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Vorgeschichte

In Barchfeld an der Werra, heute zu Südwest-Thüringen gehörend und eine Gemeinde mit gut 3100 Einwohner:innen, waren über mehrere Jahrhunderte jüdische Familien ansässig. Nachweislich seit mindestens 1566 lebten sie hier wohl ohne Unterbrechung über viele Generationen. Beruflich tätig waren sie in Barchfeld überwiegend als Viehhändler, Metzger, Makler und Kleinhändler. 


Die Möglichkeiten zur Ansiedlung und ein länger währendes Wohn- und Bleiberecht zu erwirken, waren vom Wohlwollen der jeweils herrschenden Landesfürsten abhängig. Die jüdische Gemeinde von Barchfeld war eine der bedeutendsten Landgemeinden in Thüringen. Der Ort gehörte politisch als Exklave über mehrere Jahrhunderte zur Kreisherrschaft Schmalkalden und damit zu Hessen. Erst mit der Angliederung an Preußen im Jahr 1866 erhielten die Juden die volle Gleichberechtigung. Damit wurde der Besuch höherer Schulen möglich und die früheren Berufseinschränkungen wurden abgeschafft. Nun erlernten die Jugendlichen vermehrt Handwerksberufe oder nahmen ein Studium auf. Zunehmend erhielten die hier geborenen jüdischen Kinder deutsche, ortsübliche Vornamen. 


Anfang des 19. Jahrhunderts nahm die jüdische Einwohnerzahl zu und erreichte 1887 mit insgesamt 240 jüdischen Bürger:innen ihren höchsten Stand. Die jüdischen Einwohner:innen machten damals bis zu 13 Prozent der Dorfbevölkerung aus. Christen und Juden lebten in dieser Zeit miteinander in guter Nachbarschaft.



Entwicklung der Zahl jüdischer Einwohner:innen in Barcheld, 1700-1941. (Grafik: Klaus Schmidt)


Das inzwischen gleichberechtigte Leben führte berufsbedingt allerdings ab 1890 – wie fast überall in Thüringen – zu einer deutlichen Abwanderung vom Dorf in größere Städte, wo höher qualifizierte Berufe häufiger gebraucht wurden. 1932 lebten nur noch 63 Menschen jüdischen Glaubens in Barchfeld.


Herzstück des jüdischen Lebens war die Synagoge, die im historischen Ortskern in der Nürnberger Straße Nr. 40 stand. Dort trafen sich die jüdischen Bürger:innen von Barchfeld und den Nachbarorten Bad Liebenstein, Bad Salzungen, Breitungen und Tiefenort zum Gottesdienst und zu kulturellen Veranstaltungen.



Von der Barchfelder Synagoge gibt es kein Foto. Die Zeichnung hat die Studentin Helene Rimbach (Bad Liebenstein) im Februar 2021 auf der Grundlage der Bauzeichnung von 1844 angefertigt. Für das links angrenzende jüdische Armenhaus gibt es keine verlässlichen Bauunterlagen. (Sammlung Klaus Schmidt)



Aufmarsch von nationalsozialistischen Gruppierungen in Barchfeld, hier das „Deutsche Jungvolk“ in der Nürnberger Straße, der Jugendorganisation der Hitlerjugend mit Jungen von 10 bis 14 Jahren, undatiert. Rechts das evangelische Pfarrhaus und im Hintergrund das Daniels-Haus, Wohnhaus der jüdischen Familie Daniel Leopold. (Sammlung Klaus Schmidt)


Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich feierte Barchfeld im Juni 1933 seine erste urkundliche Erwähnung 1000 Jahre zuvor. Die Vorbereitung des 1000jährigen Ortsjubiläums hatte schon zwei Jahre zuvor begonnen. Ein Festausschuss beschäftigte sich mit der Organisation des großen Heimatfestes ab November 1931. In diesen Vorbereitungsausschuss berufen wurden Bürgermeister, Gemeinderäte, Arzt, Apotheker, Handwerksmeister, aber keine Juden. Im Vorfeld wurden Spenden für die Feier gesammelt. Daran beteiligten sich auch jüdische Einwohner:innen.



Cover der Ortschronik „Tausend Jahre Barchfeld /Werra“ von Rektor Karl Volkmar, 1933. Vier der insgesamt 144 Seiten sind der israelitischen Gemeinde gewidmet. (Sammlung Klaus Schmidt)


Der Höhepunkt der Jahresfeier war der historische Festumzug. Mit 21 Themen wurde der historische Umzug gestaltet. Ein Zugteil thematisierte die wirtschaftliche Situation. Neben Industrie und Tabakanbau wurde auch der jüdische Viehhandel dargestellt.



Festumzug zur Tausendjahrfeier 1933 in Barchfeld durch die untere Liebensteiner Straße, Juni 1933. Die Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Eigentümer sind genauso mit schwarz-weiß-roten Fahnen geschmückt wie die anderen Gebäude. Zu sehen sind auf dem Foto die Häuser der jüdischen Familien Siegfried Heilbrunn und Julius Levor sowie die Bäckerei Heinrich Adam Nothnagel.


