderne orthodoxe Synagogen nutzten und nutzen auch eine [Frauenempore][8], die die Geschlechter voneinander trennen soll. Oft sind Synagogen architektonisch vom Stil der sie umgebenden Kultur und Baukunst geprägt. Moderne Synagogen wurden z.B. 2001 in Dresden und 2010 in Mainz errichtet. Ausgestattet sind Synagogen mit einem ewigen Licht („ner tamid“), einem erhöhten Lesepult, aber vor allem einem Toraschrein, der die handschriftlich gefertigten Torarollen enthält. Diese sind in Europa meist in einen Toramantel aus Stoff eingeschlagen und geschmückt. Oft befindet sich an ihnen ein [Torazeiger][9], eine aus Silber geformte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger („jad“), den man zum Lesen benutzt. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in manchen Synagogen auch Orgeln eingebaut. In vielen Synagogen findet sich eine [Mikwa][10], in allen eine [Mesusa][11]  am Türpfosten; Symbole sind der [Davidstern][12], der siebenarmige Leuchter [Menora][13] oder der neunarmige [Chanukka][14]leuchter. Manchmal sind Synagogen auch mit hebräischen Bibelversen geschmückt.

[1]: "Exil"
[2]: "Jerusalem"
[3]: "Tempel"
[4]: "Schulhaus"
[5]: "Tora"
[6]: "Toraschrein"
[7]: "Bima"
[8]: "Frauenempore"
[9]: "Torafinger"
[10]: "Mikwe"
[11]: "Mesusa"
[12]: "Davidstern"
[13]: "Menora"
[14]: "Chanukka"

TANACH

Der Begriff ist ein Akronym und steht für die drei Schriftengruppen innerhalb der Hebräischen Bibel: [Tora][1] (Gesetz / Weisung), „Newiim“ (Propheten) und „Ketuwim“ (Schriften). Die Tora ist dabei von größter Bedeutung, enthält sie doch die 613 Ge- und Verbote, die grundlegend für das Selbstverständnis des Judentums sind.

[1]: "Tora"

Talmud

Der Talmud ist eine traditionelle Schrift des Judentums und setzt sich aus der [Mischna][1] und deren Kommentar, der „Gemara“, zusammen. Der Name Talmud kommt vom hebräischen Verb für „lernen“ oder „lehren“. Es gibt zwei verschiedene Versionen des Talmud,  den Palästinensischen (oder Jerusalemer) und den Babylonischen Talmud, wobei der Babylonische Talmud etwas später, wohl im 8. Jahrhundert, kodifiziert worden ist.

[1]: "Mischna"

Targum

Jüdische Bevölkerungsgruppen mussten schon immer in der [Diaspora][1] , d.h. außerhalb von Israel, leben und sich dortigen Gegebenheiten anpassen. Auch ihre Umgangssprache war nicht immer Hebräisch, schon gar nicht das biblische Hebräisch, in dem die größten Teile der Hebräischen Bibel geschrieben waren. Im hellenistischen Einflussbereich, z.B. in Ägypten, bemühten sich die Juden deshalb um eine griechische Übersetzung der Bibel, in Palästina um eine Übersetzung in das Aramäische. Diese aramäische Übersetzung nennt man Targum, was genau dies bedeutet: „Übersetzung“.

[1]: "Diaspora"