Eigentlich sollte zum 1000jährigen Ortsjubiläum auch eine Publikation von Justin Herrmann zur Geschichte der jüdischen Gemeinde erscheinen. Das Buch wurde noch fertiggestellt, durfte dann aber nicht vertrieben werden. Glücklicherweise wurden einige Hefte vor der Vernichtung gerettet. 


Vor 1933 hatte die NSDAP in Barchfeld Schwierigkeiten, Fuß zu fassen, da die Arbeiterparteien SPD und KPD hier eher stark waren. Die Barchfelder Formation des SPD-nahen „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ hatte weit mehr als 100 Angehörige, vorwiegend SPD-Mitglieder und parteilose Fabrikarbeiter. Dazu gehörten auch mehrere jüdische Einwohner, die sich über Jahre aktiv an der Ausbildung beteiligten und auch an den Kämpfen in Barchfeld gegen die uniformierten SS- und SA-Gruppen beteiligt waren. 


Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Anfang 1933 war es damit vorbei. Im Februar 1934 berichtete Bürgermeister Eberlein dem Landrat in Schmalkalden über die aktuelle Situation der jüdischen Bevölkerung: „Der größere Teil der Jüngeren beteiligte sich bis zur Nationalsozialistischen Revolution im Reichsbanner und anderen Staatsfeindlichen Organisationen. Nach der Machtübernahme lösten sie ihre Verbindungen zu den politischen Gruppen und ist bis heute nichts Gegenteiliges bekannt geworden. Wirtschaftlich betätigen sie sich wie zuvor, jedoch mit dem Unterschied, dass ihr Umsatz stark zurückgegangen ist. Kulturell betätigen sie sich mit Ausnahme des Besuches der Synagoge nicht.“



 


Lagebericht von Bürgermeister Eberlein an den Landrat in Schmalkalden, 20. Februar 1934. (Archiv der Gemeinde Barchfeld)


Die neue politische Lage zeigte sich u.a. am 13. März 1933, als vor dem Barchfelder Rathaus die schwarz-rot-goldene Fahne der Weimarer Republik verbrannt und dafür die Hakenkreuzflagge gehisst wurde.


Im Januar 1933 hielt der Thüringische Landtagsabgeordnete der SPD Ludwig Pappenheim vor Hunderten von Barchfelder Einwohnern in einem gefüllten Tanzsaal eine leidenschaftliche Rede gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Ludwig Pappenheim war Zeitungsredakteur in Schmalkalden, Sozialdemokrat und selbst Jude. Wegen seiner Haltung wurde er von den Nazis am 25. März 1933 inhaftiert und im Januar 1934 im KZ Neusustrum/Ems unter ungeklärten Umständen erschossen.


Schon 1933 setzte auch in Barchfeld die Ausgrenzung und Entrechtung der Juden ein. Dem Arzt Dr. Ludwig Wolfermann wurde die Approbation entzogen; er durfte ab dem 31. März 1933 nicht mehr praktizieren. Der Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 hatte zwar noch nicht so viel Erfolg wie an anderen Orten, aber bis Mitte der 1930er Jahre wurde es auch hier üblich, dass SA-Wachen vor den Geschäften jüdischer Eigentümer standen, die die „unverbesserlichen Kunden“ fotografierten und im „Stürmer-Schaukasten“ vor dem SA-Stammlokal Gasthaus „Täschchen“ neben der Löwen-Apotheke in der Nürnberger Str. 45 als „Volksverräter“ anprangerten. Selbst noch im hohen Alter von 100 Jahren empörte sich die Barchfelderin Elise Sömmer, geb. Fischer, darüber, dass sie 1938 in dem SA-Schaukasten als „Volksverräterin“ öffentlich gebrandmarkt worden war.



Aufmarsch der Barchfelder Hitlerjugend auf dem Marktplatz im Ortszentrum von Barchfeld, 10. April 1938. Rechts im Hintergrund ist der „Stürmer-Schaukasten“ zu erkennen. (Sammlung Klaus Schmidt)


Wie überall im Reich wurde auch in Barchfeld immer mehr Druck auf jüdische Geschäftsinhaber ausgeübt, ihre Unternehmen zu „arisieren“ und weit unter Wert zu verkaufen. Etliche Jüdinnen und Juden zogen aus Barchfeld in größere Städte, oder sie emigrierten ins Ausland. Im November 1938 lebten in der Gemeinde noch rund 25 jüdische Familien mit 46 Personen (zu Beginn der 1930er Jahre waren es noch über 60 gewesen).

Die Ereignisse im November 1938

In Barchfeld begann die Pogromnacht am 9. November 1938 gegen 22 Uhr mit der Versammlung der NSDAP, SS und SA im Gasthaus „Zur Sonne“. Dort wurde der Befehl gegeben: „Zerstörung jüdischer Geschäfte, Verhaftung der jüdischen Bevölkerung und Vernichtung der Synagoge“. Lehrer Hans Braunholz teilte als SA-Führer die anwesenden SA-Männer auftragsgemäß für folgende Aufgaben ein:


1. Die Barchfelder Juden bei Nacht aus den Häusern holen und zum Rathausplatz bringen.


2. Die festgenommenen ortsansässigen Juden unter Aufsicht der SA-Männer in die Kreisstadt Schmalkalden transportieren.


3. Zerstören der Synagoge.


Von der Entladung des „Volkszorns“, wie in den nationalsozialistischen Tageszeitungen berichtet, konnte keine Rede sein. Es waren in Barchfeld die hier lebenden Nationalsozialisten, unterstützt von einigen SA-Männern aus dem Nachbarort Schweina, die die Befehle der vorgesetzten Stellen mit Tatkraft erfüllten, während der größte Teil der Bevölkerung die nächtlichen Ausschreitungen nicht mitbekam oder aus Angst vor Repressalien bewusst wegsah. Der jahrelang geschürte Judenhass, die Manifestierung der Rassenideologie und die Verfolgung „nichtarischen Verhaltens“ hatten die Menschen eingeschüchtert und verängstigt.


Jeweils 2 oder 3 eingeteilte Männer, die überwiegend Mitglieder der SA und der NSDAP waren, hatten zuvor bestimmte jüdische Familien aufzusuchen und die jüdischen Männer und Frauen auf den Rathausplatz zu bringen. Aus Gerichtsprotokollen von Verhandlungen nach 1945 gehen etliche Namen der Täter hervor. Auch die SA-Gruppe von Breitungen war befehlsgemäß angetreten. Da zu der Zeit in Breitungen keine Juden lebten, sollten sie nach Barchfeld marschieren, um den Pogrom dort zu unterstützen. Während des Fußmarsches diskutierten die Breitunger Männer, warum sie sich eigentlich im Nachbarort einmischen sollten. An der Gemarkungsgrenze angelangt, war inzwischen die Mehrheit dafür, sich herauszuhalten und umzukehren, was sie dann auch alle taten.


Aber die Nationalsozialisten aus Barchfeld brauchten die Hilfe aus Breitungen gar nicht. Es gelang ihnen auch alleine, die Barchfelder Jüdinnen und Juden gewaltsam zum Rathausplatz zu bringen und von dort per LKW in die Kreisstadt Schmalkalden zu verfrachten. Der Schmalkalder Karl Wissler war Augenzeuge, als der LKW aus Barchfeld auf dem Schmalkalder Marktplatz eintraf: „Mitten auf dem Marktplatz loderte ein mächtiges Feuer, das von SA- und Feuerwehrmännern immer wieder neue Nahrung dadurch bekam, dass Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände der Synagoge Schmalkalden hineingeworfen wurden. Zur selben Zeit kamen per Lastauto Frauen und Kinder jüdischen Glaubens aus Barchfeld an. Sie waren offenbar angesichts des Feuers der Meinung, dass sie nun ihrem Verbrennungstode entgegensehen sollten und schrien fürchterlich. Als ich das sah, entfernte ich mich vom Marktplatz.“ 


(Schreiben von Karl Wissler vom 7. November 1947 an den Vorsitzenden der Entnazifizierungskommission des Landkreises Schmalkalden)


In einem Schreiben an die Generalstaatsanwaltschaft in Jena berichtete der Meininger Oberstaatsanwalt Kähler über den Pogrom in der Region: „Festgenommen und nach Buchenwald abtransportiert worden sind die männlichen Juden aus den folgenden Orten: Meiningen, Bad Salzungen, Zella-Mehlis, Schmalkalden, Barchfeld, Hildburghausen, Suhl, Schleusingen, Gleicherwiesen und Gleichamberg. Die Festnahmen erfolgten teilweise durch die SA, der Abtransport auf Anforderung der Gestapo. Jüdinnen sind festgenommen worden in Schmalkalden und Barchfeld; abtransportiert sind sie bisher noch nicht worden. … In Barchfeld, wo die Synagoge aus Fachwerk bestand, ist sie niedergerissen worden, während die Einrichtung im Beisein von SS-Männern verbrannt wurde. … In den meisten Orten sind die Fensterscheiben bei jüdischen Geschäften und Wohnungen zertrümmert worden.“


(Schreiben Oberstaatsanwalt Köhler an den Generalstaatsanwalt in Jena, 10. November 1938, Thür. Hauptstaatsarchiv Weimar)


Die genaue Anzahl der Festnahmen in Barchfeld ist nicht bekannt. Laut Eingangslisten des Konzentrationslagers Buchenwald wurden am 10. November 1938 13 jüdische Männer aus Barchfeld von Schmalkalden aus in das KZ eingeliefert (Salomon Heilbrunn, Emil, Ludwig und Justin Hermann, Max Hofmann, Philipp Kuhn, Siegfried Leopold, Isidor und Julius Levor, Julius und Karl Wolf, Jakob Wolfermann und Julius Strauß). Die verhafteten Frauen und Kinder kamen mit dem LKW am nächsten Morgen wieder nach Barchfeld zurück. Zu den nach Barchfeld zurückgebrachten Kindern gehörte der vierjährige Alfred Kuhn. 2020 berichtete er über die Pogromnacht in Barchfeld: 