Tempel

Für Juden ist die Stadt [Jerusalem][1] und der Berg Zion seit alters her der „Wohnort Gottes“ in Gottes Tempel, der Wirkungsort der Vorfahren Abraham und Sara, der Könige David und Salomon, sowie der zukünftige Heilsort, wenn sich die Welt ihrem Ende zuneigt. In jeder [Synagoge][2] ist die Wand, die nach Osten bzw. in die Richtung des Jerusalemer Tempels zeigt, besonders gekennzeichnet und der Platz für den [Toraschrein][3], schon die [Mischna][4] hat diesbezügliche Regelungen getroffen. In vielen jüdischen Haushalten bezeichnet ein [Misrach][5] die Gebetsrichtung nach Jerusalem. Erste Erwähnungen von Jerusalem finden sich in ägyptischen Texten aus dem 19. und 18. Jahrhundert v.u.Z. Wahrscheinlich bedeutet ihr Name „Stadtgründung des Gottes Schalim“, der blumige Begriff „Stadt des Friedens“ ist eine spätere rabbinische Tradition. Archäologische Funde gibt es schon aus der Kupfersteinzeit zwischen 4500 und 3150 v.u.Z. Frühe biblische Berichte lassen sich oft nicht archäologisch belegen. Ursprünglich, berichtet das 2. Buch Mose 25-27 und 36-39, besaß das Volk Israel lediglich ein bewegliches Zelt, in dem man die Wohnung Gottes in Jerusalem lokalisierte, das sogenannte „Zelt der Begegnung“ (2. Mose 27,21). Laut dem Alten Testament, der hebräischen Bibel (1. Kön 5–6), erbaute David oder sein Sohn Salomon in Jerusalem einen Palast und einen ersten Tempel für Gott. Das Heiligtum soll aus einem Vorhof mit Becken und Brandopferaltar und einem Innenraum mit Räucheraltar, Leuchter und Schaubrottisch bestanden haben, im Allerheiligsten wirkte der Hohepriester. Dort befanden sich wohl zwei geflügelte Kerubime, unter deren Flügeln sich die Bundeslade befand. Im Vorhof sollen sich außerdem zwei Säulen, genannt Jachin und Boas, befunden haben, die im Synagogenbau oft als Vorbilder für Säulenkonstruktionen verstanden wurden. Assyrer und Babylonier sowie weitere Volksgruppen versuchten immer wieder, Jerusalem und den Tempel der Stadt einzunehmen, da sich die Stadt auf wichtigen Handelswegen von Norden nach Ägypten im Süden befand. Der Babylonier Nebukadnezar II. eroberte Jerusalem 597 und 587/586 v.u.Z., zerstörte den Tempel und führte viele Bewohner ins [Exil][6]. In Babylon gründeten sich daraufhin [Diaspora][7]gemeinden, später auch in Ägypten. Vom Ersten Tempel ist heute nichts erhalten, ein Granatapfel aus Elfenbein mit einer Inschrift ist wahrscheinlich eine Fälschung. Der zweite Tempel wurde nach der Eroberung durch die Perser ab etwa 517 v.u.Z. neu errichtet und unter Herodes dem Großen stark erweitert. Biblische Quellen dafür finden sich beim Propheten Haggai aber auch in Esra 6. Der Zweite Tempel wurde wohl auf dem zerstörten Vorgängerbau errichtet, viele Details wie die beiden Säulen wurden aber nicht neu errichtet. Das Allerheiligste blieb nun wohl gänzlich leer, anstelle der zehn Leuchter gab es wahrscheinlich einen siebenarmigen Leuchter, die [Menora][8]. Später wechselten sich in Jerusalem griechische, römische und jüdische Herrscher ab. 167 v.u.Z. wurde der Neubau unter Antiochus IV. Epiphanes dem Gott Zeus gewidmet, 164 v.u.Z. nach dem Makkabäeraufstand neu eingeweiht, ein Ereignis, auf das sich das [Chanukka][9] fest bezieht. Herodes der Große begann 20/19 v.u.Z. mit einem repräsentativen Neubau des Tempels, der danach zu den Weltwundern zählte. Der zweite Tempel wurde 70 u.Z. von den Römern zerstört, nur die Westmauer, die sogenannte Klagemauer, ist heute von diesem Bau noch erhalten. Außerdem erhielten sich noch einige Verbotsschilder, die den Zutritt zu den einzelnen Tempelbereichen regeln sollten. Auf dem Titusbogen in Rom ist der Triumphzug der Römer nach der Tempelzerstörung abgebildet. Auf dem Tempelberg befinden sich heute der islamische Felsendom und die al-Aqsa-Moschee.

[1]: "Jerusalem"
[2]: "Synagoge"
[3]: "Toraschrein"
[4]: "Mischna"
[5]: "Misrach"
[6]: "Exil"
[7]: "Diaspora"
[8]: "Menora"
[9]: "Chanukka"