„Spät in der Nacht klopfte es an der Tür und uniformierte Männer forderten uns auf, uns sofort im Rathaus zu melden. Dort angekommen wurden wir alle zur Kreisstadt Schmalkalden gebracht und in einen großen Kellerraum des Polizeigefängnisses befohlen. Die Männer wurden auf die eine Seite gestellt – Frauen und Kinder auf die andere. Nach stundenlangen Verhören wurden alle Männer, einschließlich meines Vaters, offiziell verhaftet, weil sie Juden waren, und in das Konzentrationslager in Buchenwald gebracht. Frauen und Kinder wurden freigelassen und durften nach Hause zurück.“


[…] Wir alle vier, mein Vater Philipp, meine Mutter Keri, meine Schwester Thea (8 Jahre) und ich Alfred (4 Jahre) wurden in der Nacht auf einem Lastwagen nach Schmalkalden gebracht. Ich erinnere mich sehr gut an diese Nacht. […] Zunächst war ich auf der Fahrt nach Schmalkalden fasziniert von den vielen Lichtern entlang der Straße. Ich war vorher noch nie nachts draußen gewesen. Schließlich erinnere ich mich an den Raum, in dem wir in Schmalkalden festgehalten wurden. Er war groß und nicht gut beleuchtet. Das, woran ich mich als Kind am meisten erinnere, war die Farbe an den Wänden, es war dunkles und hässliches Grün! Es ist eine Erinnerung, die ich nie vergessen werde.“


(Schriftlicher Bericht von Alfred Kuhn an den Verf., 20. November 2020)


Rita Strauß, geborene Kahn (Enkeltochter von Emil Herrmann), berichtete 2020: 


„Ich war noch nicht ganz 8 Jahre gewesen. Nachts hatte es an unserer Türe gepocht, ein uniformierter Sturmtrupp stand da und nahm uns alle fest, meine Mutter, unsere Haushaltsgehilfin Fanny Aufseeser und ich sowie die Männer [Opa Emil, Onkel Ludwig und Onkel Justin]. Erst kamen wir zur Stadthalle [Rathaus Barchfeld] und dann mit einem Lastkraftwagen nach Schmalkalden. Dabei fuhren wir an der Straße entlang, wo an der Synagoge ein Feuer brannte. Meine Mutter und ich hatten große Bedenken und Angst, dass wir lebend in das Feuer geschmissen würden.“


(Schriftlicher Bericht von Rita Strauß an den Verf., 26. November 2020)


Die Zerstörung der Synagoge gestaltete sich in Barchfeld schwierig. Während an vielen anderen Orten die Synagogen niedergebrannt wurden, protestierte hier der benachbarte Gastwirt Richard Jung dagegen. Seine Scheunen und Stallungen grenzten direkt an die Synagoge. Er befürchtete ein Übergreifen der Flammen auf sein Anwesen und einen Großbrand. So wurde die Synagoge, ein Fachwerkgebäude, abgerissen. Aus der Schmiede in der Hotzelgasse 3 holten die Täter große Schmiedehämmer und zertrümmerten damit das Gebäude und seine Inneneinrichtung. Große brennbare Hölzer wie Fachwerkbalken, Dachlatten, Fußbodenbretter, Stühle, Bänke, Treppen und die Empore wurden verladen und auf die Werrawiese nahe der Werrabrücke gebracht und als großes Freudenfeuer verbrannt. Schriften, Gesangsbücher, Wandbehänge, Tischdecken und Kleinmöbel wurden unter Aufsicht der SS auf dem Vorplatz zwischen der Friedenseiche und der Straße nahe der Synagoge im Feuer vernichtet. Dabei sind vermutlich auch die Registerbücher zum Opfer der Flammen geworden. Ob auch die heiligen Thora-Rollen, der jüdische Leuchter und Schmuckgegenstände der jüdischen Gemeinde zerstört oder heimlich „sichergestellt“ wurden, ist unbekannt. 


Alfred Kuhn schrieb 2020: 


„Das Innere der Synagoge war völlig zerstört. Sie nahmen alles mit, was draußen brennen konnte: Vorhänge, Gebetsbücher, heilige Schriften (Thora), Holzbänke und Kissen. Alles zündeten sie an. Die Kissen waren mit Federn gefüllt, und als sie anfingen zu brennen, wurden sie von den Flammen in den Himmel getrieben und es regnete buchstäblich die nächsten zwei Tage Federn. Jedes Mal, wenn ich weiße Federn sehe, erinnere ich mich an diesen Tag!“


(Schriftlicher Bericht von Alfred Kuhn an den Verf., 20. November 2020)



Auch die Wohnhäuser jüdischer Familien in Barchfeld wurden während der Pogrome teils schwer beschädigt. Ihre Bewohner:innen erlitten teils schwere Verletzungen. Bei Familie Jakob Wolfermann (Nürnberger Str. 57) wurden die Fenster eingeschlagen und die Tür eingetreten. Die Ehefrau Flora Wolfermann wurde bei der Festnahme ihres Mannes so geschlagen, dass sie im Gesicht blutete und eine bleibende Narbe bekam. Ingeborg Blum, geb. Schmidt (*1925) sah, wie in der Nachbarschaft die Witwe Katty Weinstein aus dem Daniels-Haus geholt, mit Fußtritten vorangetrieben und vor dem Rathaus auf einen LKW verladen wurde, während auf dem Kronenhof (Platz zwischen dem Gasthaus „Zur Krone“ und dem Rathaus) in der Nacht Bücher und andere Dinge verbrannt wurden. Ernst Klinzing (*1921) wusste zu berichten, dass die beiden ledigen Schwestern Susanne und Hedwig Wolfermann, wohnhaft in der Salzunger Str. 1, mit Fußtritten aus dem Haus geholt wurden. Eingeschlagene Fensterscheiben gab es an etlichen Häusern, so auch am Haus der Familie Leopold auf dem Pfarrplatz 4.


Fürchterlich wüteten die SA-Männer in dem Wohn- und Geschäftshaus der Familien Wolf und Kuhn in der Nürnberger Straße 36, was von mehreren Augenzeugen beobachtet wurde. Erst am nächsten Tag wurde das gesamte Ausmaß der Schäden deutlich. Nachdem Philipp Kuhn verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt worden war, zerschlugen die Uniformierten beide Schaufenster des Textilladens, warfen die Waren aus dem Geschäft auf die Straße und trampelten darauf herum. Am Tag nach der Pogromnacht wurden die christlichen Kinder Hanna Schröder und Karl Laudage, die damals zusammen in einem Haus neben dem evangelischen Kindergarten wohnten, Augenzeugen des Geschehens in der Nürnberger Straße. Hanna Schröder schilderte 2013 dem Verfasser gegenüber das Gesehene so: „Wir sahen, wie die Juden-Lina, eine ältere Frau mit buschigen roten Haaren, die Scherben von den zerschlagenen Schaufensterscheiben vor ihrem Haus zusammenkehrte. Männer mit braunen Uniformen und Stiefeln waren auch da und zerschlugen erneut Glasscheiben am Judenhaus. Da weinte die Frau jämmerlich.“


Am 10. November, am Tag nach der Pogromnacht, ging Sportlehrer und SA-Führer Hans Braunholz mit einer Klasse im Sportunterricht durch den Ort. Für diesen Tag hatte er sich eine besondere „Sportübung“ ausgedacht: Zielwerfen mit Steinen nach den Fensterscheiben von „Judenhäusern“. Augenzeugen, damals beteiligte Jungen, können sich noch erinnern, wie sie dieser ungewöhnlichen Aufforderung zu einer wohl einmaligen „Sportübung“ nachkamen, teils zögerlich und widerstrebend, teils mit Begeisterung. In Erinnerung blieb den Beteiligten, dass sie als Elfjährige Fensterscheiben in den Häusern der Familien Levor in der Liebensteiner Straße 4 und 6 durch Steinwürfe zerschlugen. 


Schäden, u.a. zerschlagene Fensterscheiben, gab es nach Berichten von Zeitzeug:innen an folgenden Wohnhäusern: Nürnberger Str. 14 (Bella Weinmann, geb. Hofmann), 26 (Lina Wolf), Liebensteiner Str. 4/6 (Familie Julius Levor), 22 (Familie Isidor Levor) und Pfarrplatz 4 (Familie Siegfried Leopold).

Folgen

Die in das KZ Buchenwald verschleppten Bachfelder Juden wurden in den folgenden Wochen schrittweise wieder entlassen. Günstig auf die Haftentlassung wirkten sich Ausreiseplanungen, die Bereitschaft zur „Arisierung“ des Besitzes und Überschreibung von Immobilien und Fahrzeugen an nationalsozialistische Organisationen oder NS-Funktionäre aus. Länger inhaftierte Männer zeigten nach ihrer Heimkehr psychische Veränderungen durch die erlebte rohe Gewalt, die traumatischen Erfahrungen, ihrer Ohnmacht und Rechtlosigkeit im KZ. Nahezu alle Entlassenen setzten alle Hebel in Gang, um möglichst schnell das Deutsche Reich zu verlassen.


Bis 1941 verließen die letzten jüdischen Einwohner:innen die Gemeinde Barchfeld. Aus diesem Grund gab es aus dem Ort keine direkten Deportationen in Ghettos und Vernichtungslager. Dennoch fielen der Shoah mindestens 30 in Barchfeld geborene sowie 10 zugezogene Jüdinnen und Juden zum Opfer.