Tora

Tora ist ein hebräisches Wort und bedeutet „Lehre“ oder „Weisung“. Der Begriff bezeichnet den ersten und wichtigsten Teil des Alten Testaments bzw. der Hebräischen Bibel, nämlich die Bücher Genesis (1. Buch Mose), Exodus (2. Buch Mose), Levitikus (3. Buch Mose), Numeri (4. Buch Mose) und Deuteronomium (5. Buch Mose). In der Hebräischen Bibel werden diese Bücher allerdings mit dem ersten Wort des jeweiligen Textes bezeichnet, heißen also „Bereschit“ („Am Anfang“), „Schemot“ („Namen“), „Va-Jikra“ („Gott rief“), „Be-Midbar“ („In der Wüste“) und „Dewarim“ („Worte“). Neben der Tora enthält das Alte Testament/die Hebräische Bibel nach jüdischem Verständnis auch noch die „Newi‘im“ („Propheten“), die beim Buch Josua beginnen und mit Maleachi enden, und die „Ketuwim“ („Schriften“), die poetische Literatur wie die Psalmen, beinhaltet, aber auch weisheitliche Literatur wie das Buch Hiob, historisches Material wie die Chronikbücher und apokalyptische Texte wie das Danielbuch. Im jüdischen Gebrauch heißt die Bibel dann auch [TANAKH][1], ein Akronym, das sich aus den Anfangsbuchstaben von Tora, „Nevi’im“ und „Ketuvim“ zusammensetzt. Wann und wie sich die einzelnen Bücher zu einem festgelegten Kanon fanden, ist in der Forschung nicht ganz geklärt. Man geht allerdings davon aus, dass erst im zweiten nachchristlichen Jahrhundert endgültig feststand, was in der Tora, den „Newi’im“ und den „Ketuwim“ aufgenommen werden sollte. Die Tora erzählt von der Schöpfung der Welt und der Menschen, von der Vertreibung der Menschen aus dem Paradies, von der Sintflut, vom Turmbau zu Babel, von den Vorfahren des jüdischen Volkes (Abraham, Isaak, Jakob und ihren Frauen) und ihren Nachkommen, vom Schicksal des Volkes in Ägypten, von der Wüstenwanderung und den Gesetzen Gottes, die am Sinai dem Mose übergeben werden. Diese Gesetze und auch die Idee vom Bund zwischen Gott und dem Volk Israel begründen das Selbstverständnis des Judentums und bilden die Grundbausteine der jüdischen Religion. Neben dieser sogenannten „schriftlichen Tora“ stehen alle anderen biblischen Bücher sowie die frühe rabbinische Literatur, zu der u.a. der [Talmud][2] und die [Mischna][3] gehören und die als „mündliche Tora“ bezeichnet werden. Die mündliche Tora ist der Schlüssel zum Verständnis der schriftlichen und daher in gewisser Weise dieser sogar übergeordnet. Die „mündliche Tora“ erlaubt es dem frühen Judentum, immer wieder aktuell Lehren in der Tradition zu verankern, um geschichtlichen Erfordernissen zu entsprechen. Die Idee dahinter ist, dass die „schriftliche Tora“ von Gott gegeben und Mose auf dem Berg Sinai anvertraut wurde, und diese dann von Generation zu Generation (schriftlich und mündlich) weitergegeben wird. Dabei kommt es zu „Neuerungen“ (chiduschim), die jedoch das „Alte“ und Überlieferte identisch in neuer Zeit zum Ausdruck bringen. Für den gottesdienstlichen Gebrauch wird die Tora von einem Schreiber ([Sofer][4]) handschriftlich und mit besonderen Gebeten und Vorbereitungen auf eine große Pergamentrolle geschrieben, die aus etwa 40 Bögen besteht und auf Holzstangen aufgerollt ist. In der [Synagoge][5] wird diese Torarolle im [Toraschrein][6] aufbewahrt und zum Lesen zur [Bima][7] gebracht. Der Schrein ist Richtung [Jerusalem][8] orientiert, im mitteleuropäischen Raum also an der Ostwand.

[1]: "TANACH"
[2]: "Talmud"
[3]: "Mischna"
[4]: "Schofar"
[5]: "Synagoge"
[6]: "Toraschrein"
[7]: "Bima"
[8]: "Jerusalem"

Torafinger

Der sogenannte Jad (hebräisch für „Hand“) besteht meist aus einem Stab, an dem sich vorn eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befindet. Oft sind Stab und Hand aus Silber gefertigt. Der Torafinger hat zwei Funktionen. Zum einen soll er die kostbaren [Tora][1] rollen, die von einem [Sofer][2] oder Toraschreiber in mühsamer Handarbeit gefertigt wurden, vor Verschmutzung schützen. Vor allem ist es jedoch die Heiligkeit der Tora, aus der folgt, dass sie nur mit dem Torafinger, nicht aber mit der eigenen Hand berührt wird, wenn man in der [Synagoge][3] aus ihr vorliest. Zum anderen dienen die Torafinger als Lesehilfe beim Gottesdienst, um die Zeile nicht zu verlieren. Sie werden mit den Torarollen im [Toraschrein][4] aufbewahrt.

[1]: "Tora"
[2]: "Schofar"
[3]: "Synagoge"
[4]: "Toraschrein"