Biographien

Rita Strauß, geb. Kahn


Rita Kahn wurde am 18. Dezember 1930 in Meiningen geboren. Ihr Vater war Armin Kahn aus Bibra, ihre Mutter Martha Kahn, geborene Herrmann, aus Barchfeld. Die Kindheit verlebte Rita im Wohn- und Geschäftshaus des Großvaters Emil Herrmann in Barchfeld in der Liebensteiner Straße. 


Ritas Großvater handelte mit Maschinenölen und Wagenfetten. Wegen seines Öl-Handels wurde Emil Herrmann von der Dorfbevölkerung „Schmier-Emil“ genannt, ohne dass der Spitzname abwertend gemeint war. Zur Familie Herrmann gehörten in den 1930er Jahren neben dem Opa Emil und Mutter Martha noch die Onkel Ludwig, Justin und Max. Justin war der letzte ehrenamtliche Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Barchfeld. 



Rita Kahn am Tag ihrer Einschulung in die Volksschule Barchfeld, 1937. (privat)




Martha und Max Herrmann mit zwei Nachbarkindern auf dem Hof der Familie Herrmann in der unteren Liebensteiner Straße, um 1915. Im Hintergrund ist die frühere Bäckerei Nothnagel zu sehen. (privat)
 



Familie Herrmann im Haus von Emil Herrmann, um 1938. In der Mitte Rita Kahn; außerdem auf dem Foto: Mutter Martha Kahn, Ritas Onkel Ludwig, Justin und Max, der Großvater Emil Herrmann und die Haushälterin Fanny. (privat)


Mit der Pogromnacht 1938 endete für die 8-jährige Rita Kahn die dahin weitgehend sorgenfreie Kindheit. Immer wieder berichtete sie später, wie Barchfelder Nationalsozialisten in der Nacht zum 10. November 1938 laut brüllend in ihr Wohnhaus stürmten. Noch in der Nacht wurden ihr Opa Emil sowie die Onkel Justin und Ludwig Herrmann verhaftet und wenig später ins KZ Buchenwald gebracht. 


Im Alter von 85 Jahren schilderte Rita Strauß ihre Erlebnisse während der Pogromnacht wie folgt: „Ich war noch nicht ganz 8 Jahre alt gewesen. Nachts hatte es an unserer Türe gepocht, ein uniformierter Sturmtrupp stand da und nahm uns alle fest, meine Mutter, unsere Haushaltsgehilfin Fanny und mich sowie die Männer. Zuerst mussten wir zum Barchfelder Rathaus und dann mit einem Lastkraftwagen zur Kreisstadt Schmalkalden. Dabei fuhren wir an der Straße entlang, wo vor unserer Synagoge ein Feuer brannte. Meine Mutter und ich hatten große Bedenken und Angst, dass wir lebend in das Feuer geschmissen würden.“


Die verschleppten und verängstigten Frauen und Kinder kamen am nächsten Tag aus dem Gerichtsgefängnis der Kreisstadt Schmalkalden zurück. 


Im März 1939 folgten Rita und ihre Mutter Martha ihrem Vater Martin Kahn, der schon vor der Pogromnacht nach Frankreich geflohen war. Nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht lebte die Familie unter falschen Namen im Untergrund. 1941 nahm die Gestapo jedoch Rita und Martha Kahn fest und brachte sie in das Lager Gurs. Von dort aus gelang ihnen aber die Flucht. Dank der Hilfe französischer Freunde überlebte die Familie.


Nach dem Kriegsende blieb die Familie zunächst in Nizza und wanderte 1951 in die USA aus. In New York lernte Rita Kahn ihren späteren Ehemann Helmut Strauß kennen, der 1920 in Lauterbach/Hessen geboren worden war. Er war 1936 in die USA emigriert, als er das Gymnasium nicht mehr besuchen konnte. In den USA nahm er den Namen Henry Strauß an. Rita und Henry Strauß haben gemeinsam zwei Kinder und drei Enkel. Henry starb mit 93 Jahren im März 2013, Rita Strauß lebt noch immer in New York und ist die letzte Überlebende der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Barchfeld. Für die Erforschung der Geschichte der jüdischen Gemeinde ihres Heimatortes stellte sie zahlreiche Fotos und Dokumente zur Verfügung.



Anlässlich ihres 92. Geburtstages besuchte Rita Strauß im Dezember 2022 mit ihrer Tochter Michelle in einem New Yorker Theater das Musical „Sound of Music“. (privat) 


Alfred Kuhn - der letzte in Barchfeld geborene Jude 


Alfred Kuhn wurde am 11. August 1934 als zweites Kind von Keri Kuhn, geborene Wolf, und Philipp Kuhn geboren. Die Familie lebte im Haus der Großmutter Lina Wolf, mit der sie zusammen ein Textilwarengeschäft betrieben. Während die Frauen im Geschäft arbeiteten, besorgte Philipp Kuhn den Vertrieb mit seinem Auto.



Lina Wolf mit ihren Enkelkindern Alfred und Thea Lena Kuhn, um 1935. (privat) 



Keri und Philipp Kuhn, um 1930. (privat)


In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November verwüsteten die Nationalsozialisten das Textilgeschäft. Stoffe, Wolle, Kleidung und Nähmaterialien warfen sie auf die Straße und traten darauf herum, so dass die Ware nicht mehr verkäuflich war. Außerdem zertrümmerten die Täter die beiden großen Schaufensterscheiben.


In derselben Nacht wurden das Ehepaar Keri und Phillip Kuhn sowie die erst vier bzw. acht Jahre alten Kinder Alfred und Thea Lena verhaftet und nach Schmalkalden gebracht. Die Großmutter wurde verschont, möglicherweise wegen ihres hohen Alters. Keri Kuhn und die beiden Kinder wurden nach einigen Stunden wieder freigelassen, doch Philipp Kuhn wurde in das KZ Buchenwald überführt. Erst einige Wochen später kam er frei. 



Alfred Kuhn, undatiert. (Privat)


Thea Lena wurde am 15. November 1938 der Schule verwiesen. Im Dezember 1938, kurz nach seiner Entlassung aus dem KZ Buchenwald, verlor Philipp Kuhn mit dem Entzug des Führerscheins und der Zulassungspapiere für jüdische Kraftfahrer seine Existenzgrundlage. Nun setzte das junge Ehepaar alles daran, zusammen mit den Kindern zu emigrieren. Doch erst am 18. April 1940 gelang es ihnen als den letzten Barchfelder Juden, Deutschland zu verlassen. Auf der ständigen Suche nach Ausreisemöglichkeiten hatte Vater Philipp erfahren, dass eine schweizerische Firma für den Aufbau eines Viehzuchtbetriebes im bolivianischen Dschungel zuverlässige europäische Landwirte suchte. Er bewarb sich um eine Anstellung, wurde angenommen und erhielt somit die Genehmigung zur Ausreise. Die Mutter Lina Wolf blieb in Deutschland zurück; sie starb 1941.


Die Flucht aus dem Deutschen Reich war für die junge Familie Kuhn eine weite Reise ins Ungewisse. Mit der Eisenbahn fuhr die vierköpfige Familie über München in die italienische Hafenstadt Genua. Von dort ging es per Schiff in die nordchilenische Hafenstadt Arica und anschließend per Bahn und LKW sowie am Ende auf Maultieren in den bolivianischen Regenwald. 


Nach einem Jahr war die Familie in der Lage, in die bolivianische Hauptstadt La Paz umzusiedeln. Dort führten Keri Kuhn und Tochter Thea Lena ein Geschäft für Damenmode. Vater Philipp arbeitete als Verkaufsvertreter für landwirtschaftliche Produkte. Im Oktober 1949 konnte dann endlich die ursprünglich angestrebte Auswanderung in die USA erfolgen. Eine zehnjährige Flucht fand schließlich ein gutes Ende.


1964 lernte Alfred Kuhn in New York seine spätere Frau Liliane Rosenfeld kennen. Ihre Eltern waren 1933 aus Deutschland nach Frankreich geflüchtet. Dort war Liliane 1939 geboren worden. Während der deutschen Besatzung Frankreichs war sie bei einem christlichen Ehepaar versteckt worden und hatte so die Shoah überlebt. Nach dem Krieg hatte sie zunächst zusammen mit ihren Eltern in Frankreich gelebt und war 1964 zu einem Sprachlehrgang in die USA gekommen, wo sie Alfred Kuhn kennenlernte und heiratete.



Liliane Rosenfeld während der deutschen Besatzung Frankreichs, um 1942. (privat)


Fast 40 Jahre lang lebte Familie Kuhn in Long Island, New York, wo die zwei Söhne Philip Steven (geb. 1968) und Alan Michael Kuhn (geb. 1969) geboren wurden und aufwuchsen.


Alfred Kuhn arbeitete nach einem Studium der Luftfahrttechnik in der Luft- und Raumfahrtindustrie der USA. Als Spezialist für moderne Antriebstechniken arbeitete er an der Entwicklung der Raketenantriebssystemen der Mondlandefähre „Eagle“ mit, die 1969 die erste erfolgreiche Landung von Menschen auf dem Mond ermöglichte. Es ist nicht bekannt, inwieweit es in seinem Team zu Diskussionen darüber kam, dass das amerikanische Mondflugprogramm maßgeblich von den deutschen Raketenspezialisten um Wernher von Braun und Arthur Rudolph geleitet wurde, die im Zweiten Weltkrieg für die Zwangsarbeit Tausender KZ-Häftlinge für das NS-Raketenwaffenprogramm mitverantwortlich gewesen waren.



Alfred Kuhn in den 1960er Jahren. (privat)


2010 zog das Rentnerehepaar Kuhn nach Kalifornien um, um in der Nähe der Söhne und Enkelkinder zu sein. Beide Söhne haben Informatik studiert. Sie wohnen heute in der Nähe von San Francisco. Alfred Kuhn starb am 9. Juli 2021 in Kalifornien.



Alfred und Liliane Kuhn in ihrer Wohnung in Kalifornien, 2017. (privat)

Justizielle Ahndung

Im Jahr 1946 begann mit Verhören die juristische Aufarbeitung der Ausschreitungen während der Barchfelder Pogromnacht. Die Protokolle befinden sich im Staatsarchiv Weimar. Erst fünf Jahre später, am 2. April 1951, reichte der Meininger Staatsanwalt die Anklageschrift gegen 16 Beteiligte ein. Als Beweismittel wurden die Aussagen der Angeklagten selbst und die Aussagen von Zeugen aus dem Jahr 1946 angeführt. Das Gericht entschied weitgehend zu Gunsten der Angeklagten und verhängte nur relativ kurze Haftstrafen von 8 bis zu 12 Monaten. Doch die Haft mussten die Verurteilten nicht antreten: Nach eingereichter Revision und aufgrund des SMAD-Befehl Nr. 43/48 vom 18. März 1948 wurden nach Gerichtsbeschluss alle Verurteilten amnestiert.

Spuren und Gedenken

Der Standort der ehemaligen Synagoge blieb nach 1945 eine Brache. Nach einem sehr langen Schweigen über die jüdische Lokalgeschichte des Dorfes, sowohl in der Bevölkerung als auch in der Schule, wurde 1988 erstmals öffentlich der jüdischen Opfer der NS-Zeit in Barchfeld gedacht. Auf Initiative des evangelischen Pfarrers Ernst Ritter und des Bürgermeisters Wolfgang Stein wurde am 27. November 1988 am Standort der 50 Jahre zuvor zerstörten Synagoge an der Nürnberger Straße 40 ein Gedenkstein eingeweiht. Anwesend war der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde von Thüringen Raphael Scharf-Katz. Unter den zahlreichen Teilnehmer:innen der Einweihung des Denkmals waren auch Vertreter der DDR-Parteien und der Kreisverwaltung Bad Salzungen. 



Gedenkstein am Standort der ehemaligen Synagoge, 27. November 1988. (Foto: Klaus Schmidt)




Einweihung des Denkmals am Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge durch den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde von Thüringen Raphael Scharf-Katz (1917-1994), 27. November 1988.  (Foto: Klaus Schmidt)


1996 musste der Gedenkstein wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse an dem Grundstück der ehemaligen Synagoge auf den ehemaligen jüdischen Friedhof umgesetzt werden. Das Grundstück liegt seither brach.



Standort der ehemaligen Synagoge, Oktober 2023. (Foto: Klaus Schmidt)


Der Friedhof an der Nürnberger Straße wird von der Gemeindeverwaltung gepflegt. Er umfasst noch rund 100 Grabstätten, überwiegend ältere mit kaum lesbaren Inschriften. Die neueren Grabsteine sind während des Nationalsozialismus gestohlen und zweckentfremdet worden.



Jüdischer Friedhof von Barchfeld, 2023. (Foto: Klaus Schmidt)



Teilansicht vom heutigen Zustand des Friedhofes mit Erläuterungstafel, 2022. (Foto: Klaus Schmidt) 


Es gab Jugendprojekte, Konzerte mit jüdischer Musik und eine öffentliche Vorstellung des Buches über das Leben und das Schicksal der jüdischen Gemeinde in der Kirche am 27. September 2021 in Barchfeld.


Jeweils am 9. November wird regelmäßig eine öffentliche Gedenkveranstaltung durchgeführt. 2013 wurden erste Stolpersteine verlegt, sie galten der Familie von Karl Wolf. Mittlerweile wurden für 32 jüdische Einwohner:innen Stolpersteine vor ihren ehemaligen Wohnhäusern verlegt. 



Stolpersteine für die Mitglieder der Familie Wolf, 2013. (Foto: Klaus Schmidt)

Quellen und Literatur

Herrmann, Justin: Zur Tausendjahrfeier Barchfeld/Werra. Ein vollständiger Überblick der Geschichte der israelitischen Gemeinde, Barchfeld 1933. 
Nothnagel, Hans: Über das jüdische Leben im mittleren Werra- und Rennsteiggebiet. In: Juden in Südthüringen geschützt und gejagt, Bd. 6, Suhl 1999.
Schmidt, Erich: Barchfeld. Geschichten aus zwei Jahrhunderten, Bad Salzungen 2008.
Schmidt, Klaus: Leben und Schicksal der jüdischen Landgemeinde Barchfeld/Werra, Petersberg 2021.
Zimmermann, Manfred: Schwierige Zeiten: „Kristallnacht“, „Arisierung“ und „Wiedergutmachung“ in Barchfeld. Manuskript und Vortrag für den Heimatgeschichtsverein Barchfeld, Manuskript, 8.11.2018.

Links

Eintrag zu Barchfeld auf juedische-gemeinden.de: https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a-b/336-barchfeld-werra-thueringen

Eintrag zu Barchfeld auf alemannia-judaica.de: https://www.alemannia-judaica.de/barchfeld_synagoge.htm

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Autor: Klaus Schmidt in Zusammenarbeit mit dem Heimatgeschichtsverein e.V. Barchfeld